Leiten künftig Ehrenamtliche die Gottesdienste in Neustadt a.d. Donau?

Wenn in wenigen Wochen der evangelische Pfarrer Michael Murrmann-Kahl in Rente geht, wird das mehr als ein Abschied aus dem Berufsleben sein. Es geht dann auch um die Zukunft der evangelischen Kirchengemeinde in Neustadt a.d. Donau und die evangelische Kur-seelsorge in Bad Gögging.
Am 15. Dezember wird Murrmann-Kahl mit einem Gottesdienst in der evangelischen Kurkirche verabschiedet werden. 18 Jahre lang wird er dann in Neustadt a.d. Donau und Bad Gögging tätig gewesen sein. Er hat Kinder getauft, Jugendliche konfirmiert, Paare getraut und Verstorbene auf ihrem letzten Weg begleitet. Damit ist Murrmann-Kahl ein Teil der Menschen geworden, die hier leben. Die Rente bedeutet daher auch einen Abschied. Schmerzt er? „Der Schritt kommt nicht unvorhergesehen. Aber es ist eine Hürde, über die man rüber muss“, sagt der Seelsorger. „Die Pfarrer kommen und gehen, aber die Kirchengemeinde bleibt“, zitiert er einen Mentor aus seinem Studium. Und erklärt: „Wir Pfarrer sind nur auf Zeit da und das ist gut so.“
Er spüre, räumt er ein, dass er ein Alter erreicht habe, in dem er merke, dass die Kräfte nachließen. „Und für die Kirchengemeinde ist es gut, wenn etwas Neues kommt.“ Er sei in einem Alter, in dem es gut ist loszulassen.
Es geht um eine Entpflichtung
Pfarrer Dr. Michael Murrmann-Kahl ist ein zurückhaltender, aber auch ein ehrlicher und sehr lutherischer Mensch. Wenn andere bei ihrem Abschied von Gefühlen sprechen, sagt er, am 15. Dezember gehe es um die Entpflichtung als Pfarrer. Darum heiße es auch nicht Verabschiedung. „Der Auftrag endet jetzt.“ Auch deshalb sei jetzt kein Grund vorhanden, „um in übertriebene Gefühle auszubrechen“.
Damit sei jetzt erst einmal Anne-Katrin Streeck zuständig. Sie bekleidet die erste Pfarrstelle in der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Abensberg-Neustadt, Dr. Michael Murrmann-Kahl (noch) die zweite Pfarrstelle. Das bedeute jedoch nicht, dass künftig alle Aufgaben von Anne-Katrin Streeck übernommen werden. „Für die Jugendarbeit wird es wahrscheinlich auch in Zukunft eine ganze Stelle geben“, sagt Dr. Murrmann-Kahl. „Aber die Kurseelsorge wird es so nicht mehr geben. Die halbe Stelle, wie ich das gemacht habe, gibt es nicht mehr.“ Damit endet ein Vierteljahrhundert evangelischer Kurseelsorge in Bad Gögging.
Unklar ist auch, was aus den Gebäuden wird. Murrmann-Kahl weiß es auch nicht. Aber er kennt die Situation der großen Kirchen, die immer weniger Mitglieder weniger Personal und weniger Einnahmen haben. Das habe Folgen. „Bei allen Baulichkeiten wird in der Landeskirche gefragt: Lässt sich das noch finanzieren? Ist das noch sinnvoll?“
Die Antwort muss Pfarrer Dr. Michael Murrmann-Kahl nicht mehr geben. Er weiß, dass es weitergeht. Aber anders als bisher. „Es ist vieles im Umbruch. Das Berufsbild des Pfarrers ändert sich, die Bedingungen ändern sich. Der Nachwuchs tickt anders.“ Die Zeiten, in denen es hieß, ein Pfarrer ist immer im Dienst, dürften vorbei sein.
Murrmann-Kahl ist überzeugt: „Die Kirche wird eine andere sein.“ Er erwartet u.a. andere Formate des Gemeindelebens, aber auch die stärkere Einbindung von ehrenamtlichen Mitgliedern. Gottesdienste könnten von Ehrenamtlichen gehalten werden. Dafür gebe es eine eigene Ausbildung.
Chancen für Zusammenhalt
Auch die vertraute Gewohnheit, dass an jedem Sonntag drei Gottesdienste in der Gemeinde mit ihren 3000 Mitgliedern gehalten werden, sei nicht unabänderlich. Es könnte zudem noch mehr Zusammenarbeit zwischen Abensberg und Neustadt a.d. Donau geben. Schon jetzt gibt es einen gemeinsamen Konfirmandenkurs für beide Orte. „Das stärkt den Zusammenhalt“, betont der Seelsorger, der ansonsten vor allem auch das Teamwork in der Gemeinde lobt.
Er dankt allen, die in der Kirchengemeinde und der Kurseelsorge mitgearbeitet haben, den Organisten, dem Mesner und der Mesnerin. „Sie alle haben ganz wesentlich dazu beigetragen, was wir in den 18 Jahren geschaffen haben.“
Dazu gehört auch der Neubau und Umbau an der Christuskirche in Neustadt a.d. Donau mit dem Gemeindezentrum Irene.

