Ausbildung 2023: Die Top 10 der Wunschberufe im Landkreis Cham

Die Chamer Schulabgänger konnten sich in diesem Jahr ihren Wunschberuf aus dem großen Stellenangebot rauspicken. Für sie ist das gut – doch es verdeutlicht die Probleme der Wirtschaft: Es fehlt an Arbeitskräften. Daher gibt es Initiativen, Auszubildende und damit künftige Fachkräfte aus dem Ausland zu holen – die hierher Geflüchteten spielen in den Zukunftsplanungen aktuell eher eine untergeordnete Rolle.
Zwar wurde jetzt beim Ausbildungsgipfel Im Landratsamt noch einmal beschworen, dass keiner auf der Strecke bleiben dürfe und sich um jeden in der Nachwuchsriege gekümmert werden müsse. Doch bezog sich das in erster Linie auf die „normalen“ Schulabgänger. Die bekommen allerlei Hilfen zur Seite gestellt – und das mit Erfolg, wie etwa durch das Kolping-Bildungswerk, wie Thomas Sponfeldner erläuterte. Extrem wichtig sei die Sprachförderung, um junge Migranten in Berufe integrieren zu können.
Firmen bereit für Integration
Die Unternehmen seien heute auch bereit, mehr in den Nachwuchs zu investieren und denen, die sich etwas schwerer tun, zu helfen, beschrieb Siegfried Bäumler die Lage, dessen Agentur für Arbeit ebenfalls solche Berufsnachhilfen wie die Assistierte Ausbildung (ASAflex) anbietet: „Das ist gut angelegtes Geld!“ Dabei sei auch eine sozialpädagogische Begleitung wichtig. Und auch für Jugendliche mit Handicap – „ein wichtiges Potenzial“, so Bäumler – gebe es heute gute Chancen, bei den Firmen unterzukommen.
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Siegfried Bäumler von der Agentur für Arbeit sprach mit Blick in die Zukunft das regionale Projekt Auszubildende aus Kirgistan an, um demografische Lücken bei den Bewerberzahlen zu schließen. Dabei sind in diesem Jahr die ersten 21 Azubis angereist und haben bei verschiedenen Unternehmen in der Pflege, im Bau- und im Metallbereich ihre Ausbildung begonnen.
Bäumler, der Kirgistan selbst aus einem früheren GEZ-Projekt besucht hat, beschrieb die Einwohner als „vernünftige Menschen“, die aufgrund der politischen Lage migrationswillig seien. Nach dem Probelauf 2023 mit ersten positiven Erfahrungen würden die Zahlen verdoppelt oder verdreifacht, kündigte Bäumler an.
Er erinnerte jedoch auch an frühere Erfahrungen, als etwa aus Spanien Auszubildende angeworben wurden – mit eher mäßigem Erfolg. Kaum einer sei am Ende geblieben, um hier zu arbeiten. Mit den Azubis aus Kirgistan haben in diesem Jahr auch Auszubildende aus Tunesien im Landkreis begonnen – die Sana-Kliniken haben hier Auszubildende für die Pflege angeworben. Von guten, aber hart erarbeiteten Erfolgen mit ausländischen Jugendlichen in den Ausbildungsberufen berichtete auch Franz Wilhelm, Innungsobermeister der Bauinnung. Man habe zwar positive Erfahrung bei der Integration gemacht, doch ausländische Azubis im Beruf zu begleiten, sei ein „mühsamer Prozess“. Auch er erinnerte an die Spanien-Erfahrungen: „Die sind alle wieder weg!“
Bei den Gastroberufen schilderte Manuela Heizler für den Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband dagegen, dass hier Azubis aus zwölf Nationen unterwegs seien – der Hotel- und Gaststättenverband sei offen für ausländische Mitarbeiter. Wenn im kommenden Jahr die Hotelfachschule im Landkreis starte, werde man hier Menschen auch für das mittlere Management ausbilden und damit noch bessere Karrierechancen vor Ort anbieten können. Was vom Ausbildungsbesuch her in diesem Jahr gut läuft, sind die Fachschulen im Landkreis. So berichtete Winfried Ellwanger von der Volkshochschule von 75 Auszubildenden an der Physiotherapieschule – 21 seien hier neu gestartet. „30 Prozent sind nicht aus dem Landkreis!“, sagte Ellwanger. Noch besser seien die Zahlen für die Pflegefachschule in Bad Kötzting.
Potenzial Geflüchtete
Vor allem die Ausbildung zum Pflegehelfer oder zur Pflegehelferin, die erstmals 2023 angeboten wird, sei so gut besucht, dass man hier mit 40 Azubis zweizügig arbeite. Insgesamt seien in Bad Kötzting jetzt 99 Nachwuchskräfte in der Pflegeausbildung. Noch besser entwickle sich die Sozialakademie in Furth im Wald, wo insgesamt 191 Nachwuchskräfte in Kinderpflege und Sozialpädagogik unterrichtet würden. „Schon jetzt haben wir für 2024 keine Plätze mehr und überlegen, zweizügig zu werden“, sagte Winfried Ellwanger.
Welches zumindest zahlenmäßige Potenzial für den Arbeitsmarkt in den Flüchtlingen steckt, machte Siegfried Zistler, Chef des Berufsschulzentrums Cham, mit ein paar Zahlen klar. „Wir haben allein 13 Klassen mit 270 Flüchtlingen in Berufsintegrationsklassen“, so Zistler. 25 Prozent der Schüler an der Berufsschule selbst seien nicht deutscher Herkunft, also 612 Schüler. „Und davon sind aktuelle etwa 400 in Ausbildung“, so Zistler, darunter seien 88 Ukrainer, 80 Marrokaner und 72 Syrer. Er berichtete dabei grundsätzlich von guten Erfahrungen.
Die Top 10 der Chamer Wunschberufe
Wunschliste: Die Top 10 der von Schulabgängern gewählten und gewünschten Berufe im Landkreis Cham für das Jahr 2023 ist auch heute noch ein Abbild gewachsener Rollenbilder der Geschlechter, wie die Agentur für Arbeit jetzt beim Ausbildungsgipfel im Landratsamt festgestellt hat. Und die Liste zeigt auch, wo der Landkreis stark ist – wobei 130 Berufe zur Wahl stehen.
Männer: Hier führt der Zerspanungsmechaniker mit 28 Bewerbern die Liste an, vor den Kfz-Mechatronikern (27), den Maurern (15), den Tischlern (13), den Elektronikern für Geräte und Systeme (13), den Land- und Baumaschinenmechanikern (11), den Elektronikern für Energie- und Gebäudetechnik (11), den Bauzeichnern (11), den Zimmerern (11) und den Mechatronikern (10).
Frauen: Bei den Schulabgängerinnen ist der Beruf der Medizinischen Fachangestellten das Maß aller Dinge mit 32 Bewerberinnen vor der Kauffrau Büromanagement (23), der Kauffrau im Einzelhandel (20), der Industriekauffrau (17), der Verkäuferin (13), der Zahnmedizinischen Fachangestellten (10), der Bauzeichnerin (9), der Friseurin (9), der Tischlerin (8) und der Verwaltungsfachangestellten (8).
Schulabschluss: Bei den Schulabschlüssen überwiegt die Mittlere Reife mit fast 55 Prozent, ob von der Mittelschule oder der Realschule kommend, gut 20 Prozent gehen mit Mittelschulabschluss in die Ausbildung, knapp 18 Prozent machen nach dem Abitur eine Ausbildung. Drei Prozent der Schulabgänger – zehn Jugendliche – haben keinen Schulabschluss.