Weihnachtsgeschenke vom Wertstoffhof? In Neustadt ist das mittlerweile Tradition

Weihnachten steht vor der Tür. Das große Fest der Christenheit ist auch ein Fest des Schenkens. Freunde, Verwandte und vor allem die eigene Familie werden beschenkt, doch das geht ins Geld. In Neustadt (Landkreis Kelheim) gibt es eine Alternative: Geschenke kostenlos oder zumindest fast kostenlos vom Wertstoffhof.
Muss es denn immer was Neues sein, was zu Weihnachten verschenkt wird? Darf es nicht auch mal etwas Gebrauchtes sein? Wer so denkt, ist beim Wertstoffzentrum an der Bad Gögginger Straße an der richtigen Adresse. Hier landet nicht nur, was kaputt ist oder ausgedient hat. In einem kleinen Zelt gleich neben dem Eingang sammelt sich, was für den einen nutzlos ist, aber ein anderer vielleicht noch gut gebrauchen kann.
Das Angebot wechselt ständig. Bei einem Besuch des Redakteurs dieser Zeitung kamen innerhalb einer halben Stunde rund ein Dutzend Menschen, um sich nach Brauchbarem umzusehen oder abzugeben. Zwischen Gläsern, Bierkrügen, Spielzeug und Weihnachtsdekoration stöberte auch Günter S. herum. Er ist vor kurzem in Rente gegangen, hat einen kleinen Enkel und wurde fündig. Ein Schlitten hatte es ihm angetan. „Der ist noch gut“, meinte der Rentner. „Den nehme ich.“ Kostenlos. Denn die Waren im Zelt sollen einfach nur vor dem Abfallcontainer gerettet werden.
Seit drei Jahren
Vor drei Jahren wurde deshalb das Gebrauchtwarenzelt am Wertstoffzentrum eingerichtet. Die Aktion ist erfolgreich, auch wenn sich manchmal herzzerreißende Szenen in der Verschenkbörse abspielen. So beobachtet Rainer Süßbauer, Leiter des Wertstoffzentrums, immer wieder, wie sich vor allem Kinder auf Brettspiele stürzen, die auf neue Besitzer warten. Die Eltern sind oft jedoch anderer Meinung, glauben, dass es schon genug Spiele in der Familie gibt, weshalb sich zwischen Papa, Mama und den Kindern schnell eine Diskussion entwickelt, ob es denn noch ein Spiel mehr sein darf.
Dabei gibt es in dem kleinen Zelt noch mehr als Brettspiele. Gläsersets, Haushaltsgegenstände, Porzellan, Deko, Sportartikel gehören ebenfalls zum bunt gemischten Bestand, der regelmäßig aufgefüllt, aber auch kontrolliert wird. „Was länger als 14 Tage da ist, wird entsorgt“, sagt Rainer Süßbauer. Sonst würde der Platz für die Artikel in der Verschenkbörse nicht ausreichen.
Nicht immer ist wie bei dem Schlitten sofort klar, wofür man etwas gebrauchen kann, was im Zelt angeboten wird. Das gilt unter anderem für Gläser und Krüge. „Aber“, sagt eine Hausfrau, die sich gerade die Gläser ansieht, „wenn man die schön putzt, mit ein paar selbst gebackenen Keksen und einem Tannenzweig dekoriert, ist das ein tolles und ausgefallenes Geschenk, das nicht einmal teuer ist.“ Zumindest zeuge es von Kreativität und es sei preiswerter als eine Schachtel Pralinen, meint die Hausfrau.
Vielleicht hat man aber auch etwas Glück beim Stöbern im Zelt und findet etwas Seltenes. So wurden schon Kisten mit Lego-Steckbausteinen abgegeben oder anderes Spielzeug. Auch das Dreirad, das unlängst angeboten wurde, hat schnell einen neuen Besitzer gefunden. Das Dreirad hatte nur geringe Abnutzungserscheinungen und nach einem Bad mit Schwamm und Seifenlauge dürfte es bestimmt wieder wie neu ausgesehen haben.
Nachhaltige Aktion
Rainer Süßbauer achtet auf die Auswahl und die Qualität. Er kennt die Regularien, nach denen ein Gegenstand ein zweites Leben bekommt, genau. Es dürfen nur brauchbare Gegenstände abgegeben werden, bei denen eine spätere Mitnahme erwartet werden kann. Dazu zählt jedoch weder Omas alter, aber noch funktionierender Kleiderschrank noch ein Staubsauger, der vielleicht nur deshalb ausgemustert wird, weil der Nachfolger über eine ganz neue Saugtechnik verfügt. Auch Kleidung wird nicht angeboten.
Schenken muss also nicht teuer sein. Vielleicht hat damit das Verschenkezelt auch mehr mit Weihnachten zu tun, als es auf den ersten Blick scheint. In jedem Fall sind die Dinge aus dem Zelt nachhaltig.



