„Fataler Standortnachteil“: Energiepreise für Bayerns Wirtschaft im Herbst wieder gestiegen

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) veröffentlicht am Donnerstag ihren neuen Energiepreisindex. Der Mediengruppe Bayern lagen die Zahlen vorab vor. Nach einem Abwärtstrend sind die Energiekosten für die Wirtschaft im Herbst wieder gestiegen. Was fordern vbw und IHK Regensburg von der Politik?
Fragt man Vertreter der Industrie, was ihre Branche aktuell besonders belastet, müssen diese meist nicht lange überlegen: Überbordende Bürokratie sei das eine, zu hohe Energiepreise das andere. Letztere sind seit dem Rekord-Hoch 2022 immerhin deutlich gesunken. Anfang des Jahres gab es dann ein munteres Auf und Ab auf hohem Niveau, bevor im Sommer erneut ein leichter Abwärtstrend folgte. Der hat sich laut neuesten Zahlen der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) im Herbst aber nicht fortgesetzt. Der Energiepreisindex der Organisation ist wieder gestiegen. Die Daten liegen der Mediengruppe exklusiv vor.
Brossardt: Energiekosten auf „zu hohem Niveau“
Demnach ist der Index im Oktober im Vergleich zum Vormonat um zwei Prozent auf 120,3 Punkte geklettert. „Die Energiekosten für unsere Unternehmen verharren auf einem zu hohen Niveau“, ordnet vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt ein. Alleinstehend sind die neuen Zahlen allerdings nur wenig aussagekräftig, darauf weist auch Brossardt hin: „Die hohe Belastung durch die Energiekosten zeigt sich vor allem im langfristigen Vergleich.“ Ihm zufolge lagen die Preise im Oktober um 40 Prozent über dem Durchschnitt des Vor-Corona-Jahrs 2019 – für den vbw-Hauptgeschäftsführer ein „fataler Standortnachteil, der uns den so dringend benötigten Befreiungsschlag raus aus der Konjunktur- und Strukturkrise deutlich erschwert“.
Beim Blick auf die einzelnen Energieträger zeigt sich laut vbw, dass die Aufwärtsbewegung im Herbst aus verschiedenen Richtungen angetrieben wurde. Der Index für Primärenergie sei um 2,8 Prozent auf 117,2 Punkte gestiegen, so Brossardt − ein Plus von über 46 Prozent im Vergleich zu 2019. „Zwar gab es bei der in Deutschland erzeugten Braunkohle sowie beim heimischen Erdöl im Oktober gegenüber September ein Minus von 1,3 Prozent beziehungsweise 7,9 Prozent, gleichzeitig stiegen die Einfuhrpreise für Erdöl, Steinkohle und Erdgas zwischen 2,2 und 3,8 Prozent“, erklärt der Hauptgeschäftsführer.
Senkung der Energiekosten als Hauptaufgabe für neue Regierung
Auch der Index für Sekundärenergie ist laut vbw gewachsen: um 1,3 Prozent auf 123,3 Punkte. Grund seien vor allem gestiegene Erzeugerpreisen für leichtes Heizöl und Diesel um 4,9 Prozent beziehungsweise 2,1 Prozent, so Brossardt.
Bei der vbw folgert man aus den Zahlen: Die Senkung der Energiekosten sind die Hauptaufgabe der nächsten Bundesregierung. „Unsere Unternehmen leiden weiterhin unter den hohen Belastungen durch die teuren Energiepreise“, sagt der Hauptgeschäftsführer.
In die gleiche Kerbe schlägt auch die IHK Regensburg für die Oberpfalz und Kelheim auf Anfrage der Mediengruppe Bayern. Die hohen Energiekosten seien ein „spürbarer Wettbewerbsnachteil, vor allem für energieintensive Unternehmen in unserer Region“, sagt IHK-Energieexperte Richard Röck. Er verweist auf das kürzlich erschienene Energiewendebarometer der Handelskammern. Demnach bewerten 46 Prozent der Unternehmen in Bayern die Auswirkungen der Energiewende auf ihre Wettbewerbsfähigkeit negativ oder sehr negativ. „Das ist ein Signal, das nicht ignoriert werden dar“, warnt Röck. Besonders besorgniserregend ist ihm zufolge: „Fast zehn Prozent der Betriebe planen, ihre Produktionskapazitäten ins Ausland zu verlagern oder Kapazitäten im Inland einzuschränken“, sagt der Energiexperte.
In die gleiche Kerbe schlägt auch vbw-Hauptgeschäftsführer Brossardt: Ohne Entlastung drohe „eine weitere Beschleunigung der bereits zügig voranschreitenden Deindustrialisierung“. Brossardt fordert deshalb eine dauerhafte Absenkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestniveau, Netzkostenzuschüsse und einen Brückenstrompreis für energieintensive Unternehmen.
IHK Regensburg und vbw fordern schnelleren Netz-Ausbau
Laut Röck ist unter anderem auch mehr Planungssicherheit wichtig: Nur dann könnten „die Unternehmen langfristige Investitionen in Energieeffizienz und erneuerbare Energien tätigen“. Letztere müssen Brossardt zufolge auch deutlich schneller ausgebaut werden − ebenso wie die Netzinfrastruktur. Für den Hauptgeschäftsführer ist die Lage eindeutig: „Wir müssen unseren Standort von innen stärken, um im globalen Wettbewerb nach außen zu bestehen“ – wohl auch eine Botschaft an die nächste Bundesregierung.