Die Skischuh-Revolution aus Kelheim: Im Laden wedeln wie auf der echten Piste

Von Martin Rutrecht · 7. Dezember 2023 um 19:00

Der Skifahrer kennt das: Im Laden passt der Schuh wie angegossen, doch auf der Piste ruckelt der Fuß hin und her. Der Kelheimer Helmut Bachschmid schafft Abhilfe. Mit einem Simulator holt er die Hangneigung für die Anprobe ins Geschäft. Aktuell läuft ein Patentverfahren – dem vielleicht ein Auftritt im TV-Format „Höhle der Löwen“ folgt.

Eine Erhebung des Deutschen Skiverbandes brachte Bachschmid, der in Kelheim ein Sportgeschäft betreibt, ins Grübeln. „Rund 70 Prozent der Skischuhe werden zu groß verkauft.“ Den Grund kennt der Kelheimwinzerer mit 34 Jahren Erfahrung im Sportartikel-Verkauf: „Im Laden stößt der Kunde auf ebener Fläche mit den Zehen schnell vorne an, weil Skischuhe immer leicht nach vorne geneigt sind. Beim Fahren rutscht er durch das Gefälle erst richtig hinten in die Fersenmulde rein. Und plötzlich ist vorne zu viel Luft.“

Der 57-Jährige begann zu tüfteln. „Wie kann ich die Neigung der Piste beim Probieren mit einbeziehen?“ Nach einigen Überlegungen und Gesprächen mit Skifahrern entwickelte Bachschmid ein Gerät mit zwei abgeschnittenen Skiern, auf denen eine Bindung montiert ist. Der Kunde steigt mit den Schuhen in die Bindung und der Apparat fährt hinten hoch. „Das ist das Prinzip wie bei einem Wagenheber.“ Nun steht man bergab wie auf der Piste und kann die Bewegungen beim Skifahren mit Stöcken in den Händen simulieren, auch mit dem Kanten nach links und rechts.

Felix Neureuther gab Tipps für Kelheimer Ski-Simulator

Im nachgestellten Gefälle, das auf blaue, rote und schwarze Pisten verstellbar ist, lässt sich die Passform des Skischuhs optimal testen. Stefan Hummel, ein „Alleskönner“ (Bachschmid), baute den Simulator. Vor einem Jahr stand die Neuheit. „Aber so richtig im Einsatz in meinem Geschäft ist das Gerät erst seit diesem Winter.“ Auch einen prominenten Ratgeber hatte Bachschmid: Mit Ex-Skirennläufer Felix Neureuther unterhielt er sich ausführlich über seinen Simulator.

Dabei wurde auch klar, dass die Apparatur nichts für Profisportler ist. „Die stecken in ihren Skischuhen regelrecht drin, das sind Maßanfertigungen.“ Aber für Freizeit-Skifahrer eigne sie sich ideal. Eine weitere technische Finesse erleichtert die Auswahl: Vor der Anprobe werden die Füße gescannt. „Ausgehend von Länge und Breite des Fußes schlägt der Computer passende Modelle vor. So muss niemand in zehn Skischuhe schlüpfen, bis einer passt“, so Bachschmid.

Patentverfahren für Simulator dauert noch zwei Monate

Die Kelheimer Innovation machte bereits namhafte Firmen im Wintersportbereich hellhörig. „Aus dieser Richtung kam auch der Vorschlag, den Simulator patentieren zu lassen.“ Das langwierige Verfahren läuft, Bachschmid rechnet noch mit zwei Monaten Dauer. „Es wäre schon ein Hammer, wenn es so etwas auf der ganzen Welt noch nicht gibt.“ Ehe er das nicht bestätigt hat, will er sich nicht mit Erfinder-Federn schmücken.

Aber ein breites Interesse hat er schon geweckt. Kamerateams von Spiegel- und Focus-TV ließen sich den Simulator bereits vorführen. Und der Einkaufsverbund Sport2000, unter dessen Namen Bachschmids Geschäft läuft, möchte die Neuheit – so sie wirklich einzigartig ist – in der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ vorstellen. Dort präsentieren Kandidaten ihre Erfindung oder Geschäftsidee fünf erfolgreichen Unternehmern. Wer einen dieser „Löwen“ überzeugt, bekommt ein Startkapital.

Neues Modell des Simulators kann noch mehr

Bachschmid drängt es aber nicht so sehr in die Öffentlichkeit. „Ich bin ein begeisterter Wintersport-Fan und habe viele Kunden, die den Wintersport genauso lieben. Für sie ist diese Entwicklung gedacht.“ Großen Spaß haben vor allem Kinder, wenn sie ihre neuen Skischuhe auf dem Simulator testen.

Die reinen Materialkosten für den Apparat schätzt der 57-Jährige auf rund 800 Euro, „aber ein gutes halbes Jahr dauerte die Tüftelei“. Demnächst soll ein neues Modell konstruiert werden. Dabei schwebt Bachschmid der Einbau einer Rüttelplatte vor, um auch die Unebenheit von Pisten nachstellen zu können. „Ich kann mich da richtig reinbeißen, was man noch alles verbessern könnte“, lacht er.

Per Schrauber lässt sich der Apparat hinten hoch und runter fahren.