Walhalla: Luft für Windräder wird dünner – Denkmalamt sieht keine unproblematischen Standorte

Von Benedikt Baumgartner · 25. November 2024 um 19:00

Ein Todesstoß für die 19 geplanten Windräder im Kreuther Forst und an der Hohen Linie bei Tegernheim ist die Stellungnahme des Wissenschaftsministers nicht. Doch die Antwort von Markus Blume auf eine Anfrage des CSU-Landtagsabgeordneten Patrick Grossmann lässt eine Realisierung der Windkraftanlagen, die der Projektierer GP Joule auf den beiden Flächen in den Forsten von Thurn und Taxis plant, zumindest unwahrscheinlich erscheinen.

Die angedachten Standorte würden in jedem Fall den Wirkungsraum der besonders landschaftsprägenden Denkmäler teils erheblich beeinträchtigen, vermeldet Blume nach eingegangener Stellungnahme des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege (BLfD). Grundlage dafür seien die mitgeteilten vorläufigen Überlegungen von GP Joule zur Errichtung von 19 Windenergieanlagen. Erhebliche Auswirkungen auf den Wirkungsraum der Denkmäler seien offenkundig. „Als Ergebnis waren – jedenfalls auf dieser Grundlage – denkmalfachlich unproblematische Standorte für Windkraftanlagen nicht identifizierbar“, schreibt der Staatsminister.

Grossmann: „Hoffe, dass man die Anzahl reduziert“

Grossmann hatte sich – das ist dem Antwortschreiben Blumes zu entnehmen – hinsichtlich des Prüfradius im Umfeld besonders landschaftsprägender Denkmäler im Rahmen der Genehmigung von Windrädern erkundigt. Solche schützenswerten Landmarken sind die Walhalla und die Regensburger Altstadt. Bei einem Radius zwischen zweieinhalb und zehn Kilometern um das entsprechende Denkmal findet eine Einzelfallprüfung durch das Bayerische Landesamt für Denkmalschutz statt.

„Ich sehe es nicht so, dass im Kreuther Forst gar nichts geht“, bewertet Grossmann die Antwort des Wissenschaftsministers. „Aber es ist ein deutliches Signal, dass es mit dieser Anzahl vor allem nahe der Walhalla nichts wird.“ Der Stellungnahme des Denkmalamts komme eine gewichtige Rolle im Abwägungsverfahren zu, sie sei aber kein absolutes Ausschlusskriterium. Bisher sei in der Regel der 2,5 Kilometer umfassende Prüfradius als Diskussionsgrundlage herangezogen worden. „Den wird man, denke ich, jetzt ein wenig weiter ziehen“, sagt Grossmann auf MZ-Anfrage. „Ich würde mir erhoffen, dass man mit dieser Erkenntnis die Anzahl reduziert.“ Bezüglich der Blickachse zwischen den beiden besonders landschaftsprägenden Denkmälern Ortskern Donaustauf mit Walhalla-Landschaft und Altstadt Regensburg mit Stadtamhof, die zugleich Unesco-Welterbe ist, prophezeit Grossmann: „Da wird es für die Tegernheimer Anlagen schon schwer.“ Aber es stehe dem Antragsteller natürlich frei, auch mit der Anzahl von 19 Windrädern in das Verfahren zu gehen.

Aktuelle Planung verstößt gegen Denkmalschutzgesetz

Sollte an den angedachten Standorten festgehalten werden, schreibt Blume, liege nach bisherigem Stand ein Verstoß gegen die neue Vorgabe des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes vor. In Artikel 6, Absatz 5, Satz 2 ist darin festgeschrieben, dass die Erlaubnis zur Errichtung von Windkraftanlagen zu versagen sei, „soweit das Vorhaben zu einer Beeinträchtigung des Wesens, des überlieferten Erscheinungsbilds oder der künstlerischen Wirkung des besonders landschaftsprägenden Baudenkmals führen würde“.

Das Denkmalamt habe GP Joule geraten, die Planungen weiter zu konkretisieren und für die Genehmigungsverfahren vorzubereiten, da das BLfD und weitere betroffene Behörden erst auf einer gesicherten Planungsgrundlage fundiert Stellung nehmen könnten.

GP Joule reicht Gutachten ein

Dies werde der nächste Schritt von GP Joule sein, kündigt Projektleiter Michael Neumann an. „Diese Stellungnahme ist erwartbar“, sagt er und versichert, dass man auf die aktuelle Sachlage vorbereitet sei. Ein in Auftrag gegebenes Gutachten sei fertiggestellt und werde in Kürze beim Landesamt für Denkmalpflege eingereicht. „Wenn ich es wohlwollend interpretiere, steht das auch in der Stellungnahme von Herrn Blume“, zeigt sich Neumann zuversichtlich bezüglich des weiteren Austauschs. Er betont: „Wir sind uns bewusst, dass wir in einem sensiblen Bereich unterwegs sind.“ Auf dieser Grundlage wolle man mit entsprechender Expertise in den sachlich orientierten Dialog einsteigen. Neumann beteuert einmal mehr Transparenz und Gesprächsbereitschaft auf dem Verfahrensweg. „Wir sind nicht die Bösen und wollen nicht die Bösen werden.“