Jahresempfang des Landkreises Cham: Landrat und Sparkassen-Vorstand blickten in die Zukunft

Von Stefan Weber · 30. November 2024 um 05:00

Landkreis und Sparkasse hatten am Freitag zum traditionellen gemeinsamen Jahresempfang geladen. Nach mehreren Jahren Pause fand dieser wieder einmal in Bad Kötzting in die Dreifachturnhalle am Schulberg statt.

Es seien bewegende Zeiten, in denen nicht nur der Landkreis Cham lebe, sagte Landrat Franz Löffler zur Eröffnung. Familie, Gesellschaft, Unternehmer, Ehrenamtliche – alle seien es, die den Landkreis Cham ausmachten, und zwar zu allen Zeiten. Gleich zu Beginn entschuldigte er Paul Ronzheimer, den stellvertretenden Chefredakteur der Bild, der eigentlich zu einem Impulsgespräch bereitgestanden hätte. Doch er befinde sich im Moment in der Ukraine. Stattdessen sei Prof. Dr. Gerlinde Groitl, die in Waffenbrunn wohne, gefunden worden. Sie sei eine echte Experten für Sicherheitspolitik und Wirtschaftsfragen. „Themen, die uns sicher alle interessieren werden.“

Im vergangenen Jahr habe er ein „Zielfoto“ entworfen vom Landkreis. „Wie schaut das nun aus? Wie soll sich die Region in zehn oder 20 Jahren entwickeln?“, fragte der Landrat. Sollten sich die Bürger mit Strom selbst versorgen können? Durch akademische Lehre im Landkreis Produkte entwickeln, die ihren Platz auch auf dem Weltmarkt finden? Wird auch die medizinische Landschaft mit der Entwicklung mithalten können? Und wird ehrenamtliches Engagement Grundlage der Gesellschaft bleiben?

Weiter arbeiten am „Ziel“

Viele dieser Fragen würden die meisten Bürger sicher mit Ja beantworten, doch wie könne dieses „Zielbild“ hergestellt werden? Dafür müssten sich auch die Menschen der Region den Herausforderungen auf der ganzen Welt und den daraus resultierenden Aufgaben stellen, sagte er.

Seit Jahren werde ein Bild gezeichnet, das einen großen Berg von Aufgaben und Problemen zeige, ansonsten drohten „Untergangs-Szenarien“. Entscheidend sei aber: „Wo Vertrauen fehlt, fehlt der Blick dafür, was tatsächlich in der Gesellschaft verändert werden muss.“ Die Entwicklungen sollten nicht bedauert, sondern angegangen werden. Woher er selbst sein Zutrauen nehme? „Wir können unserem Staat etwas zutrauen, den Bürgern und Unternehmen und dem Landkreis ebenso“. Der Staat sei im Grunde robuster als viele glaubten.

Wiedervereinigung, Finanzkrise, Corona-Pandemie – „Ein Grund, warum wir diese Einschnitte bewältigen konnten, ist unser freiheitlich demokratischer Rechtsstaat und die soziale Marktwirtschaft“, so Löffler. Nicht Modelle wie Russland oder China, nicht die USA seien die Vorbilder, die es in diesen Tagen brauche. „Wir müssen wieder ehrliche und offene Debatten führen, vor allem, wenn es um mehr Eigenverantwortung und Demokratie geht“, zeigte sich der Landrat überzeugt. „Wir müssen den Menschen wieder mehr zutrauen.“ Die Frage, die sich stelle sei, wie stark der Staat wirklich in das Leben der Menschen eingreifen solle – auch Leistungen, selbst im sozialen Bereich – wollten erst einmal erwirtschaftet sein. „Vollversorger-Mentalität“ mache im schlimmsten Fall nur abhängig und unselbstständig.

Viele Herausforderungen bewältigt

Der Landkreis leiste seinen Beitrag zum Wohl der Bürger in diesem Sinne in vielerlei Hinsicht. Die Chancen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit würden genutzt, die Regionalwerke zur Energieversorgung hätten ihre Arbeit aufgenommen. Rund 72 Prozent der Energie werde bereit regenerativ erzeugt. Künftig wolle der Landkreis diesen Wert noch steigern und die Bürger daran beteiligen. Darüber hinaus investiere der Landkreis massiv in den Ausbau der digitalen Infrastruktur, in Bildung und die Gesundheitsversorgung.

Doch der Landkreis habe viele Herausforderungen bewältigt in den vergangenen Jahrzehnten, „warum sollten wir das jetzt nicht mehr schaffen?“, fragte der Landrat.

Auch Sparkassen Vorstands-Vorsitzender Franz Wittmann sagte: „Ich denke, wir leben in unruhigen Zeiten.“ Welche Rohstoffe habe der Landkreis? „Alle sagen, wir sind ein Volk der Dichter und Denker – und dazu gehört auch die künstliche Intelligenz.“ Darum müsse sich jeder privat und beruflich mit diesem Thema beschäftigen.

Was KI „anstellen“ kann

Wer sich damit beschäftige, müsse auch aufpassen, „was damit angestellt werden kann“. Was ist echt, was nicht? Eine Frage, die nicht mehr so einfach wie bisher zu beantworten sein werde. „Besinnen wir uns auf unsere Stärken“, riet er auch mit Blick auf all die Möglichkeiten, die die modernen Zeiten brächten. „Unsere Botschaft als Sparkasse bleibt: Bleiben Sie gesund und viel Energie für das kommende Jahr“, so der Vorstands-Vorsitzende zum Ende seiner Begrüßung.

Danach ging das Programm noch weiter mit dem Vortrag von Prof. Dr. Gerlinde Groitl zum Thema „Ära der Disruption: Globale Herausforderungen und Handlungsoptionen für Deutschland“, der Verleihung der Kreisehrenzeichen an verdiente Bürger und natürlich dem abschließenden Stehempfang, bei dem sich die über 500 Gäste bei Speis und Trank noch lange austauschen konnten.

Landrat Franz Löffler
Sparkassen-Vorstand Franz Wittmann