Mit einer Seilrutsche über der Flachsröste: So wünschen sich Jugendliche Berching im Jahr 2050

Eine Seilrutsche (Zipline) über dem Firmengebäude der alten Flachsröste, begrünte Gebäude, die Fußball, Basketball und Disco vereinen und eine U-Bahn-Station: So stellen sich Jugendliche Berching im Jahr 2050 vor. Dass viele Wünsche utopisch sind, wissen auch die Realschüler der Klasse 10b. Dennoch hoffen sie, dass ein Teil der Ideen umgesetzt wird.
Zehntklässler der Realschule Berching haben die Stadt nach ihren Wünschen in nur einer Nacht erbaut – und zwar in der virtuellen Welt von Minetest, der Open-Source-Variante des Computerspiels Minecraft. „Dort sollten die Schüler bewusst utopisch denken und auch Unvorstellbares planen“, erklärt Mirjam Schneider von KidsLab.
Digitale Zukunftsnacht in der Realschule Berching
Das Ausbildungszentrum für Programmieren und digitale Bildung in Augsburg hat mit dem Q3 Medienquartier in Traunstein und der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit die digitalen Zukunftsnächte 2022 ins Leben gerufen. Der Fokus liegt dabei auf der Kommunalpolitik. „Wir wollen zeigen, dass Jugendliche gerade vor Ort viel bewirken können“, sagt Schneider.
Unter dem Motto „The Future is Yours!“ entwickeln Jugendliche Ideen, wie sie ihre Gemeinde weiterentwickeln können. „Des Besondere ist dabei die digitale Komponente“, sagt Konrektorin Daniela Haas, die ihre Klasse 10b für das Projekt beworben hatte. Als eine von 18 weiterführenden Schulen bayernweit wurde die Realschule Berching ausgewählt. Den Landkreis vertritt mit der Knabenrealschule Neumarkt noch eine weitere Einrichtung.
Minetest statt Minecraft: Schüler zocken bis 1 Uhr nachts
In Berching zockten Schülerinnen und Schüler in der Nacht von Donnerstag auf Freitag. Ab 16 Uhr trafen sich die Realschüler, um nach einer Einleitung in vier Gruppen an Laptops zu arbeiten. Bis 1 Uhr erbauten sich die 15- und 16-Jährigen virtuell Gebäude nach ihren Wünschen. Nach einem gemeinsamen Pizza-Essen und einer kurzen Nacht in der Schule präsentierten die Jugendlichen ihren Lehrern Daniela Haas und Ralf Weigelt sowie Jugendpflegerin Julia Ehrensberger und Jugendbeauftragten Lothar Bierschneider ihre zum Teil utopischen Vorstellungen.
Die Gruppe „Central Future“, bestehend aus den Schülern Maximilian, Luca, Benedikt, Bastian und Philipp, legte dabei viel Wert auf Pflanzen und auf sportliche Aktivitäten. „Wir haben leider relativ wenig Freizeitmöglichkeiten in Berching – und auch keinen Bahnhof“, sagten die Jugendlichen.
Deshalb haben sie virtuell eine U-Bahn-Station für Berching errichtet. Steigen Fahrgäste dort aus, können sie mit dem Aufzug direkt in einen Gebäudekomplex gelangen, der den Wünschen der Jugendlichen entspricht. Dort gibt es eine Bar. Ein Stockwerk darüber haben die Jugendlichen ein überdachtes Fußballfeld mit Tribünen gebaut. Darüber befinden sich ein Basketballplatz und eine Lounge zum Chillen. Auf dem begrünten Dach findet sich zudem ein Teich. „Viel Grün war uns sehr wichtig,“
Wunsch nach einem Soccer-Platz in Berching
Über eine Brücke gelangt man in das zweite Gebäude. Dort befindet sich eine Unterkunft. In den weiteren Räumen haben die Jugendlichen Spiel- und Sportmöglichkeiten geschaffen: Darts, Billard, Fitnessgeräte. Auch einen Kleinfeld-Soccer-Platz mit Bande und Kunstrasen könnten sich Jugendliche vorstellen.
Eine andere Gruppe errichtete digital ein Erlebniszentrum mit Disco, Bowling-Bahn, Erlebnisbad, Bar und Wirtshaus. Weitere Jugendliche spannten eine Zipline über der Flachsröste in Berching, um über das Areal wie in einem Freizeitpark zu gleiten.
Alle vier Gruppen legten Wert auf Treffpunkte für Jugendliche, sportliche Freizeitaktivitäten und auf Nachhaltigkeit. „Uns ist schon klar, dass es unwahrscheinlich ist, alles umzusetzen“, sagte die Gruppe „Central Future“. „Aber etwas mehr Grün und Solaranlagen wären schön.“
Bowling im Ferienprogramm Berching vorstellbar
Dass nicht alle Vorstellungen umgesetzt werden können, verheimlichten Ehrensberger und Bierschneider nicht. „Aber es ist wichtig, dass wir sehen, welche Bedürfnisse Jugendliche haben“, sagte Ehrensberger. „Und kleinere Wünsche könnte man auch in kurzer Zeit umsetzen“, ergänzte Bierschneider und brachte ins Spiel, dass man etwa in das Ferienprogramm aufnehmen könnte, bowlen zu gehen.
Bierschneider forderte die Jugendlichen zudem auf, ihn bei Wünschen und Problemen anzusprechen. Nur so könne man etwas verändern. Eine Gelegenheit, sich auszutauschen, bietet sich Jugendlichen bei der nächsten Sitzung des Jugendfachbeirats am 23. Januar um 17.30 Uhr beim SC Pollanten.
Und für die Zehntklässler geht es am 26. März weiter. Dann messen sich die besten Gruppen der Zukunftsnächte bei einem regionalen Vergleich in Neumarkt.