Nach Fund in Abensberg: Landratsamt Kelheim nimmt Asiatische Tigermücke ins Visier

Von Martina Hutzler · 5. Dezember 2023 um 13:22

Gekommen, um zu bleiben? Das könnte uns blühen mit der Asiatischen Tigermücke, die im Herbst erstmals gesichert für den Landkreis Kelheim nachgewiesen wurde. Womöglich hat die Art hier aber schon im Sommer eine Viruserkrankung übertragen, die zu einem Krankenhaus-Aufenthalt führte.

Wie berichtet, hatte sich ein Landkreis-Bürger im Herbst am Projekt „Mückenatlas“ (siehe Info) beteiligt: Er hatte – ein Mal im September, ein Mal im Oktober – in Abensberg Mücken gefangen, die ihm wohl „verdächtig“ erschienen. Zu Recht: Drei eingeschickte Exemplare erwiesen sich als Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus). Die gilt zwar als aggressiver und stechfreudiger als heimische Mücken, allerdings ist nicht ihr Stich das Gefährliche für Menschen. Sondern Krankheitserreger, die sie womöglich beim Blutsaugen überträgt.

Von ihrer asiatisch-pazifischen Heimat hat sich die Asiatische Tigermücke mittlerweile in Südeuropa schon eingebürgert, heißt es auf der Website vom „Mückenatlas“. „In Deutschland beobachten wir, dass Tiere zunehmend mit dem Fernverkehr aus dem Süden eingeschleppt werden. An einigen sehr begrenzten Orten in Deutschland gelang es der Tigermücke schon, sich anzusiedeln“, berichten die Forschungsinstitute des Atlas‘.

Vermehrung wohl möglich

Die Klimaerwärmung kommt der wärmeliebenden Art zugute. Ob die in Abensberg gefundenen Exemplare bereits aus einem dauerhaft hier lebenden Bestand stammen, ist bislang unklar, bedürfe aber „einer näheren Betrachtung“, teilen Landratsamt Kelheim und Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) auf unsere Anfrage mit: Grundsätzlich sei nämlich „davon auszugehen, dass im Landkreis Kelheim die klimatischen Bedürfnisse für eine Vermehrung der Tigermücke gegeben sind.“

Landratsamt Kelheim und LGL wollen daher die Ausbreitung der Art eindämmen. „Das Vorgehen setzt sich aus Informations- und Monitoring-Maßnahmen sowie der Beseitigung und gegebenenfalls Bekämpfung der möglichen Brutstätten zusammen und konzentriert sich auf die Bereiche um die Fundorte“, teilten beide Ämter auf Anfrage mit. Das genaue Vorgehen stehe noch nicht fest.

Unterdessen vermutet ein anderer Landkreisbürger, dass er sich in diesem Sommer ein von einer Tigermücke übertragenes Virus eingefangen hat und daraufhin schwer erkrankte. Der 27-Jährige (Name der Redaktion bekannt) dachte noch an einen „normalen“ grippalen Infekt, als ihn eines Tages Schlappheit, Schüttelfrost, Übelkeit und Erbrechen heimsuchten. Aber diese Symptome seien so heftig geworden, dass er sich an die Notaufnahme am Kelheimer Krankenhaus wandte. Er sei eine Woche im Krankenhaus behandelt worden, in einem Isolationszimmer. „Ich bin echt nicht empfindlich, aber mir ging’s damals richtig schlecht“, erinnert er sich ungern an diese Woche zurück. Im Gedächtnis geblieben ist ihm allerdings die Erklärung, die er im Krankenhaus für seine Erkrankung erhalten habe: eine Virus-Infektion, übertragen durch eine Asiatische Tigermücke.

Am Kelheimer Caritas-Krankenhaus St. Lukas lassen sich die Schilderungen des Landkreisbürgers allerdings nicht (mehr) nachvollziehen: „Uns ist ein solcher Fall innerhalb der Klinik nicht bekannt“, teilt Geschäftsführerin Sabine Hehn auf Anfrage mit. Auch aus dem Landratsamt Kelheim heißt es, „von einem derartigen Fall ist uns nichts bekannt“.

Virus wäre meldepflichtig

Die Asiatische Tigermücke kann laut LGL die Erreger verschiedener Erkrankungen übertragen, zum Beispiel die Viren, die das Dengue-Fieber oder das Chikungunya-Fieber auslösen. Schon der Verdacht auf derartige Erkrankungen wäre nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig. Aber „diese Erkrankungen kommen derzeit in Deutschland nur bei infizierten Reiserückkehrern vor, eine in Deutschland übertragene Infektion wurde bislang nicht registriert“, berichtet das LGL: „Die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung durch die Asiatische Tigermücke wird in Deutschland derzeit als sehr gering eingeschätzt.“

Ein unerwünschtes „Reisemitbringsel“ könne seine Erkrankung nicht gewesen sein, beteuert der Mann: Er sei im Sommer nicht im Ausland gewesen; den Mückenstich habe er sich vermutlich beim Rasenmähen eingefangen.

Nachdem nun zumindest das Vorkommen der Asia-Tigermücke in Abensberg bestätigt ist, sollen auch im Landkreis Kelheim künftig mehr Informationen über die Verbreitung der Art gesammelt werden. Wie sich so ein regionales Monitoring bewerkstelligen lässt, wurde andernorts in Bayern heuer erkundet: Das LGL hat eine „Machbarkeitsstudie Mückenmonitoring“ durchgeführt; die Ergebnisse würden derzeit ausgewertet, so die Behörde.