„Ich habe nicht gedacht, dass ich so weit komme“: Höchster Grad für Karate-Meister Jamal Measara

Von Lucia Pirkl · 8. Dezember 2024 um 11:00

Einmalig in Deutschland: Jamal Measara aus Kelheim bekommt den zehnten Dan in Karate und damit die höchste Auszeichnung, die man in diesem Sport bekommen kann.

Eine einfache WhatsApp-Nachricht krönt sein Lebenswerk. „Ich war total überrascht“, gesteht Jamal Measara. Der Sensei, wie er genannt wird, ist im In- und Ausland bekannt als Meister des Karate. „Karate for my life“, sein Konzept, das sich eigentlich an all Jene richtet, die sich mit dem Sport körperlich und geistig fit bis ins hohe Alter halten wollen, trifft als Motto auf keinen so gut zu wie auf Measara selbst. „Karate ist mein Leben“, sagt der Wahl-Kelheimer und dafür erhält er jetzt den zehnten Dan, die höchste Auszeichnung, die man als Karateka erlangen kann. Damit wird er der Einzige in Deutschland sein, der den zehnten Dan in Karate hat.

Am vergangenen Samstag fiel die Entscheidung im Deutschen Karate Verband, dass Measara mehr als würdig für den zehnten Dan ist, und zwar einstimmig. Und gleich danach erfuhr es Measara eben durch besagte WhatsApp. Measara bekommt die Auszeichnung, weil er sich unermüdlich einsetzt für den Karatesport. Er hat weltweit Kurse gegeben, Verbände gegründet, zahlreiche Titel gewonnen und seine Kunst in Okinawa, in Japan, dem Mutterland des Shorin-Ryu-Karate, immer wieder verfeinert und dort beste Kontakte aufgebaut. Und er hat zahlreiche Bücher geschrieben. Measara ist so etwas wie ein Botschafter des Karate und bleibt trotzdem bescheiden.

Unerwarteter Titel

„Ich war sehr stolz und glücklich, dass sich alle für mich entschieden haben“, sagt Measara im Nachgang. Erwartet hatte er die Auszeichnung allerdings nicht. Den zehnten Dan muss man sich verdienen, bewerben kann man sich dafür nicht. Er wird für ein Lebenswerk verliehen.

Measaras Leben ist der Kampfsport, genauer Karate und Kobudo (Kampfkunst mit den auf Okinawa entwickelten Bauernwaffen) sowie Aikido. „Ich wäre nicht der, der ich heute bin ohne Karate“, ist er überzeugt. Denn der 75-Jährige hat nicht nur seine körperliche Fitness, sondern sein ganzes Mind-Set, seine ganze Denkweise, Karate zu verdanken: Ziele verfolgen, dran bleiben, aber auch Anderen mit Respekt entgegen zu treten und sich eine gewisse Demut zu bewahren, das sind die Maximen, nach denen er sein Leben ausrichtet. „Ich lerne immer noch von anderen, jeden Tag, auch von meinen Schülern. Ich bin jetzt eigentlich wieder ein Weißgurt.“

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Seinem härtesten Gegner indes tritt er jeden Tag gegenüber, nämlich sich selbst. Täglich ist das ein Kampf, der gewonnen werden möchte. „Um sechs Uhr früh stehe ich auf der Matte und mache eineinhalb Stunden eine Karateeinheit. Auch, wenn es dunkel und kalt ist.“ Und zwar fünfmal die Woche. Am Wochenende ist er dann als Prüfer oder Trainer unterwegs. Früher war er fast jeden Monat einmal im Ausland. Seit Corona ist es etwas weniger geworden. Reisen nach Dubai beispielsweise, um dort die Police Academy zu trainieren, gehören noch dazu. Oder auch nach Okinawa.

