Das Landratsamt Neumarkt platzt aus allen Nähten – müssen Mieter wie der Kreisjugendring ausziehen?

Von Peter Romir · 6. August 2024 um 15:00

Es wird eng in der Nürnberger Straße 1 in Neumarkt. Die Zahl der Mitarbeiter des Landratsamtes wächst ständig – und damit auch der Platzbedarf. Deswegen werden aktuell verschiedene Szenarien durchgespielt: vom Anbau bis zur Kündigung von Mietern.

Über 100 neue Mitarbeiter sind in den letzten fünf Jahren dazugekommen: 2019 waren 477 Menschen am Amt beschäftigt, aktuell sind es 586 Personen. Mit Praktikanten und Ehrenamtlichen sogar 631.

Sozialer Bereich wächst

„Den meisten Zuwachs hatten wir im sozialen Bereich“, erklärt Landkreissprecher Michael Gottschalk. „Die Beratungen für Asylbewerber und die Jugendsozialarbeit haben stark zugenommen.“ Auch beim Wohngeld habe sich die Zahl der Anträge verdreifacht.

Durch mehr Mitarbeiter in den Abteilungen entsteht auch ein Bedarf an zusätzlichem Personal in der Hauptverwaltung, das sich um EDV, Löhne und Gehälter kümmert. „Wir haben immensen Handlungsbedarf“, sagt der Leiter der Hauptverwaltung, Jürgen Schreiner: „Auch in Zukunft werden wir massiv Stellen aufbauen müssen.“

Teuer mieten, billig vermieten?

Doch das 1960 errichtete (und seither zweimal erweiterte und modernisierte) Landratsamt ist bereits jetzt an den Grenzen seiner Kapazität. Weshalb der Landkreis seit einiger Zeit Räume im Neuen Markt anmietet – für 16 Euro pro Quadratmeter. Kurioserweise ist der Landkreis aber gleichzeitig auch Vermieter: In seinen Räumen sind das Jobcenter, die Regina GmbH, der Kreisjugendring (KJR) und der Jugendmigrationsdienst des Christlichen Jugenddorfwerks (CJD) untergebracht.

Müssen Mieter ausziehen?

Während das Jobcenter eine Miete von sechs Euro pro Quadratmeter zahlt, sind die anderen drei Einrichtungen hier mietfrei untergebracht – da sie Aufgaben übernehmen, die sonst der Landkreis selbst erfüllen müsste. „Vielleicht könnten diese drei Mieter auch anderswo im Landkreisgebiet untergebracht werden“, sagt Kreisrat Bernhard Kraus. Er betont, dass er als Vorsitzender des Rechnungsprüfungsausschusses dafür zuständig sei, die Einnahmen und Ausgaben unter streng kaufmännischen Gesichtspunkten zu betrachten „Wenn es andere Gründe gibt, dass diese Einrichtungen zu diesen günstigen Konditionen hier bleiben, muss das natürlich berücksichtigt werden.“

Mieter überrascht

Die drei betroffenen Einrichtungen zeigten sich überrascht von der Idee eines möglichen Umzugs: „Wir übernehmen seit 75 Jahren wichtige Aufgaben der Jugendarbeit für den Landkreis“, sagt KJR-Geschäftsführer Markus Ott. Zudem sei seine Einrichtung erst 2017 unter großem Aufwand in die aktuellen Räume oberhalb der Mensa des Ostendorfer Gymnasiums umgezogen. „Der Standort in Neumarkt ist für uns sehr wichtig, da er für Jugendliche gut erreichbar ist.“

CJD und Regina nicht barrierefrei

Die zentrale Lage ist auch für CJD-Leiter Fabian Schambeck entscheidend: „Wir haben hier eine Beratungsstelle für junge Migranten zwischen zwölf und 27 Jahren.“ Ein Großteil dieser Zielgruppe lebt in Neumarkt. „In Dietfurt wäre unsere Arbeit wesentlich schwieriger.“ Dennoch hätte Schambeck nichts dagegen, den aktuellen Standort zu verlassen. Denn die Büros liegen im obersten Stockwerk eines Gebäudes ohne Aufzug, dass auch energetisch nicht auf dem neusten Stand ist. Das bestätigt die Leiterin der Regina GmbH, Kathrin Kimmich, deren Büros gleich gegenüber sind: „Im Winter sitzen wir mit Handschuhen im Büro und im Sommer schwitzen wir.“

Neubau am Landratsamt Neumarkt?

Eine Alternative zum Auszug der Mieter wäre eine Erweiterung des Landratsamtes durch ein zusätzliches Stockwerk auf dem hinteren Gebäudeteil. Das vordere Gebäude, gegenüber dem Neuen Markt, kann dagegen aus statischen Gründen nicht mehr vergrößert werden. Um das akute Raumproblem zu entschärfen hat das Landratsamt zusätzliche Räume im Schwarzachweg angemietet. Bis es zu einer endgültigen Lösung kommt, sei aber laut Gottschalk noch ein „langer Planungsprozess nötig“.