Windkraft entzweit die Gemüter der Neunburger – Erneute Diskussion um Potenzialflächen

Über das Thema Windkraft wird leidenschaftlich diskutiert – so wie jüngst in Nittenau. Auch in Neunburg treibt das Thema die Bürger um. Drei Windvorranggebiete sind auf Neunburger Gebiet geplant. Um über den aktuellen Stand zu informieren, hatte die Stadt erneut zu einer Versammlung in Kemnath bei Fuhrn eingeladen.
Neunburgs Stadträte hatten sich zuletzt gegen die Ausweisung der Vorrangflächen östlich von Mitterauerbach (SAD 16) und westlich von Pissau (SAD 20) ausgesprochen und dafür unter anderem die weitere Ortsentwicklung von Mitter- und Oberauerbach, touristische Gründe, den Tierschutz und militärische Belange angeführt. Eine Stellungnahme mit den Argumenten wurde an den Regionalen Planungsverband Oberpfalz-Nord übermittelt, der für die Ausweisung der Windvorranggebiete zuständig ist.
Nun sollten die Anwohner und Grundstückseigentümer sagen, ob sie mit dieser Vorgehensweise einverstanden sind. Er wolle es „mit den Leuten machen“ und „nicht am grünen Tisch zustimmen“, meinte Neunburgs Bürgermeister Martin Birner (CSU). Die zusätzlichen Flächen SAD 16 und SAD 20 seien der Stadt „übergestülpt“ worden. Daher könne er sie nicht mittragen und habe bei der Entscheidung über den Entwurf der Windvorranggebiete dagegen gestimmt, erklärte der Rathauschef. Gleichzeitig fragte er aber in die Runde der gut 100 Anwesenden: „Wenn Ihr oben wie auch rechts und links Windräder haben wollt, dann können wir darüber reden.“
Die Meinungen dazu waren gespalten. Es müsse „Maß und Ziel haben“, war immer wieder zu hören. Die aktuellen Pläne für die Fläche am Atlasberg (SAD16) würden genau das Gegenteil bedeuten, so der Tenor einiger Bürger.
Windrad-Pläne sorgen bei Bürgermeister für „leichten Wutzustand“
Die Firma Galileo will auf dieser Windvorrangfläche, die auf dem Gemeindegebiet von Neunburg (99 Hektar) und Schwarzhofen (200 Hektar) liegt, zehn Anlagen errichten, wie sie kürzlich bei einer Eigentümerversammlung informierte. Der Großteil der Windräder soll demnach auf Schwarzhofener Flur, ein Teil auf Neunburger Seite stehen.
Die Pläne sorgen bei Schwarzhofens Bürgermeister Maximilian Beer (CSU), der bei der Infoveranstaltung am Dienstag verhindert war, für einen „leichten Wutzustand“. Wenn er auf seinem Balkon stehe, würde er künftig direkt auf diese zehn Windräder schauen. Auf der Rückseite liege das Vorranggebiet am Haginger Berg, in dem ein potenzieller Investor drei bis vier Anlagen plane. Schaue er nach links, so Beer, dann stehe da das Pentinger Windrad und rechts würde er die vier Anlagen in Pamsendorf (Stadt Pfreimd) sehen. Das sei zu viel.
Vorgeschlagene Flächen wurden deutlich verkleinert
Ähnlich sahen es bei der Infoversammlung einige Gäste: Altendorfs Bürgermeister Markus Schiesl fand, dass „zehn Räder zu viel“ seien. Man „brauche Windräder, aber nicht in der Anzahl“, so sein Resümee. Damit sprach er manch anderem Gast aus dem Herzen.
Es gehe nicht darum, ob die Windkraft komme, sondern wie sie vor Ort umgesetzt werde, betonte Neunburgs Rathauschef. Die Stadt Neunburg habe deshalb auch die Potenzialfläche östlich von Krandorf (SAD 06) dem Planungsverband vorgeschlagen. Diese Fläche wurde im Entwurf deutlich verkleinert. Genauso erging es dem Markt Schwarzhofen, der die Fläche am Haginger Berg vorgeschlagen hatte. Auch die ist in deutlich abgespeckter Größe in den Entwurf aufgenommen worden.
Selbst wenn sich Schwarzhofen und Neunburg gegen das Vorranggebiet SAD 16 ausgesprochen haben, sollte man nicht so blauäugig sein und glauben, dass die komplette Fläche gestrichen werde, mahnt Maximilian Beer. Es werde etwas kommen, vermutet er.
Einigen Gästen bei der Infoveranstaltung wäre dies wohl recht. Zumindest sprachen sie sich für die Windkraft aus. Es werde nur über den Schaden von Windrädern gesprochen, nicht aber über den Nutzen, bemängelte beispielsweise einer der Befürworter. Man solle sich fragen, welchen Beitrag man zur Energiewende leisten könne.
Mit Blick auf den Vorwurf, dass Windkraftanlagen die Landschaft verschandeln würden, meinte er, dass bei Gewerbegebieten auch nicht über deren Verschandelung der Gegend gesprochen werde. Ein anderer meinte, dass Strommasten auch nicht schön aussehen würden, trotzdem brauche man sie.
Nicht alle Grundstückseigentümer werden Nein sagen
Dass künftig Windräder am Atlasberg stehen werden, glaubte auch ein anderer Bürger. Denn nicht alle Grundstückseigentümer würden Nein sagen, wenn es darum gehe, ihr Land zur Verfügung zu stellen.
Auf Nachfrage eines Gastes zu den Beteiligungsmöglichkeiten, wie sie von potenziellen Investoren angeboten werden, versprach Martin Birner eine weitere Versammlung zu organisieren, bei der die Genossenschaftsmodelle vorgestellt werden könnten.