Ausbildung im Landkreis Cham: Ohne weitere Zuwanderung bleiben Plätze leer

Ohne die ausländischen Mitarbeiter bleibt vielerorts die Küche kalt. Und nicht nur das: Die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Cham hängt zu einem großen Teil an der Zuwanderung.
Das wissen die Betriebe – denn auch in aktuellen Zeiten, in denen die Konjunkturflaute die Aufträge schrumpfen und Kurzarbeit ausgerufen wird, bleiben die Ausbildungszahlen hoch. Das war das Fazit der Ausbildungsbilanz, die am Mittwoch im Landratsamt gezogen wurde.
Landrat Franz Löffler hob das noch einmal hervor, was Chams Berufsschuldirektor Siegfried Zistler erwähnt hatte. „Von 744 Berufsschülern mit ausländischem Pass sind 488 in einer Ausbildung.“ Hier zeige sich, wie eine geordnete Zuwanderung funktionieren könne, um demografische Lücken zu schließen, so Löffler.
Die Berufsschule habe alleine 258 junge Flüchtlinge in Berufsintegrationsklassen (BIK), sagte Zistler bei der Veranstaltung, zu der der Aktionskreis Cham alle Vertreter der in die Ausbildung involvierten Institutionen ins Landratsamt geladen hatte.
Ausländische Jugendliche machten heute einen Anteil von 20 Prozent an der Schule aus – „Tendenz steigend!“ Insgesamt sei die Berufsschule heute bunt – 62 Nationalitäten säßen in den Schulbänken. So sei eine ganze Klasse aus Marokkanern gebildet worden, die bei Mühlbauer in Roding ihre Ausbildung machen, erläuterte Zistler.
Ausbildung wird flexibler
Die Nordafrikaner bilden 140 Schülern auch die größte Gruppe an ausländischen Jugendlichen in der Berufsschule. Die Entwicklung sei erst der Anfang, prognostizierte Zistler. Zudem werde Ausbildung flexibler – es gebe keinen Einheitsstarttermin mehr, jede Woche kämen neue Schüler, so dass die Schule am Ende 2600 haben werde.
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Landrat Löffler zählte die präsentierten Statistiken zu den Ausbildungsverträgen 2024 von Industrie und Handel, Handwerk, Gastrogewerbe, der Bau-Innung sowie der Berufsfachschulen für Altenpflege, für Soziales und für Physiotherapie zusammen und kam auf die Zahl von 1110 neuen Ausbildungsverträgen in allen möglichen Berufen.
Bei etwa 900 Geburten jährlich sei klar, dass es zur Akquise im Ausland keine Alternative gebe und eine erfolgreiche Zuwanderung in den Ausbildungsmarkt bereits sichtbar sei. Vor dem Hintergrund, dass gerade manchem Betrieb die Arbeit ausgeht, wirkten die Anwerbeaktionen um Azubis in Marokko, Tunesien oder Kirgistan zwar auf manchen irritierend. Doch Löffler stellte klar, dass aufgrund des demografischen Wandels nur so künftig Lücken beim Fachkräftemangel im Landkreis gefüllt werden könnten.
Lücken durch den demografischen Wandel
Zuvor hatten die Agentur für Arbeit mit Siegfried Bäumler und Bernhard Lang, Richard Brunner für die IHK, Georg Braun wie Rosemarie Tragl-Kraus fürs Handwerk, Andreas Brunner für das Hotel- und Gaststättengewerbe und Franz Wilhelm für die Bau-Innung ihre Ausbildungszahlen präsentiert und mit den Vorjahren verglichen. Alles in allem ist die Lage am Ausbildungsmarkt in allen Branchen stabil. Noch immer gibt es deutlich mehr Stellen als Bewerber – die Schere wird eher größer, wie Bäumler darstellte: 2164 freien Ausbildungsplätzen standen 733 bei der Agentur gemeldete Bewerber gegenüber. Jeder, der wolle, bekomme eine Ausbildung.
Erfreuliches berichtete Winfried Ellwanger für die Fachschulen : Die Pflegeausbildung zeige bei 108 Azubis einen Trend nach oben. Dies könne auch damit zusammenhängen, dass Eltern jetzt sichere Jobs für ihre Kinder suchen würden.
Mehr Azubis nötig
Weniger gute Aussichten präsentierte Franz Wilhelm. Aufgrund der Demografie fehlten bayernweit jedes Jahr etwa 1000 neue Azubis im Baugewerbe. Es müsse massiv gebaut werden, um etwa Wohnungsnot zu bekämpfen, doch könne man aktuelle nur den Stand halten und keine Zusatzaufgaben etwa bei der Infrastruktur leisten, weil Kräfte fehlen würden.
Andreas Brunner machte klar, wo das Gastrogewerbe stehe. 50 Prozent der Chamer Ausbildungsplätze in den sieben Berufen würden von ausländischen Jugendlichen eingenommen, gemäß dem DEHOGA-Motto „Berufe, die die Welt erobern“. Man werbe massiv, habe die Vergütung hochgefahren und die Qualität in den Betrieben verbessert. Leider müsse man oft noch die Eltern überzeugen, so Brunner.
Dennoch: die Ausbildungszahlen würden steigen, bayernweit um zwölf Prozent – die duale Ausbildung etwa als Koch sei gefragt. Im Landkreis seien es nun drei Klassen mit 72 Azubis statt bisher zwei, die Gastro-Berufe erlernen würden – eben auch, damit die Küche künftig nicht kalt bleibt.
