Schul-Essen im Landkreis Neumarkt: Balanceakt zwischen Kosten, Qualität und Ansprüchen

Im Sommer 2024 hat der Freistaat seine Ernährungsstrategie für Bayern weiterentwickelt, um eine gesunde und nachhaltige Ernährung zu fördern. Dabei setzt er auf regionale und Bio-Produkte. Für viele Caterer und Küchen ist das vor allem eine Kostenfrage – auch in und um Neumarkt. Was wollen eigentlich die Schüler auf dem Teller?
Dicht drängen sich die Schüler vor die Essensausgabe der Mensa in Neumarkt und lugen durch die Scheibe auf die heutigen Mahlzeiten: Vegetarisches Schnitzel mit Tomatenreis, Champignonrahmsauce und Gemüse oder Schweinegulasch mit Zwiebelsauce, Gabelspaghetti und Gemüse. Das Schweinegulasch wandert deutlich öfter über die Theke. Noch lieber würden viele der Schüler aber Fast Food wie Pizza, Döner oder Burger essen, wie sie erzählen. Ein Wunsch, den die Mensa der Klinik Service GmbH in Neumarkt ebenso wie andere Caterer nicht so einfach erfüllen kann. Schließlich kann die Schulverpflegung eine bedeutende Rolle für die Gesundheit der Kinder spielen.
Bio-Fleisch zu teuer
Ludger Wilma versorgt mit seinem Catering-Dienst „Brot und Spiele“ mehr als 20 Einrichtungen in der Region, vor allem Krippen, Kitas und Grundschulen. Er sagt: „Wenn wir nur das erfüllen, was die Kinder wollen, wäre es einfach.“ Man habe aber ja auch einen Ernährungsauftrag und wolle die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung einhalten.
Zwischen 2,80 und vier Euro bekomme er pro Gericht, je nachdem wie viele Mahlzeiten an die Einrichtung geliefert werden. Bei vielen Lebensmitteln verwende er die Bio-Varianten, etwa bei Reis, Nudeln , Brokkoli und Blumenkohl. „Bei Fleisch kaufen wir kein Bio, das kann kein Mensch bezahlen“, sagt Wilma. Die Kartoffeln seien zwar nicht Bio, dafür regional aus Postbauer-Heng.
Die Martini-Schule Freystadt ist eine von sechs Oberpfälzer Schulen, die Teil des Coachings Schulverpflegung des bayerischen Staatsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft sind. Vor kurzem hat die Schule den Caterer gewechselt. Rektorin Christine Gottschalk sagt, man habe bei der Ausschreibung bewusst darauf verzichtet, einen hohen Bio-Anteil beim Caterer vorzuschreiben. „Bio alleine macht keine gesunde Ernährung“, sagt sie. Ein Bio-Zertifikat könne ein Anbieter auch dann erhalten, wenn er vor allem bei Produkten wie Nudeln und Reis auf Bio setze.
Mischkalkulation macht Fisch und Fleisch möglich
Für ein Bio-Logo des Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft müssen Mensen oder Caterer mindestens 20 Prozent der Warenkosten für Bio ausgeben. Theoretisch kann der Bio-Anteil also tatsächlich auf bestimmte Produkte beschränkt werden, solange auch nur diese als Bio gekennzeichnet werden.
Für Gottschalk zählen dagegen gesunde und regionale Lebensmittel. Viele Gerichte, vor allem die mit Fisch oder Fleisch, können an ihrer Schule nur durch die Mischkalkulation angeboten werden. Die 4,20 Euro zahlen die Mittelschüler also auch bei günstigeren Gerichten wie Griesbrei. Auch bei den anderen Caterern funktioniert es ohne Mischkalkulation nicht, wie diese selbst sagen.
Die Klinik Service GmbH des Neumarkter Klinikums übernimmt das Catering für fünf pädagogische Institutionen in Neumarkt, etwa das Ostendorfer Gymnasium, die Mittelschule West oder den Kindergarten der Lebenshilfe. Florian Falkner, der Prokurist, sagt: „Eltern und Schüler wollen gerne ein ausgewogenes Essen zum günstigen Preis. Aber das ist natürlich schwierig, da so einen Spagat hinzulegen.“ Ein Viertel der Produkte in Bezug auf die Kosten stammt aus der Region Neumarkt, aus Bayern sind es laut Falkner sogar 70 Prozent. Bio habe dagegen eine geringfügige Bedeutung, vor allem aus preislichen Gründen.
Schüler wollen Fast Food
Eine Mahlzeit mit Dessert kostet für die Schüler sechs Euro. Eines der beiden Tagesgerichte ist immer vegetarisch. Die Fleischgerichte werden von Schülern und ihren Eltern aber deutlich mehr gebucht. So etwa vergangene Woche: Das vegetarische Curry mit Reis sei 38 mal serviert worden – der Hähnchen-Rollbraten mit Karotte und Spätzle 115 mal. „Eine eher typische Verteilung“, ordnet Falkner ein. Die meist verkauften Gerichte seien Schnitzel oder Currywurst.
Oskar Kleist, Abiturient am Willibald-Gluck-Gymnasium, isst etwa zwei mal pro Woche in der Mensa. Die Gerichte wiederholen sich zwar für seinen Geschmack manchmal zu oft, für den 16-Jährigen sei das Mittagsangebot aber eine gute Alternative zu den Angeboten im Einkaufszentrum Neuer Markt. „Da ist teilweise noch weniger Abwechslung, ich will auch nicht jeden Tag Döner essen“, sagt er. Bei den jüngeren Schüler fällt das Urteil strenger aus: Einige jüngere Teenager von der Mittelschule West wünschen sich statt Reis Pizza, Kebab oder Burger.
Landratsamt fördert 60 bis 90 Cent
Bei den weiterführenden Schulen des Landkreises Neumarkt fördert das Landratsamt laut der Pressestelle zwischen 60 und 90 Cent pro Mahlzeit. Auch in der Mensa der Klinik Service GmbH werden die Mahlzeiten einiger Schüler bezuschusst, etwa der vom Willibald-Gluck-Gymnasium oder der Mädchenrealschule. Andere Einrichtungen, die nicht dem Landkreis gehören, etwa das Sonderpädagogische Förderzentrum in Neumarkt, erhalten diese Förderung nicht. Dennoch bezahlen die Eltern der Schüler in der Mensa denselben Preis. „Das können wir auch nicht machen, dass dann die einen mehr bezahlen“, sagt Falkner.
Die Finanzierung ist auch für Wilma von „Brot und Spiele“ ein großes Thema – vor allem wegen der steigenden Lebensmittelkosten. „Alle wollen Bio, aber wollen es nicht bezahlen“, sagt er. Am Ende bleibt es ein Abwägen zwischen gesunder Ernährung, Kosten und dem Leistbaren. Man könne etwa nicht 5000 Fischstäbchen selbst panieren und braten und verwende daher das Fertigprodukt, sagt er.
Mittlerweile haben diverse Parteien kostenlose Mittagsessen für Schüler gefordert und Pläne entworfen – jüngst die SPD. Die Umsetzung dürfte nach Schätzung des SPD-Generalsekretärs Matthias Miersch Milliarden kosten.