Mehr Geld für Jugendarbeit in Neumarkt? Das sagen andere Fraktionen zur Idee der Freien Wähler

Die Zeit nach den Sommerferien ist eine Zeit zum Durchschnaufen – zumindest für diejenigen, die im Landkreis Neumarkt für die Jugendarbeit zuständig sind: Sommerfreizeiten sind vorbei, die Schüler wieder in der Schule. Im Landkreis Neumarkt ist es jedoch nicht ruhiger um die Jugendarbeit geworden.
Die Freien Wähler haben das Thema Jugendarbeit politisch in den Fokus gerückt. Sie hatten in öffentlichen Mitteilungen unter anderem eine bessere personelle Ausstattung des Kreisjugendrings in Neumarkt gefordert und regen dazu eine Zusammenarbeit aller Fraktionen im Kreistag an.
Ehrenamtliche am Limit: So ist die Lage beim KJR Neumarkt
Der Kreisjugendring hatte aufgrund der prekären Stellensituation in der Geschäftsstelle einige Angebote für das Jahr 2024 streichen müssen. So habe es den Angaben der KJR-Vorsitzenden Stefanie Meier zufolge in diesem Jahr kein Programmheft gegeben, Angebote und Fahrten hatten auf Eis gelegt werden müssen. Das Spielmobil war während der Sommerferien nur für insgesamt drei Wochen im Landkreis unterwegs.
Wie Geschäftsführer Markus Ott im Gespräch mit unserem Medienhaus erklärte, arbeiteten die ehrenamtlichen Helfer des Kreisjugendrings gerade am Anschlag: „Viele von ihnen stemmen gerade mehrere Projekte gleichzeitig, damit nicht noch mehr wegfallen muss.“ Und diese Projekte seien gerade wichtiger denn je, sagt Ott. Er meint damit Aktionen zum Demokratieerhalt, für die der Kreisjugendring unter anderem mit dem Jugendarbeitspreis des Bezirksjugendrings Oberpfalz ausgezeichnet worden ist.
Erst im September hatten alle 103 Gruppierungen des Bayerischen Jugendrings ein spezielles Demokratiebudget zur Verfügung gestellt bekommen. 22 000 Euro bekam auch der KJR Neumarkt aus einem Bundes-Topf, der eigentlich für Coronahilfen gedacht gewesen wäre.
Doch die Aktionen müssen bis Ende November geplant, die Mittel bis dahin abgerufen sein. Der KJR Neumarkt mobilisierte daher alle verfügbaren, ehrenamtlichen Kräfte und hatte Glück: Jetzt gibt es sogar 40 000 Euro Förderung für fünf Projekte.
Markus Ott weiß, dass sein ehrenamtliches Netzwerk alles dafür geben wird, dass das Planspiel Börse, eine Bildungsfahrt nach Auschwitz in Polen, eine TikTok-Kampagne und das Love beats Hate Festival inklusive Infostand zur Demokratiebildung stattfinden können. „Aber hier braucht’s eigentlich jemanden, der hauptamtlich den Hut aufhat“, sagt der Geschäftsführer.
FW: Stellen die Freien Wähler einen Antrag im Kreistag?
Laut Aussage des FW-Fraktionsvorsitzenden Thomas Thumann seien die Freien Wähler zuletzt sowohl mit dem KJR als auch mit Landrat Willibald Gailler in Gesprächen gewesen. Demnach sei nicht beabsichtigt, den KJR aus den Räumlichkeiten in direkter Nähe zum Landratsamt zu entfernen. Inwieweit eine personelle Aufstockung des KJR notwendig ist, werde Thumanns Angaben zufolge derzeit im Landratamt geprüft. Daher geht er davon aus, dass das Thema bei der nächsten Besprechung der Fraktionsvorsitzenden des Kreistags auf der Tagesordnung stehen werde.
Die Freien Wähler vertreten den Standpunkt, dass die Arbeit des Kreisjugendrings sowohl eine wertvolle wie auch notwendige Ergänzung der Jugendarbeit in der Stadt Neumarkt und den Landkreiskommunen darstelle. In die Jugendarbeit investiertes Geld sei gut angelegtes Geld und könne spätere Mehrkosten verhindern.
CSU: Ein Gutachten ist fertig, Warten auf weitere Zahlen
Die CSU beschäftigt sich den Angaben des Fraktionsvorsitzenden Alois Scherer zufolge schon sehr lange mit dem Thema. Nicht nur mit dem Kreisjugendring, sondern mit der Jugendarbeit im Landkreis in seiner Gesamtheit. Hier leisteten zahlreiche Ehrenamtliche in Verbänden und Vereinen sowie Jugendpfleger wertvolle Arbeit. Und während es für die CSU nie zur Debatte gestanden habe, ob der KJR die Räumlichkeiten an der Mensa des Ostendorfer Gymnasiums nutzen darf, sei die Personalsituation des KJR derzeit noch Gegenstand interner Gespräche bei der CSU.
