IHK-Chef Helmes: „Die Unternehmen brauchen jetzt Sicherheit“

Von Marion Koller · 13. Dezember 2024 um 09:00

Wegen des politischen Hin und Her in Berlin verschieben Regensburger Unternehmen geplante Investitionen – IHK-Chef Dr Jürgen Helmes sorgt sich aber nicht um den Industrie-Standort.

Trotz des Stellenabbaus bei Regensburger Großunternehmen sorgt sich Dr. Jürgen Helmes, Chef der Industrie- und Handelskammer (IHK), nicht um den Industrie-Standort. Der große Vorteil in Regensburg und der Oberpfalz: Die Wirtschaftsraum sei breit aufgestellt. „Wir haben innovative, familiengeführte Unternehmen wie die Maschinenfabrik Reinhausen und Krones. Das stärkt den Standort.“

Rund 28 000 Menschen im Bereich der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim sind im BMW-Werk und bei Autozulieferern beschäftigt. Sie sorgen für einen Umsatz von elf Milliarden Euro im Jahr. „Die sind in der Transformation hin zur Elektromobilität und machen das auch gut“, urteilt Helmes. Negativ wirke sich das bundespolitische Hin und Her aus. Berlin hatte ja für den Elektro-Antrieb geworben und Zuschüsse für den Kauf von E-Autos gewährt. Plötzlich fiel die Förderung weg.

„Und jetzt macht sich die konjunkturelle Eintrübung auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar“

Helmes verweist auf die Konjunkturumfrage seines Hauses vom Herbst. 66 Prozent der teilnehmenden Betriebe haben die derzeitige politische Übergangsphase in Deutschland als größtes Problem genannt. „Die halten sich mit Investitionen zurück.“ Regensburger Unternehmen von Continental über ams Osram bis zum von Schaeffler geschluckten Vitesco haben sich auf die Transformation eingestellt. „Sie brauchen jetzt wieder Sicherheit“, fordert Jürgen Helmes.

Er räumt ein, die wirtschaftliche Gesamtlage in Regensburg und der Oberpfalz sei schwierig und von Unsicherheit geprägt. „Und jetzt macht sich die konjunkturelle Eintrübung auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar.“

Ingenieure wechseln Firma

Die Arbeitslosenquote in der Oberpfalz lag Ende November bei 3,4 Prozent und somit unter dem bayerischen Schnitt (3,7). In Regensburg ist die Quote auf 4,4 Prozent geklettert (Vorjahresmonat: vier Prozent). Der Landkreis steht mit 2,7 Prozent besser da. Es müsse das Ziel sein, die gut ausgebildeten, von der Industrie freigestellten Fachleute in der Region zu halten, sagt Helmes. Innerhalb Regensburgs seien schon einige Ingenieure aus dem Automotive-Bereich zu anderen großen Arbeitgebern gewechselt. Aus Sicht der IHK hat der Arbeitsmarkt nach wie vor einen hohen Fachkräftebedarf. Allerdings habe die Regensburger Arbeitsagentur Ende November durchaus eine schwächere Nachfrage nach Arbeitskräften festgestellt.

Die IHK beurteilt die Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt positiv. Der Corona-Schock sei überwunden. Die Betriebe stellten wieder ein. Bei etwa zehn Prozent der Azubis handelt es sich um Ausländer. „Es gibt keine bessere Möglichkeit der Integration.“

Die Unternehmen sind angewiesen auf sichere, bezahlbare und saubere Energie. Deshalb setzt sich die IHK für den Ausbau der Windenergie ein. Photovoltaik reicht nicht aus. Netzentgelte und Stromsteuer müssten gesenkt werden, appelliert Helmes.

„Ostbayern und Westböhmen sind ein starker Wirtschaftsraum“

Vor zwei Jahrzehnten ist er an die Spitze der IHK gerückt. Das war der Anlass für das Pressegespräch. Der 59-Jährige unterstreicht, er habe der Industrie- und Handelskammer zusammen mit dem früheren IHK-Präsidenten und Verleger Peter Esser „Sichtbarkeit verliehen“. Ergebnis: Sie sei heute ein anerkannter Partner der Politik. Einige Meilensteine seiner Tätigkeit: Die Entwicklung des Servicecenters. Dort werden die Belange der Unternehmen bearbeitet. 2008 ist ein Regionalbüro im tschechischen Pilsen etabliert worden. Es unterstützt die deutschen Mitgliedsunternehmen und stößt grenzüberschreitende Wirtschaftskooperationen an „Ostbayern und Westböhmen sind ein starker Wirtschaftsraum“, sagt der IHK-Chef. „Stärker als manche EU-Länder.“ In der Oberpfalz ist die Strategie der „IHK vor Ort“ realisiert worden. Das Gremium Regensburg und sechs Geschäftsstellen halten den Kontakt zur Politik. 2008 ist auch die finanziell unabhängige IHK-Akademie in Ostbayern für Weiterbildungen ins Leben gerufen worden. Weiter vorantreiben will der Hauptgeschäftsführer die Digitalisierung. Häufig bremst aber der – wichtige – Datenschutz.

Für Sallerner Regenbrücke

In Sachen Verkehr fordert Helmes: „Wir müssen über die Stadtgrenzen hinausdenken.“ Selbst wenn der angestrebte 30-minütige S-Bahn-Takt komme, gebe es weiterhin Regionen, die nicht über Bus oder Bahn angebunden sind.

Genügend Parkplätze in der Stadt, etwa beim Alten Eisstadion, und mehr Park&Ride-Flächen seien nötig. „Wir werden in Regensburg auch künftig nicht ohne Auto auskommen. Die Familien von außerhalb wollen auf den Weihnachtsmarkt gehen.“ Klar sei jedoch auch, dass man nicht mit dem Auto in die Altstadt rollen müsse. Die Sallerner Regenbrücke betrachtet Helmes als „Riesenchance“.

Lob für die Stadt

Öffentlicher Raum: Die Stadt habe tolle Projekte auf den Weg gebracht, etwa die Umgestaltung der Wahlenstraße, sagt Jürgen Helmes. Jetzt müsse die Obermünsterstraße folgen. Die Konversion des Nibelungenareals stehe ebenfalls für gelungene Stadtentwicklung.

Einzelhandel: Gastronomie, Kultur, das Degginger und das Kreativareal gehörten zu einer funktionierenden Einkaufsstadt. Dafür entwerfe die Stadt zukunftsfähige Konzepte.

Seit 20 Jahren leitet Dr. Jürgen Helmes die IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim. Foto: Stefan Hanke