Kloster Weltenburg: 17 Tage stand alles still – Jetzt sind die Gäste wieder zurück

Von Martin Rutrecht · 21. Juni 2024 um 15:49

Hochwasser bedeutete für die Klosteranlage in Weltenburg stets Gefahr. Doch mit dem neuen mobilen Flutschutz blieb das bekannte Ausflugsziel Anfang Juni trockenen Fußes. „Wir wären wie 1999 wieder völlig überflutet gewesen“, sagt Abt Thomas Freihart. Jetzt kehrt das Leben zurück – auch in der Klosterschenke.

Der Abt, der den sechs Benediktiner-Mönchen in Weltenburg vorsteht, kann aufatmen. „Der Hochwasserschutz hat sich bestens bewährt.“ Erstmals hatten die mobilen Elemente „derartigen Wassermassen standhalten müssen“, ergänzt Rolf Holthausen, Geschäftsführer der Weltenburger Klosterbetriebe GmbH. Am Mittwoch, 5.Juni 2024, erreichte der Pegel den Höchststand von 7,56 Meter – nur 40 Zentimeter unter dem Pfingsthochwasser 1999, als das gesamte Erdgeschoss des Klosters etwa 1,40 Meter unter Wasser stand.

Dammbalken vor den Toren der Anlage und Verschlüsse vor den Fenstern in der untersten Reihe verhinderten das Eindringen der Flut, die bis über die Höhe der Fensterbänke stieg. „Anfangs ist dennoch ein bisschen was eingedrungen“, berichtet Holthausen, der als Geschäftsführer Klosterschenke, -laden, Gästehaus und Kiosk verantwortet. Mehr zu schaffen machte der steigende Grundwasserspiegel. „Dadurch hat es etwas Wasser in die Keller gedrückt“, erklärt der Abt. Mit Pumpen der Feuerwehr wurde das Wasser wieder zurück in die Donau befördert.

Trotzdem „ein beklemmendes Gefühl“

Die Einsatzkräfte, voran die Feuerwehr, erhalten von Abt und Geschäftsführer höchstes Lob. „In wenigen Stunden war der Hochwasserschutz aufgebaut, auch danach waren Feuerwehrkräfte Tag und Nacht vor Ort.“

Was vor allem Holthausen, der erstmals seit seinem Beginn in Weltenburg in 2016 eine solche Flut erlebte, beruhigte. „Es war schon ein beklemmendes Gefühl. Man steht zwar hinter dem Schutz, weiß aber, dass die Donau mit gewaltiger Macht vorbei rauscht.“ Die Gelassenheit der Feuerwehrkräfte hätte aber auch auf ihn ausgestrahlt.

Ein „massiver“ wirtschaftlicher Ausfall

Das Wasser schnitt das Kloster aber von der Umwelt ab, auch die Zufahrt über den Frauenberg war gesperrt. Darum blieben die Einrichtungen geschlossen. „17 Tage lange war alles zu“, erklärt Abt Thomas Freihart. Die Buchungen im Gästehaus, das knapp 100 Betten zählt, wurden storniert. „Wirtschaftlich ist das ein massiver Ausfall.“ Die Ordensbrüder vergessen indes nicht die Menschen, die um Hab und Gut oder gar Leben gebracht wurden. „Ihnen gilt unser Gebet.“

Die 140 Beschäftigten der Klosterbetriebe – 80 davon arbeiten in der Klosterschenke – wurden weiter bezahlt, sagt Holthausen, für den es die erste Schließung durch ein Hochwasser war. „Das Personal hielt sich für den Neustart ständig in Rufbereitschaft.“ Am vergangenen Mittwoch, 19. Juni, war es dann soweit. Eine weitere Flut-Feuertaufe gab es übrigens auch: Die neuen Toilettenanlagen, die in eine Art Wanne gesetzt sind, blieben ebenfalls trocken.

600.000 Besucher im Jahr

Jetzt will man an den Beginn der Saison anknüpfen, die laut Abt und Geschäftsführer „sehr gut angelaufen ist“. Allein die Klosterschenke zählt an einem guten Wochenend-Tag rund 4000 Gäste, so Holthausen. Insgesamt rund 600.000 Besucher frequentieren während der Saison die Klosteranlage. Die Anziehungskraft von Donaudurchbruch und Kloster sei ungebrochen, steige sogar an, so Holthausen.

Angesprochen auf Preissteigerungen in der Gastronomie erklärt er: „Bei Speisen haben wir nach der Erhöhung der Mehrwertsteuer von 7 auf 19 Prozent nachjustiert. Bei den Getränken sind wir gleich geblieben.“ Noch immer werde in der Küche alles selbst hergestellt, „da wird kein Convenience-Beutel aufgerissen“.

Traditionell bayerisches Essen geht immer

Die Gäste bevorzugen in der Klosterschenke, die 1826 ihre erste Konzession erhielt, weiterhin „traditionelles bayerisches Essen. Das gehört irgendwie dazu, wenn man einen Ausflug hierher macht.“ Aber auch fleischlose Gerichte werden angeboten.

Wo sich die Zeiten geändert haben, liest Holthausen an einem Vergleich ab, den er jüngst anstellte: „2017 zahlten pro Tag acht Gäste mit EC-Karte – heute sind es im Schnitt rund 400.“ An Modernisierungen stünden in naher Zukunft die Erneuerung der Konditorei und des Schankbereichs an. „Im Grunde gibt es laufend etwas zu tun.“

Bei einem kurzen Abstecher an die Donau zeigt der Geschäftsführer an der Klostermauer die Markierung der jüngsten Flut. Sofort tritt ein Touristen-Paar hinzu: „Da muss das Kloster doch untergegangen sein?“ Rolf Holthausen schüttelt den Kopf: „Nein, wir sind jetzt geschützt.“

Aus der Geschichte des Klosters Weltenburg

Anfänge: Die ersten christlichen Spuren in der Gegend um das Donaukloster Weltenburg stammen aus dem 6.Jahrhundert. Im 8.Jahrhundert übernahm Weltenburg die Regeln des Heiligen Benedikt, schreibt das Haus der Bayerischen Geschichte zur Klosterhistorie.

Blütezeit: Unter Abt MaurusI. Bächl (reg. 1713-1743) entstanden unter anderem die Frauenbergkirche, die Klostergebäude, eine Mühle, eine Schule und die berühmte spätbarocke Abteikirche, die maßgeblich von den Asam-Brüdern gestaltet wurde.

Aufhebung: Im Jahr 1803 wurde Weltenburg säkularisiert. Abt Benedikt Werner zog nach München und verfasste dort eine 24-bändige Klosterchronik. 1842 erfolgte die Wiederherstellung als Priorat, 1913 wurde das Kloster wieder zur Abtei erhoben.

Brauerei: Bereits für das Jahr 1050 ist belegt, dass im Kloster Bier gebraut wurde. Darauf gründet auch die Bezeichnung als „Älteste Klosterbrauerei der Welt“. Heute kann man bei Führungen einen Blick ins Sudhaus werfen, wo das besondere Dunkelbier hergestellt wird.

Eine Reisegruppe umringt Abt Thomas Freihart. Foto: Rutrecht
Das Hochwasser stand bis zur ersten Fensterreihe. Foto: Stöcker-Gietl