Um zu einer Entscheidung zu kommen, wolle die Kreistagsfraktion Zahlen des Kommunalen Prüfungsverbands abwarten, die auf Basis des Grundlagenvertrags zwischen KJR und Landkreis den Personalbedarf beschreiben und die im Herbst erwartet werden. Auch Zahlen eines vom Bayerischen Sozialministerium in Auftrag gegebenen Gutachtens, für das auf wissenschaftlicher Basis errechnet wurde, wie viel Personal beim KJR tatsächlich nötig wäre, sollen laut Scherer in die Entscheidungsfindung mit einfließen.
Basierend auf den Aufgaben aus dem Grundlagenvertrag, der Qualität, die dafür nötig ist, und der Gesetzgebung war das Institut für Sozialplanung und Organisationsentwicklung zu dem Schluss gekommen, dass eineinhalb Stellen beim KJR fehlen.
Grüne: Jugend soll kein Opfer des Wahlkampfs werden
Grünen-Fraktionsvorsitzender Stefan Haas hätte das Thema gern mit Vertretern aller Fraktionen besprochen, bevor die Freien Wähler damit an die Öffentlichkeit gegangen sind. Denn grundsätzlich seien die Grünen im Kreistag der Meinung, dass das Geld für die zusätzlich benötigten Stellen beim Kreisjugendring da und das Anliegen des KJR finanzierbar sei. Haas sagte dem Kreisjugendring die Unterstützung der Grünen zu – denn dieser solle die Ressourcen bekommen, die er für die Erfüllung seiner Aufgaben braucht.
Den Zeitpunkt der Diskussion um die personelle Ausstattung des KJR hält Haas im Hinblick auf die Budgetplanungen und Haushaltsverhandlungen für den richtigen. Jedoch stehe im März 2026 die Kommunalwahl an – „und es wäre schade, wenn der KJR aus wahlkampftaktischen Gründen auf Stellen verzichten müsste, die er dringend braucht“.
SPD bemängelt personelle Lage des KJR schon länger
SPD-Fraktionsvorsitzender Stefan Großhauser zeigte sich überrascht über das Vorpreschen der Freien Wähler in der Öffentlichkeit. Denn bisher sei die personelle Ausstattung des Kreisjugendrings noch nicht Gegenstand einer Sitzung der Fraktionsvorsitzenden oder des Kreistags gewesen.
Dennoch freut er sich, dass das Thema nun endlich Fahrt aufzunehmen scheint. Er hatte bereits in seiner Haushaltsrede die personelle Ausstattung des KJR bemängelt. „Dort wird – sogar von offizieller Seite bekundet – ,bayernweit ausgezeichnete Arbeit’ geleistet. Eine echte Wertschätzung und vor allem Unterstützung der vielen ehrenamtlich Tätigen in diesem Bereich würde eine personelle Aufstockung des KJR darstellen“, hatte Großhauser in seiner Rede erklärt.
ÖDP: Geld für die Jugendarbeit ist gut angelegt
Die ÖDP im Kreistag vertritt den Standpunkt, dass sich jeder in die Jugendarbeit investierte Euro später einmal doppelt und dreifach auszahlen wird. Daher werde die ÖDP-Fraktion ein entsprechendes Vorhaben, den KJR personell besser auszustatten, grundsätzlich unterstützen, erklärte Ludwig Härteis. Beim KJR werde vor allem in Sachen Demokratiebildung wertvolle Arbeit geleistet – „da stehen wir absolut dahinter.“
Linke: Stellen-Aufstockung längst überfällig
Linken-Kreisrat Norbert Finsterer lobte die Arbeit des KJR, dieser leiste sinnvolle Arbeit. Um zu verhindern, dass der Kreisjugendring seine Angebote weiter eindampfen muss, sei er dafür, die zusätzlich benötigten Stellen zu genehmigen und kündigte an, bei einer entsprechenden Abstimmung seine Hand dafür zu heben.
AfD: Noch keine Meinungsbildung bei der AfD
Die AfD im Kreistag hat sich zur Thematik noch keine Gedanken gemacht. Wie Kreisrat Werner Meier erklärte, werde man sich das Ansinnen der Freien Wähler im Gremium genau anhören und dann entscheiden, ob man sich der Forderung nach mehr Personal für den Kreisjugendring anschließen könne.