Am Wochenende nun wird Measara beim Wintercamp in der Josef-Stanglmeier-Halle wieder Prüfungen in Karate und Kobudo abnehmen, für Prüflinge bis zum vierten Meistergrad. Vielen ist Abensberg als Judohochburg bekannt. Dass Measara hier zweimal die Woche alle Altersstufen trainiert, und zwar seit vielen Jahrzehnten, das dürften nur wenige wissen. „Das war eigentlich als Hobby gedacht“, sagt er lächelnd. Am Wochenende kommen nun Sportler aus ganz Deutschland und aus dem benachbarten Ausland in die Halle. Der Höhepunkt aber dürfte für Measara die Urkundenverleihung am gestrigen Samstagabend gewesen sein.

„Ich habe nicht gedacht, dass ich so weit komme.“ Denn der Weg war weit. Als kleiner Junge, der von anderen für seinen etwas fülligen Körperbau gehänselt wurde, entdeckte Measara in seiner Heimat Malaysia das Boxen und dann irgendwann Karate. „Ich war begeistert und hatte mir vorgenommen, Karatetrainer zu werden.“ Das hatte dann bald so gut geklappt – nicht zuletzt aufgrund seines Fleißes – dass er auch seine Familie in Malaysia damit ernähren konnte. „Karate hat mir mein ganzes Leben gegeben. Ich bin dankbar, dass ich damit anfing.“ Es habe seinen Weg gezeichnet, ihm Disziplin, Ordnung und Höflichkeit beigebracht.

Und es war sein Tor in die Welt. An vielen Orten hat Measara mehrere Monate verbracht, auch in Deutschland, wo er schließlich Anfang der 1980er Jahre seine Frau Heidi kennenlernte. Vor allem zu Beginn hatten die Beiden mit Vorbehalten zu kämpfen, denn eine Mischehe zwischen einer Deutschen und einem Malaysier entsprach in den 1980ern zumindest auf dem Land nicht dem bürgerlichen Klischee.

Aber Measara gab nicht auf, „den Kampfgeist, etwas zu machen, auch geschäftlich, es mit Willenskraft umzusetzen, auch das hat mir Karate gegeben“. Die Budo-Akademie in Kelheim haben er und seine Frau zusammen aufgebaut. Measara gibt Kurse und steht auch heute noch hinter dem Empfangstresen, wenn es sich ergibt. Wenn dann nebenan eine Katze schnurrt, umso besser. Denn Measara liebt Katzen. Während die aber vor sich hindösen, ist für ihn Ausruhen keine Option.

Schüler statt Meister

Und ist er mit dem Titel jetzt am Ziel seines Weges? Im Gegenteil: Measara sieht sich nach wie vor als Schüler. „Von jetzt an fange ich richtig an, Karate zu lernen. Wenn man offen ist, kann man was lernen. Wenn man denkt, man ist Meister, dann kann man nicht mehr lernen“.

Und auch im Deutschen Karate Verband wird ihm die Arbeit nicht ausgehen, wer will sich dort weiter einsetzen, Karate noch mehr in arabischen und afrikanischen Ländern verbreiten. Im Februar/März will Measara nach Gambia reisen.

Besondere Ehre:

Auszeichnung: „Jamal Measara ist der herausragendste Karateka, den es momentan in Deutschland gibt“, sagt Wolfgang Weigert, Präsident des Deutschen Karate Verbands e.V..

Dabei wäre er aber äußerst bescheiden geblieben. Die Versammlung der 16 Landesverbände des Deutschen Karate Verbands hatte einstimmig entschieden. Damit ist Measara jetzt höchstgraduierter Dan-Träger im Deutschen Karate Verband. Der Deutsche Karate Verband ist offizieller Fachverband und Mitglied im Deutschen Olympischen Sportbund e.V..

Einmalige Sache: Es gebe keinen, der Measaras Können, sein Format hätte. In Deutschland ist die Auszeichnung einmalig. Und es werde wohl lange keinen mehr geben, weil das, was Measara geschafft und geschaffen habe, einmalig sei, sagt Weigert. Er war persönlich am Samstag anwesend und hat Measara die Urkunde verliehen.