Internationales Interesse an Oberpfälzer Sägewerken: Steigen die Chinesen ein bei Ziegler?

Von Christian Eckl · 10. Dezember 2024 um 14:35

Der Insolvenzverwalter der Ziegler Group, Volker Böhm, äußerte sich zum geplanten Verkauf des Holzkonzerns. Möglich sei eine Zerschlagung der einzelnen Gesellschaften. Für die 3000 Mitarbeiter der Gruppe hat der Insolvenzverwalter zudem einen Rat.

Zuversicht: Das strahlt Insolvenzverwalter Volker Böhm aus, wenn er über die Lage der Ziegler Group spricht. Die Mutter-Holding des Oberpfälzer Konzerns, das im Kern ein Holzverarbeitungsbetrieb mit drei großen Sägewerken ist, war im November in die Insolvenz geschlittert. Böhm übernahm – und prüft seither bei jeder einzelnen der über 30 Einzelunternehmen. Seine Botschaft an die Mitarbeiter kurz vor Weihnachten: Nicht kündigen, es stehen mehrere Investoren vor der Tür.

„Wir haben einige turbulente Tage und etliche Insolvenzanträge hinter uns“, sagte der Insolvenzverwalter am Dienstag vor Medienvertretern. Auch wenn es sich um eine Unternehmensgruppe handle, müsse jede Gesellschaft rechtlich einzeln betrachtet werden. Deshalb hätten die Geschäftsführer individuell ihre Antragspflichten prüfen müssen. „Das war der Grund für das komplexe Prozedere“, erklärte Böhm.

Löhne sind vorerst gesichert

3000 Mitarbeiter hat die gesamte Gruppe. Die Zahl der von den Insolvenzen der unterschiedlichen Gesellschaften betroffenen Mitarbeitern stieg zwischenzeitlich auf über 2100. Beck sagte, seine Priorität liege nun darauf, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren. Mithilfe der Insolvenzgeld-Vorfinanzierung seien die Löhne und Gehälter gesichert worden. „Das haben wir mit Unterstützung der Agentur für Arbeit unbürokratisch hinbekommen“, sagte er. Der Ablauf sei bisher störungsfrei.

Auch die drei Holzsägewerke möchte der Insolvenzverwalter wieder in Betrieb nehmen. Doch das gestaltet sich noch schwierig. „Hier ist die Versorgung mit Holz nach wie vor ein Thema“, räumte Böhm ein. „Das Werk kann nur unter Volllast wirtschaftlich arbeiten.“ Zusagen von Lieferanten lägen zwar vor, aber eine endgültige Abstimmung mit den Finanzierern stehe noch aus. „Ob wir noch vor den Feiertagen starten können, müssen wir klären“, fügte er hinzu.

Auch zu einem möglichen Verkauf der gesamten Gruppe, aber auch einzelner Unternehmen äußerte sich der Insolvenzverwalter. Es gebe Interessenten für verschiedene Unternehmensbereiche – vor allem für das Sägewerk. „Ich bin doch recht optimistisch, auch wenn die Ausgangslage schwierig ist.“ Die Strategie sei es, die Gesellschaften in wirtschaftlich sinnvolle Cluster aufzuteilen. „Es wird wahrscheinlich auf unterschiedliche Investoren für verschiedene Bereiche hinauslaufen“, erklärte Böhm. Gleichzeitig arbeite man daran, die einzelnen Gesellschaften überlebensfähig zu machen, um sie unabhängig voneinander zu betreiben. Auf die Frage hin, ob die Sägewerke auch an die Chinesen verkauft werden könnten, wollte Böhm aber zunächst nicht direkt antworten. Über Investoren spreche er im Vorfeld grundsätzlich nicht.

Immer wieder gab es Gerüchte, die Unternehmensführung habe sich verzettelt. Eine Auflistung des Insolvenzverwalters unterscheidet dann auch in unterschiedliche Bereiche: Eine Holding etwa, die wie ein Finanzkonzern funktionierte, die Holzverarbeitung, aber auch die dazugehörige Logistik. Modul- und Individualbauweise wurden in unterschiedlichen GmbHs abgebildet, auch in Handel und Deko hatte der Eigentümer investiert. Das Kernunternehmen, das Ziegler Holzwerk, sei durchaus profitabel gewesen und habe andere Bereiche finanziert. Doch die Krise in der Baubranche habe das Unternehmen unter Druck gesetzt, was zu weiteren Insolvenzen geführt habe. „Fast alle Gesellschaften haften als Garanten für die beträchtliche Gesamtfinanzierung der Gruppe“, sagte Böhm.

Entlassungen stehen derzeit nicht zur Debatte. „Wir haben keine Kündigungen ausgesprochen und planen das auch nicht“, versicherte der Insolvenzverwalter. Angesichts des Fachkräftemangels und des aufnahmefähigen Arbeitsmarktes appellierte er an die Mitarbeiter: „Bitte geben Sie uns die nötige Zeit, um Schritt für Schritt Lösungen zu finden.“ Zu möglichen Käufern äußerte sich Böhm vorsichtig. „Wir sprechen nicht öffentlich über Interessenten.“ Dennoch gebe es sowohl strategische als auch Finanzinvestoren. „Der Strauß an Interessenten ist bunt.“ Auch für die ausländischen Gesellschaften in Rumänien und Schweden gibt es Hoffnung. Man verhindere derzeit, dass diese Standorte nach ausländischem Insolvenzrecht selbst einen Antrag dort stellen müssten.

Lösung bis Ende März

Zum Zeitrahmen für mögliche Verkäufe sagte Böhm: „In der nächsten Woche starten wir die direkte Ansprache der Investoren.“ Erste Angebote sollen im Januar eingehen, und bis Ende des ersten Quartals hoffe man auf eine Lösung. „Das ist auch der Fahrplan auf Investorenseite.“

Der Prozess sei ein Balanceakt zwischen Entflechtung und Werterhaltung. „Das Wort ‚entflechten‘ trifft es gut“, meinte Böhm. Durch die Aufteilung in klarere Geschäftsbereiche könne man die Komplexität reduzieren und den Wert erhöhen. „Das Sägewerk und die Pellets-Produktion würden sich beispielsweise gemeinsam zum Verkauf anbieten.“

„Alle drei Sägewerke sind strategisch interessant“, erklärt Volker Böhm. Auch wenn die aktuelle Marktlage schwierig sei, rechne man mit globalem Interesse. „Wir bieten die Sägewerke auch internationalen Investoren an“, betonte er. Bei den kleineren Unternehmen hingegen sei die Lage anders. Hier seien vor allem regionale Investoren interessant. Einen genauen Zeitpunkt, wann Böhm mit einem Verkauf einzelner Teile oder der gesamten Gruppe rechnet, wollte der Insolvenzverwalter auch aus taktischen Gründen nicht nennen.