Frust über Müll, Flutschäden und eine (mittelfristig) gute Nachricht in Kelheims Dörfern

Von Beate Weigert · 9. Dezember 2024 um 11:00

Die Kelheimer Bürgerversammlungen sind durch. Der Bürgermeister sagt, was bald kommt und was auf sich warten lässt. Eine Zusammenfassung.

Bei den Kelheimer Bürgerversammlungen erhielten die Einwohner zum einen Infos aus erster Hand über die Projekte in der Kreisstadt. Von Stausacker bis Weltenburg konnten sie zum anderen aber auch Probleme und Frust loswerden – über Ausflügler-Müll, über einen gefährlichen Bushalt oder über Hochwasser-Nachwehen inklusive Tempo 10. Für einen Thaldorfer „Dauerbrenner“ zeichnet sich dagegen mittelfristig endlich eine Lösung ab. Ein erster Baustein wurde 2024 realisiert.

• Stausacker: Neben der Kernstadt war Stausacker am 12. Juli 2024 am weitreichendsten von den Folgen der Starkregen-Zelle betroffen. (Kleine) Maßnahmen an oberliegenden Straßen weit vor der Siedlung sollen künftig Abhilfe schaffen, so Bürgermeister Christian Schweiger im Nachgang zu unserer Zeitung. So dass das viele Wasser nicht nur über die Hauptverkehrswege abfließe. Hierzu hätten auch zahlreiche Landwirte und die Ehrenamtlichen der Feuerwehr hilfreichen Input geliefert.„Gemeinsame Erkenntnisse helfen schnelle Lösungen zu finden.“

Der Rückbau der Klosterthalstraße ist vom Tisch, so Schweiger auf unsere Nachfrage. Sie sei nun wieder befahrbar. Nachdem hier lange Zeit Tempo 10 galt, könne nun mit Tempo 30 gefahren werden. Das sei akzeptabel. Die Straße könne sowohl von den Einwohnern wie auch von Freizeitradlern genutzt werden. Abschnittweise würden weitere Reparaturen folgen.

Laut Schweiger beklagten Bürger einmal mehr die Müllproblematik. Diesmal weniger in Bezug auf die Floß-Fahrer, sondern auf Ausflügler, die mit den Booten von Verleihern auf Tour gingen und all ihren Unrat in dem Kelheimer Ortsteil hinterließen. Die Stausackerer wünschten sich dringend mehr Mülleimer. Schweiger sagt: „Wir leeren eh regelmäßig.“ Er glaubt: Neue Mülleimer brächten noch mehr Unrat. „Wir bräuchten die unendliche Tonne.“ Wo Müll sei, lande immer noch mehr davon. Nun sollen die Freizeitsportler mit Hinweistafeln sensibilisiert werden. Der Bürgermeister mutmaßt: „Das wird aber ein kleiner Hotspot bleiben. Wichtig wäre, dass sich die Leute entsprechend verhalten.“

• Thaldorf: Auch in Thaldorf wird in Anliegerstraßen zu schnell gefahren. Der Wunsch nach einer 30er-Zone sei bei vielen groß, so der Bürgermeister. Allerdings sehen laut Schweiger übergeordnete Behörden keine Veranlassung dafür. Zudem habe der Treff mit den Bürgern gezeigt, dass „das Stimmungsbild nicht so eindeutig“ sei, wie etwa in Kapfelberg. Man wolle im Rathaus das Thema beobachten und es gegebenenfalls neu mit den Thaldorfern diskutieren. Oftmals sei es auch nur ein „subjektives Gefühl“, dass zu schnell gefahren werde.

Größer schien der Wunsch nach einer sicheren Bushaltestelle an der Kreisstraße. Dort müssten auch zahlreiche Kinder und Jugendliche die Straßenseite wechseln. Schweiger versprach mit dem Landkreis das Gespräch zu suchen, was an der Stelle nahe dem Gasthaus Frischeisen möglich sei.

2024 war der Bau des Anumar-Solarparks in Thaldorf ein großes Thema. Auch weil zahlreiche Feldwege in Mitleidenschaft gezogen worden waren. Gebaut wurde auch die Kabeltrasse zum Umspannwerk nach Saal. Die Stadtwerke Kelheim ließen einen zusätzlichen Stromanschluss mitverlegen. Mittelfristig soll sich so das Problem vieler Bürger lösen, die auf ihren Dächern Solarstrom produzieren, diesen aber bislang mangels entsprechend ausgelegter Stromleitungen nicht ins Stromnetz einspeisen können. Ab 2026 werde mutmaßlich nahe der Waldsiedlung noch ein Schalthaus einschließlich Verkabelung gebaut und die Waldsiedlung verkabelt. Bis 2028 könnte dann alles in Betrieb sein. Dann „haben wir einen Ringschluss“, so Schweiger. Das Anumar-Projekt bringe den Thaldorfern zudem einen kleinen Trimm-dich-Pfad (an der Kabelstrecke) den die Firma bezahlt. Das noch im Frühjahr angedachte größere Gewerbegebiet „Thaldorf Ost“ sei vom Tisch, bestätigt Schweiger auf unsere Nachfrage. Er bedauert nach wie vor, dass die Stadträte nicht wenigstens darüber diskutieren wollten.

• Weltenburg: In Weltenburg hallt das Hochwasser vom Juni noch nach. In der Asamstraße drückten die Wassermassen wie in der Regensburger Straße in Kelheim die verschraubten Kanaldeckel hoch. Das neu Einasphaltieren stehe noch aus. Deshalb gelte hier aktuell noch Tempo 10, entsprechende Schilder weisen darauf hin.

Das Vereinsheim Weltenburg sollte 2024 saniert werden. So wie es aussieht, werden die Arbeiten aber erst 2025 starten. Die Baugenehmigung sei eingereicht, die Ausschreibung werde vorbereitet. Weil die Zeit bis zum Jahresende inzwischen knapp bemessen ist, werden die geplanten Arbeiten an einer Fluchttreppe wohl erst im neuen Jahr starten. Diese ist nötig, damit Schieß- und Dart-Stand im Untergeschoss genutzt werden dürfen. Zudem muss das Gebäude energetisch ertüchtigt werden, ebenso die Sanitäranlagen.

Das Weltenburger Feuerwehrhaus steht ebenfalls seit Jahren auf der Wunschliste der Betroffenen. In der städtischen Priorisierung stehe Weltenburg nach Staubing auf Platz 2, so Schweiger. Vorbehaltlich der Hauhalts-Lage sei aber nicht vor 2027 mit einem Neubau zu rechnen. Das Gebäude sei nicht mehr zeitgemäß, ein Neubau komme laut Schweiger aber nur am aktuellen Standort infrage. Alternative Standorte, etwa bei DLRG-Gebäude, seien auch nicht gewünscht. Das dritte Feuerwehr-Großprojekt ist der Neubau eines Affeckinger Gerätehauses. Es ist am südlichen Teil des Fibres-Parkplatzes an der Einmündung der Abensberger Straße angedacht.

Die Arbeiten am Weltenburger Vereinsheim werden vermutlich erst 2025 starten. Foto: Beate Weigert
Die Starkregen-Zelle vom 12. Juli erwischte die Bürger von Stausacker neben der Kreisstadt am heftigsten. Foto: Beate Weigert
Viele Bürger in Thaldorf haben PV-Anlagen auf ihren Dächern, doch all der Strom kann nicht ins öffentliche Netz eingespeist werden, weil die adäquaten Stromleitungen bislang fehlen. Foto: Bernd Weißbrod/dpa