Umkämpfte Altstadt-Parkplätze im Advent: Ziehen Alternativen zu wenig?

Von Jürgen Scharf · 1. Dezember 2024 um 19:00

Adventssamstage in Regensburg sind für ihren Mega-Verkehr berüchtigt. Auch an diesem Wochenende waren die Parkhäuser wieder voll ausgelastet. Ziehen die Alternativen zu wenig?

Ein wenig erinnern die Menschen, die mit ihren Autos im Schritttempo am Parkhaus am Bismarckplatz vorbeischleichen an Geheimagenten. Sie versuchen, möglichst unauffällig zu bleiben, und dennoch ihr Zielobjekt genau im Blick zu behalten: die Anzeige vor der Einfahrt. Noch steht hier „Besetzt“. Doch jeden Moment könnte sie umschalten. Auf „Frei“.

In den sozialen Medien wurde in den vergangenen Tagen wieder eindringlich davor gewarnt, mit dem Auto in die Altstadt zu fahren. Und immer wieder wird darauf verwiesen, dass es Alternativen gebe. „Da fährt man mit dem Auto zum Stadion und mit dem Bus in die Stadt. Wo ist das Problem?“, schreibt eine Frau auf Facebook.

„Das Beste und Schnellste“

Die unzähligen Autfahrer, die an diesem Samstag dennoch in die Stadt drängen, sehen das offensichtlich anders. Etwa Michael Heumann aus Schwandorf. Er kommt gerade aus der Tiefgarage am Bismarckplatz herausspaziert. „Ich fahr immer mit dem Auto direkt nach Regensburg rein“, erzählt er. Das sei für ihn im Vergleich zu Alternativen wie Bahn oder Park-and-Ride „immer noch ganz klar das Beste und Schnellste“. Er lässt sich auch nicht von einem „Besetzt“-Zeichen aus der Ruhe bringen, wie er erzählt. Er fahre dann dennoch in die Tiefgarage hinein und warte dort dann eben, bis jemand einen Parkplatz freimacht: „Wenn du ein paar Minuten Zeit mitnimmst, kriegst du auch immer einen.“

Wer dagegen sicher und sofort einen Parkplatz kriegen will, der ist bei den Parkhäusern in der Altstadt am Samstag eigentlich komplett an der falschen Adresse. Ab dem späten Vormittag sind diese nahezu vollständig ausgelastet. Freie Parkplätze gibt es nur noch, wenn andere wieder rausfahren. Dennoch wirken die Parkgaragen offenbar wie ein Magnet auf viele Autofahrer. Vor der Einfahrt des Parkhauses am Petersweg stehen kurz nach 15 Uhr in zwei Reihen jeweils drei wartende Fahrzeuge. Nürnberg, Amberg-Sulzbach, München, Schwandorf, Regensburg – die Kennzeichen zeigen, dass sich das Einzugsgebiet auf ganz Bayern erstreckt. Die Regensburger Altstadt mit ihren Weihnachtsmärkten und Einkaufsmöglichkeiten zieht offenbar mächtig. Maximilian Schreiner vom Verein der Regensburger Kaufleute plädiert deswegen dafür, dass es keinesfalls einen immer wieder diskutierten Abbau von Parkmöglichkeiten in der Innenstadt geben darf. „Der Wirtschaftsstandort Altstadt kann nur wettbewerbsfähig bleiben, wenn er für alle Verkehrsteilnehmer, selbstverständlich auch mit dem Auto, erreichbar bleibt“, sagt er. Dies erfahre er immer wieder in Gesprächen mit Kunden und Kollegen.

58 Prozent mit dem Auto

Schreiner sagt, dass es eine Studie gibt, die besagt, dass 58 Prozent aller Einzelhandelskunden mit dem Auto in die Stadt kommen: „Auf diese Kundengruppe kann kein Akteur der Altstadt verzichten.“ Die Park-and-Ride-Angebote im Umgriff der Altstadt bezeichnet er als „gut gemeinte Alternative, die in der Realität jedoch wenig praktikabel ist“.

Die Familie Hönle aus Hemau sieht das in etwa genauso. Sie geht gerade in die Altstadt, geparkt haben sie in der Tiefgarage am Bismarckplatz. Die Park-and-Ride-Angebote würden sie nicht anlocken, erzählen sie: „Weil die so liegen, dass man schon sehr lange braucht, bis man da dort ist. Und dann kann man gleich ganz in die Altstadt reinfahren.“

„Besetzt“: Die Autos drängen am Samstagnachmittag aber immer noch in das Petersweg-Parkhaus.
In der Obermünsterstraße geht zeitweise nichts mehr.