Anne-Katrin Streeck muss verstärkt nach Neustadt blicken

Von Wolfgang Abeltshauser · 11. Dezember 2024 um 15:00

Am dritten Adventssonntag wird Pfarrer Michael Murrmann-Kahl in der evangelischen Kirche feierlich in den Ruhestand verabschiedet. Der Geistliche hinterlässt in Neustadt a. d. Donau eine Lücke, die wohl nie wieder hundertprozentig geschlossen werden kann. Es ist die Frage, wie sich das für die Gläubigen auswirkt.

„Ich bin hier, die Gemeinde ist nicht alleine“, betont Pfarrerin Anne-Katrin Streeck. Sie hat die erste Pfarrstelle in der Pfarrei Abensberg/Neustadt inne – die gesamte seelsorgerische Arbeit lastet in der Zukunft erst einmal auf ihren Schultern.

Eines steht nach ihren Worten fest: Eine zweite Pfarrstelle wird es nicht mehr geben, denn die gebe der mittlerweile geltende Stellenplan nicht her. Streng genommen gab es nie eine zweite Vollstelle. Murrmann-Kahl hatte je eine halbe Stelle für die Pfarrei und die Kurseelsorge. Nach den Worten von Uwe Biedermann, als einer von zwei stellvertretenden Dekanen im Dekanat Regensburg für das Neustädter und Abensberger Gebiet zuständig, sei das ein Ergebnis der vielen Kirchenaustritte.

Das kann nicht ganz ohne Auswirkungen bleiben. Eine kleine Korrektur im Gottesdienstplan gibt es laut Streeck mittlerweile. In Zukunft finden die Familiengottesdienste abwechselnd in Abensberg oder in Neustadt a. d. Donau statt, bisher gab es in beiden Städten dieses Angebot.

Ansonsten stehe streng genommen noch nicht fest, ob ab kommendem Jahr sich Gottesdienstzeiten ändern werden. Das werde der Kirchenvorstand, dem Streeck angehört, erst noch entscheiden. Allerdings lässt sie im Gespräch mit dieser Zeitung schon ihre Präferenz erkennen.

Unterstützung kommt bald

Die Zeiten der Gottesdienste in den Kirchen in Abensberg und Neustadt a. d. Donau seien so gestaltet, dass es für eine Person logistisch möglich sei, beide zu halten. Außerdem gebe es in der Pfarrgemeinde ein Mitglied, das derzeit eine Lektorenausbildung absolviert. So gebe es in Zukunft Unterstützung bei Wortgottesdiensten.

Streeck betont, dass die Gottesdienst aber nur ein Teil der Arbeit in der Gemeinde ist. Biedermann betont, dass in seinen Augen eine einzige Person langfristig dies alles unmöglich alleine machen kann. Und so ist die Pfarrerin schon erleichtert, dass der Stellenplan für die Pfarrgemeinde weiter eine religionspädagogische Fachkraft vorsieht, die es derzeit aber nicht gibt. Normalerweise sei das ein Religionspädagoge oder ein Diakon.

Das ist die Vorgeschichte

Theoretisch könne sich laut Streeck und Biedermann auf die Stelle aber auch ein voll ausgebildeter Pfarrer bewerben, der beispielsweise die organisatorische Arbeit, die an so einer Pfarrstelle hängt, nicht machen will. Biedermann kann sich auch vorstellen, dass die Stelle eventuell mit einem Pfarrer in Ausbildung besetzt wird. Der wäre dann für drei Jahre in der Pfarrei, könnte sich danach aber auf die Stelle bewerben. Es komme nach Biedermanns Worten häufiger vor, dass angehende Pfarrer nach Vollendung ihrer Ausbildung am jüngsten Einsatzort bleiben. Das sei durchaus aus sinnvoll, weil sie die Verhältnisse vor Ort kennen. Es gibt also doch noch Wege, dass die evangelischen Christen der Region einen weiteren Pfarrer oder eine Pfarrerin bekommen.

Erst wenn die Stelle besetzt ist und man wisse, welche Qualifikationen die jeweilige Person mitbringe, sei es laut Streeck an der Zeit, gemeinsam deren Aufgaben in der Pfarrgemeinde festzulegen. Grundsätzlich gehe es da vor allem um Bereiche wie Jugend- oder Seniorenarbeit. Noch gebe es keinen Zeitplan, wann die Stelle ausgeschrieben wird und bis zu welchem Zeitpunkt sie besetzt werden soll. Biedermann berichtet, dass mindestens ein Zeitraum von sechs Monaten abgewartet werden müsse, bis eine Ausschreibung erfolgen kann. Diese sogenannte Vakanz sei vorgeschrieben.

Nach seinen Worten wird es einen eigenen Kurseelsorger für Bad Gögging nicht mehr geben. So wie die Stelle bisher ausgestaltet war, hing sie nach seinen Worten sehr an der Person von Murrmann-Kahl, der aufgrund seiner Vorbildung wie geschaffen dafür gewesen sei. Überhaupt nur so sei die gesplittete Stelle für Pfarrei und Kurort entstanden.

Im Stellenplan habe sie es nie gegeben, da gehe es eher um Krankenhausseelsorge wie in normalen Kliniken. Sofern das Dekanat dies nicht anders organisieren könne, müssten diese Einsätze im Zweifel von Streeck übernommen werden.

Einladung an die Kurgäste

Streeck will Gläubige, die sich in Bad Gögging zur Kur aufhalten, ohnehin nicht alleine lassen. Sie betont, dass sie auf der Internetseite der Kurseelsorge bereits als Ansprechpartnerin mit Kontaktmöglichkeiten genannt ist. Allerdings könne sich sie nicht vorstellen, auch noch in Bad Gögging Gottesdienste zu halten. Das sei zeitlich sicherlich nicht zu schaffen. Sie lädt aber alle ein, zu den Gottesdiensten in die Neustädter Kirche zu kommen.

Auf Sicht wird es kein evangelisches Gotteshaus in Bad Gögging geben. Laut Biedermann gebe es ein Sparkonzept, bei dem es darum gehe, sich von Immobilien zu trennen. Die Gögginger Kirche stehe da auf der Streichliste. Normalerweise sei es so, dass man dann erst einmal an die Kommune herantrete, um abzuklären, ob diese interessiert sei, den Bau zu erwerben.

Das evangelische Gotteshaus in Neustadt a. d. Donau