Regensburg glänzt im Städteranking: Bei der Wirtschaftskraft auf Platz acht von 72 Großstädten

Von Marion Koller · 26. November 2024 um 17:00

Regensburg ist im Städteranking von Wiwo und IW Consult um zwei Ränge aufgestiegen, weil es einen attraktiven Arbeitsmarkt und hohe Lebensqualität bietet. Steigende Mieten und Immobilienpreise bremsen die Dynamik etwas.

Auch wenn zahlreiche Großunternehmen, von Continental bis Infineon, Jobs abbauen: Regensburg holt beim Niveauranking der Wirtschaftswoche den achten Platz und schneidet damit großartig ab. Schließlich hat die Domstadt stärker gepunktet als Hamburg (10. Platz) und Düsseldorf (9.). Top ist Regensburg etwa beim Pendlersaldo. 97 000 Menschen steuern laut bayerischem Pendleratlas jeden Tag die Stadt zum Arbeiten an. Das spricht für einen attraktiven Jobmarkt.

Gründer am Start

Mit einem Bruttoinlandsprodukt von rund 90 900 Euro pro Kopf, das als Maßstab der Wirtschaftskraft gilt, steht die Stadt hervorragend da. Das Saldo von Gewerbean- und Abmeldungen (fast drei je 1000 Einwohner und Jahr) sowie die Zahl der Gründungen (34 je 10 000 Erwerbsfähige) können sich sehen lassen.

„Das ist ein super Ergebnis“, freut sich Toni Lautenschläger, Leiter des Amts für Wirtschaft und Wissenschaft. „Wir sind nach wie vor ein sehr erfolgreicher Wirtschaftsstandort und haben unseren Status verbessert.“ Dabei ist die wirtschaftliche Gesamtsituation schwieriger geworden. Doch Regensburg ist breit aufgestellt – in Produktion, Forschung und Entwicklung. Lautenschläger erinnert, dass die Stadt zwar mit vielen Zulieferern einen hohen Anteil an Autoindustrie hat. „Aber wir haben auch Stärken in Branchen, wo es gut läuft.“ Ein Beispiel ist der Energiesektor mit Schneider Electric, Starkstrom-Gerätebau GmbH und Maschinenfabrik Reinhausen. Immerhin gibt es vor Ort 130 180 sozialversicherungspflichtige Jobs.

Stadt ist mit einem dichten Glasfasernetz versorgt

Weitere Pluspunkte: Am Tech Campus und in der Tech Base mit ihren Gründern werden Innovationen und die Ansiedlung von Hightech-Unternehmen gefördert. Das Amt für Wirtschaft kümmert sich um erneuerbare Energien für die Firmen, begleitet etwa die Errichtung einer Photovoltaikanlage im Industriegebiet Siemensstraße. In Burgweinting werden Gewerbeflächen für Ansiedlungen bereitgehalten. Auch ist die Stadt mit einem dichten Glasfasernetz versorgt.

„Wir brauchen Investitionen in die Player von morgen“

Thomas Zeilhofer, Kreisvorsitzender der Mittelstandsunion, warnt, das erfolgreiche Abschneiden dürfe nicht über die aktuellen Schwächen und Herausforderungen am Standort hinwegtäuschen. Große Anstrengungen seien erforderlich, um die Industrie im bisherigen Umfang zu erhalten. „Wir brauchen Investitionen in die Player von morgen.“

Doch wenn ein Autozulieferer den anderen schluckt wie im Fall von Schaeffler und Vitesco, das seine Zentrale vor Ort hatte, kann auch die städtische Wirtschaftsförderung nur hoffen, dass möglichst viele Arbeitsplätze hierbleiben.

Thomas Zeilhofer, von Beruf Steuerberater, fordert den Ausbau von Forschung und Entwicklung an den Hochschulen sowie die Umsetzung in Produkte und Dienstleistungen. Die erfolgreiche Arbeit im Biopark und in der Tech Base sowie die Vernetzung mit der Industrie müssten gestärkt werden. Er pocht auf eine umfassende Digitalisierung der Stadtverwaltung.

Bautätigkeit hat stark nachgelassen

Beim Wohnungsbau übertrifft Regensburg im Niveauranking alle anderen Kommunen. Freilich beziehen sich die Wiwo-Daten auf 2022. Die Stadt selbst nennt hier 1470 Wohnungsfertigstellungen. Doch die Bautätigkeit hat stark nachgelassen: 2023 ist die Zahl auf 1190 gesunken. Regensburg braucht aber laut Pestel-Institut zur Bedarfsdeckung jährlich 1300 neue Apartments. Vor allem Wohnungen für einkommensschwache Haushalte fehlen. Trotz der Wohnkosten schätzen die Ranking-Autoren die Lebensqualität als extrem hoch ein.

Schlecht werden die Kita-Quote der unter Dreijährigen (32 Prozent, 2023) und die Abiturquote (37 Prozent, 2022) bewertet. Die Kita-Zahlen steigen jedoch laufend. Im September konnte die Kommune nach eigener Angabe erstmals allen Kindern einen Platz anbieten. 1370 Kleine unter drei werden betreut. Im Dynamikranking, das die Entwicklung der letzten fünf Jahre umreißt, hat sich Regensburg zwar um sieben Ränge verbessert, erreicht aber nur Platz 41. Wichtige Gründe: Die Mieten sind in dieser Zeit um 9,5 Prozent gestiegen, die Kaufpreise um mehr als 21 Prozent. Die Produktivität der Wirtschaft ist nicht so stark gewachsen wie in anderen Kommunen und die Jugendarbeitslosigkeit hat zwar nur leicht zugelegt, aber deutlicher als bei den Konkurrenten.

Hohe Ingenieursdichte

Im Nachhaltigkeitsindex hat sich die Domstadt mit dem Erreichen des zehnten Platz es behauptet. Die Pluspunkte: Alternative Heizenergien in 90 Prozent der Neubauten, sieben Prozent Ingenieursdichte, 52 Elektro-Ladestationen je 10 000 Einwohner.

Optimistisch bleibt Dr. Jürgen Helmes, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer. Zwar machten wegen der konjunkturellen Lage und fehlender wirtschaftspolitischer Impulse Gewinneinbrüche und Stellenabbau auch vor dem Großraum Regensburg nicht halt. Doch die IHK rechnet nicht mit umfassenden Einbrüchen bei der Beschäftigung. „Wegen des Fachkräftemangels bleiben Arbeitskräfte Mangelware“, erwartet Helmes. Durch den Branchenmix und die hervorragende Bildungsinfrastruktur sei die Stadt zukunftsfähig aufgestellt.

Arbeit und Leben

Ranking: Das Städteranking von Wirtschaftswoche, Immobilien Scout GmbH und IW Consult nominiert die 72 Top-Städte Deutschlands mit mehr als 100 000 Einwohnern.

Entscheidende Faktoren: Arbeitsmarkt, Wirtschaftsentwicklung, Lebensqualität, Immobilienmarkt und Nachhaltigkeit. Regensburg hat beim Niveauranking (Ist-Zustand) Platz 8 erreicht, in der Dynamik (Entwicklung in letzten fünf Jahren) 41 und bei der Nachhaltigkeit Rang 10.

„Wir sind nach wie vor ein sehr erfolgreicher Wirtschaftsstandort“, sagt Toni Lautenschläger, Leiter des Amts für Wirtschaft und Wissenschaft. Foto: Stadt Regensburg/Stefan Effenhauser