Führungsjobs in Teilzeit: Drei Frauen leiten den Forstbetrieb Kelheim

Von Lorenz Erl · 8. Dezember 2024 um 19:00

Elternzeit muss kein Karriereknick mehr sein, sagen Sonja Jensen und Linda Klinge. Sie leiten künftig mit Sabine Bichlmaier den Kelheimer Forstbetrieb. Die beiden neuen Stellvertreterinnen teilen sich Position und Aufgaben. Und sehen sich als Vorreiterinnen – „auch für Männer“.

Die „Forstpartie“, also der Arbeitsbereich der Waldaufseher, Förster und vor allem der damaligen Forstamtsleiter und Forstbetriebsleiter war über Jahrhunderte eine rein männlich dominierte Arbeitswelt. Frauen in Förster- und insbesondere in Leitungsberufen sind zwar auch heute noch deutlich in der Minderzahl, aber die Frauenpower im Wald holt auf.

Seit Kurzem ist dafür der Forstbetrieb Kelheim der Bayerischen Staatsforsten gewissermaßen ein Leuchtturmbeispiel. Nicht nur, dass Sabine Bichlmaier den Forstbetrieb mit elf Revieren in der Ausdehnung von Burggriesbach bis Teugn seit Jahren leitet. Seit Kurzem wird sie in ihren Führungs- und Leitungsaufgaben von zwei weiteren Frauen unterstützt.

Zwei Halbtagsstellen

Erstmals werden diese Stellvertreter-Leitungsfunktionen zudem auf zwei Halbtagsstellen aufgeteilt. „Bei den gesamten Bayerischen Staatsforsten werden von den 41 Forstbetrieben zwischen Spessart und Karwendel nur drei von Frauen geleitet und es gibt nur sechs Stellvertreterinnen. Was wir jetzt hier in Kelheim haben, ist eine einzigartige Konstellation“, freut sich Sabine Bichlmaier.

Zumal auch die Teamleitung im Büro von der Försterin Christine Götz ausgeführt wird. Zwei der Forstreviere werden zudem von Försterinnen geleitet und auch eine Waldarbeiterin erhöht die Frauenquote im Team. „Ich bin sehr froh, dass die Zentrale in Regensburg die Entscheidung getroffen hat, zwei Frauen auf diesen Stellvertreter-Posten zu setzen“, unterstreicht Bichlmaier.

„Ich habe hier das große Glück, dass ich auch auf der Führungsebene in Teilzeit arbeiten kann“

Die 39-jährige Sonja Jensen ist zwar schon nach ihrer Elternzeit seit Oktober in Kelheim, zuvor war sie bereits ein Jahr lang Vize-Chefin am Forstbetrieb Roding. „Wir wohnen in Ihrlerstein“, nennt sie die Ortsnähe als Grund für ihren Wechsel. Neben ihrer Aufgabe als Fachvorgesetzte für fünf Reviere ist sie nun dafür verantwortlich, dass der Holzeinschlag des Forstbetriebs mit immerhin rund 100 000 Festmetern termingerecht zu den verschiedensten Kunden kommt. „Ich habe hier das große Glück, dass ich auch auf der Führungsebene in Teilzeit arbeiten kann“, betont die Forstwissenschaftlerin.

Den anderen Teil der Stellvertreter-Aufgaben einschließlich Grundstücksangelegenheiten, Windkraft- und Photovoltaikbereiche, Pflanzaktionen und vieles mehr ist die Aufgabe der 32-jährigen Linda Klinge. Die Forstwissenschaftlerin aus Nordrhein-Westfalen ist zwar in Vollzeit beschäftigt, in der anderen Hälfte ihrer Zeit ist sie aber an der Zentrale in Regensburg für die Aufgabenbereiche Jagd und Fischerei zuständig. „Ich habe mich danach gesehnt, auf großer Staatswaldfläche arbeiten zu können, darum habe ich mich nach Bayern beworben“, erzählt sie.

Dafür ist Chefin Sabine Bichlmaier zuständig

Für die Chefin bleiben die Aufgaben Personalführung, Öffentlichkeitsarbeit und Koordinierung des Gesamtbetriebs. Dass der Weg für Frauen in der einstmals von Männern dominierten Arbeitswelt nicht einfach war, weiß Sabine Bichlmaier aus ihren Anfangsjahren nur zu gut. „Die Akzeptanz für uns Frauen war früher sogar bei den Waldarbeitern besser als in höheren Führungsriegen“, berichtet sie und erzählt von einst von Vorgesetzten weggelächelten Situationen, wo heute mindestens ein Disziplinarverfahren oder eine strafrechtliche Ahndung die Konsequenz wären.

„Man braucht in unserer Branche vor allem als Frau ein starkes Selbstbewusstsein“

„Vorgesetzte haben mir als junge Frau nicht immer so den Rücken gestärkt, wie ich mir das gewünscht hätte. Es war ein sehr steiniger Weg. Man braucht in unserer Branche vor allem als Frau ein starkes Selbstbewusstsein“, ist ihr Fazit. Dennoch ist sie grundsätzlich ein totaler Fan von gemischten Teams, weil dann viele verschiedene Blickwinkel zusammen spielen.

Den Unterschied in den Führungsansätzen von Männern und Frauen sieht sie nicht im fachlichen, sondern eher im persönlichen Feld. „Die empathische Kompetenz ist bei Frauen in Führungspositionen öfters besser ausgeprägt. Ich gehe keinem Konflikt aus dem Weg, möchte Entscheidungen aber verständlich und nachvollziehbar vermitteln“, sagt Bichlmaier und bekräftigt „wir leben Frauenpower“. Ihre beiden Stellvertreterinnen aus der Nachfolger-Generation können da nur zustimmen.

„Arbeitgeber müssen sich der Lebensrealität stellen und da ist es egal, ob eine Führungskraft Mann oder Frau ist. Wir sitzen hier, nicht weil wir Frauen sind, sondern weil wir fachlich qualifiziert sind“, betont Linda Klinge. Und Sonja Jensen fügt an: „Wir sehen das als Vorreiterrolle – ebenso für Männer – in Führungspositionen in Teilzeit arbeiten zu können. Und auch, dass Elternzeit kein Karriereknick mehr ist“.