Falsche Angabe zu freien Parkplätzen für den Unteren Wöhrd ärgert Autofahrer in Regensburg

Einmal rechts herum. Die ganze Reihe durch. Einmal links herum. Die ganze Reihe durch. Und dann wieder alles von vorn. Der Fahrer des schwarzen Mercedes mit Chamer Kennzeichen fährt nun schon seit einer Viertelstunde auf dem Parkplatz am Unteren Wöhrd in Regensburg im Kreis. Das Sonderbare: Im Internet sind eigentlich mehr als 130 freie Parkplätze angegeben.
Tausende Besucher strömen am vergangenen Samstag in die Regensburger Altstadt. Auf den Zufahrtsstraßen ist Dauerbetrieb, und Parkplätze in der Nähe des Zentrums sind heiß begehrt. Eigentlich gut, dass es im Internet eine Übersicht über freie Plätze gibt. Das Stadtmarketing Regensburg bietet diese unter der Adresse einkaufen-regensburg.de an. Auch das Stadtwerk, welches einen Großteil der dort angezeigten Parkhäuser und -anlagen betreibt, verweist auf seiner Homepage auf diese Gesamtübersicht.
Parkhäuser sind ausgelastet
Hier ist zu lesen, dass die zentralen Parkhäuser am Dachau- und Bismarckplatz sowie am Petersweg ab dem späten Vormittag nahezu komplett voll waren. Die Stadt wirbt allerdings schon seit Jahren für die Park-and-Ride-Angebote im direkten Umfeld der Altstadt. Auch der Parkplatz am Unteren Wöhrd ist hier ein Knotenpunkt. Mittelfristig soll dieser die Mobilitätsdrehscheibe Regensburgs werden. Und am Samstagnachmittag ist das Areal eigentlich ein heißer Tipp für Autofahrer. Zwischen 130 und 140 freie Parkplätze werden am frühen Nachmittag hier gemeldet.
Tatsächlich gibt es aber nur eine Handvoll freie Plätze. Und von diesen sind die meisten Mini-Lücken, die nur für kleinere Autos benutzbar sind. In eine davon zwängt sich die Familie Prommersberger aus Regenstauf. Diese hat eigentlich fest mit vielen freien Parkplätzen gerechnet, erzählen sie, weil sie sich vorher im Netz informiert hatten. „Da hatten wir jetzt großes Glück, dass wir mit unserem Auto reinkommen, weil sonst ist praktisch nichts frei“, sagen sie – und hasten umgehend weiter. Sie haben einen Termin. Wegen des vermeintlich sicheren Parkplatzangebots scheinen sie aber keinen großen zeitlichen Puffer eingeplant zu haben.
Verwunderung über Zahlen im Netz
Ein paar Meter daneben steht ein Passant, schaut in sein Handy und wundert sich ebenfalls über die offenbar fehlerhafte Angabe, die er auf dem Bildschirm sieht. Ein Autofahrer aus Pfaffenhofen erzählt derweil, dass er diesen Parkplatz angesteuert habe, weil das Parkleitsystem auf den Straßen „Frei“ angezeigt habe. Dies sei natürlich keine absolute Garantie, sagte er, das wisse er, aber dass dann praktisch nichts mehr frei ist, habe er dennoch nicht erwartet.
Michael Quast, Geschäftsführer des Vereins Stadtmarketing Regensburg, welcher die Homepage betreibt, ist am Montag über die Nachricht von den falschen Parkplatz-Angaben völlig überrascht. „Wir bekommen die Daten zugeliefert“, sagt er. Dies laufe alles automatisch über eine Schnittstelle, die bei der Stadt Regensburg angesiedelt sei, ab. „Wir vertrauen darauf und hatten bisher auch noch keine Fehlermeldungen oder Beschwerden“ , sagt er.
Betrieben wird der Parkplatz Unterer Wöhrd vom Stadtwerk. Sprecher Martin Gottschalk sagt, dass hier aber keine Daten bezüglich freier Parkplätze an die Schnittstelle bei der Stadt, auf die das Stadtmarketing zugreifen kann, übermittelt werden: „Dazu fehlen im Moment noch die technischen Voraussetzungen.“ Das Stadtwerk habe auch keine Kritik dazu erreicht. Übermittelt werden vom Stadtwerk die Daten für drei Parkhäuser im Zentrum. Das System arbeite hier „störungsfrei und die Zahlen sind korrekt“, sagt Gottschalk. Woher die Zahlen für den Unteren Wöhrd auf der Seite des Stadtmarketings stammen, sei dem Stadtwerk nicht bekannt.
Woher stammen die Daten?
Die Mittelbayerische fragte am Montagabend nach den Antworten des Stadtmarketingsvereins und dem Stadtwerk auch noch bei der Regensburger Stadtverwaltung an. In der Kürze der Zeit ließ sich aber nicht mehr aufklären, woher die Daten kommen. Am Wochenende hatte es allgemein Kritik an den Park-and-Ride-Angeboten rund um das Zentrum gegeben. Maximilian Schreiner vom Verein Regensburger Kaufleute bezeichnete diese als „gut gemeinte Alternative, die in der Realität jedoch wenig praktikabel ist“. Das Areal am Unteren Wöhrd war am Samstag nun dennoch nahezu komplett ausgelastet. Andere Angebote, wie die Flächen am Jahnstadion oder an der Prüfeninger Straße wurden dagegen weit weniger genutzt. Hier gab es nahezu den gesamten Tag viele freie Parkplätze.
