Die Piste mitten im Sportladen: Der „Skimulator“ aus Kelheim geht mit Patent um die Welt

Die zündende Idee hatte Helmut Bachschmid. Mit dem „Skimulator“ holt er die Piste ins Sportgeschäft in Kelheim, der Kunde kann bei unterschiedlicher Hangneigung neue Skischuhe testen. Mit Patent ist der Apparat nun verbrieft eine Weltneuheit des Kelheimers – die Fachwelt zeigt bereits großes Interesse.
Den Prototyp hatte Bachschmid, der in Kelheim ein Sport2000-Geschäft betreibt, schon vor gut einem Jahr gezimmert. Zwei abgeschnittene Skier mit Bindung sind auf einer Platte montiert, die sich auf verschiedene Neigungsgrade einstellen lässt und so das Pistengefälle simuliert. „Damit kann der Kunde genau nachvollziehen, wie sich der Skischuh im Gelände anfühlt“, sagt Bachschmid. Nun ist sein „Skimulator“ ausgereift – das erste Modell erlebte in seinem Laden die Geburtsstunde.
Nicht mehr mühsam per Akkuschrauber, sondern per Fernbedienung lässt sich die Platte bequem verstellen. Das Aufkanten der Skier kann ebenfalls simuliert werden. Hinter der Konstruktion steckt der Schierlinger Martin Alzinger, der als Maschinenbauer eigentlich eine Firma in der Recyclingbranche führt. „Ich bin leidenschaftlicher Skifahrer und hab’ mir den Prototypen mal angesehen.“ Sofort bot er sich an, für eine fachmännische Variante zu sorgen.
Nächtelang getüftelt
„Wir haben uns Nächte um die Ohren geschlagen, um den Apparat perfekt hinzubekommen“, sagt Bachschmid, der auch einen zweiten Partner gewann: Christoph Hercher. Der Ihrlersteiner – Vater von Fußball-Profi Philipp Hercher – betreibt eine Firma für Lehr- und Schulbedarf. „Wir kennen uns über unsere fußballverrückten Jungs“, so Hercher, der den organisatorischen Part übernahm. Er und Bachschmid gründeten eine GbR.
Sowohl Patent- als auch Marken-Anmeldung wurden vorangetrieben. „Alleine hätte ich mir das nicht zugetraut“, gesteht der Erfinder offen. Mit seinen Mitstreitern präsentierte er am Freitag den „Skimulator“, der zunächst mit einem roten Tuch verhüllt war. „Mit der Sonnenwende am 21. Juni gehen wir auf den Winter zu – der richtige Zeitpunkt also“, feixte Bachschmid vor einer Schar geladener Gäste.
Namhafte Skischuh-Herrsteller sind vom Apparat angetan
Vertreter namhafter Skischuh-Hersteller umrundeten den Apparat. Sie lobten die „tolle Innovation aus Kelheim“ und erklärten bei Moderator Uli Kick: „Wir stehen dahinter.“ Auch das Ausbildungsteam des Deutschen Skilehrerverbands nahm den „Skimulator“ schon unter die Lupe. Für Fachhändler sei es das optimale Tool, Skifahrern das ideale Schuhwerk anzupassen, lautete der Tenor.
Initialzündung für Bachschmid war eine Erhebung des Deutschen Skiverbands, wonach rund 70 Prozent der Skischuhe zu groß verkauft werden. „Dass liegt daran, dass sie im Laden probiert werden, wo man auf einem flachen Boden steht. Weil das Fußbett leicht nach vorne geneigt ist, stößt der Käufer schnell vorne mit den Zehen an“, erklärt er.
Für Sportläden interessant
Auf der Piste rutscht der Fuß durch die Neigung erst richtig in die Fersenmulde – und vorne ist plötzlich Luft. Durch das Simulieren des Gefälles (entsprechend den Pistenfarben Blau, Rot, Schwarz) wird der Effekt bereits im Geschäft erzeugt. Als Abnehmer haben Bachschmid und Hercher vorrangig Sportläden im Blick, aber auch Ski(schuh)verleiher.
Bachschmid weiß, dass seine Erfindung „nur für skisportaffine Händler“ interessant ist. „Aber in Deutschland und Österreich sind das zusammengerechnet auch rund 500.“ Mit solchen Stückzahlen rechnet er aber nicht, zumal der „Skimulator“ einen mittleren vierstelligen Betrag kostet. „Wenn wir im ersten Winter zehn, zwanzig Stück verkaufen, sind wir sehr zufrieden.“ Produziert werden die Modelle alle bei Alzinger Maschinenbau in Schierling.
Mit VR-Brille bald Skifahren im Fitnessstudio?
Die findigen Kelheimer setzen schon zum nächsten Schritt an. „Mit VR-Brille und anderen technischen Entwicklungen könnte man künftig das Skifahren auch in Fitnessstudio holen“, sagt Hercher. Der „Skimulator“ als Hometrainer – wieder eine Weltneuheit.
Vorstellung auf Messen
Multiplikator: Margit Gosau, die Geschäftsführerin von Sport2000 (2500 Händler in 22 Ländern), will den „Skimulator“ über Messen und Skitests der Fachwelt vorführen.
Schulterschluss: „Wir werden den Vertrieb anschieben“, sagte sie bei der Präsentation. Neben dem Einkaufsverbund Sport2000 will auch Intersport mitziehen.