Gemeindeschwester für Waldmünchen ist ein Pilotprojekt für ganz Bayern

Von Martin Hladik · 29. November 2024 um 15:00

Ein für ganz Bayern beispielgebendes Pilotprojekt läuft in diesen Tagen in Waldmünchen, Treffelstein und Tiefenbach an. Für diese drei Kommunen wird Sabine Malterer die „Gemeindeschwester“.

Dabei handelt es sich nicht um eine Art Pflegedienst, wie man anhand der Bezeichnung meinen könnte. Sondern um jemand, der bedürftigen, älteren Menschen hilft, die richtige Pflege oder ehrenamtliche Unterstützung zu erhalten.

Vorstellung im Rathaus

Zur Vorstellung des Pilotprojektes im Rathaus Waldmünchen waren Landrat Franz Löffler zusammen mit den drei Bürgermeistern und der Sachgebietsleiterin im Landratsamt Anja Fischer und Eva Liedtke von der Gesundheitsregion plus zu dem Vorstellungstermin der Gemeindeschwester gekommen.

Landrat Löffler machte deutlich, dass die Idee für eine Gemeindeschwester eine Reaktion auf die älter werdende Gesellschaft sei und auf die Überforderung der stationäre Pflege. Ziel des Pilotversuches sei es, „Menschen länger ein lebenswertes Leben zuhause zu ermöglichen“. Im Projekt sollen Erfahrungen gesammelt werden, die den Einsatz von Gemeindeschwestern bayernweit möglich machen.

Das Projekt wird vom Landkreis Cham und der Gesundheitsregion plus getragen und zu 80 Prozent vom Freistaat gefördert. Die Kosten liegen bei rund 200 000 Euro. Die Finanzierung dieser Unterstützung hänge auch mit den Veränderungen beim Landespflegegeld zusammen, sagte Löffler.

Dabei ist die Gemeindeschwester nicht als Pflegedienst tätig, sondern sie sorgt dafür, dass Menschen und Pflegedienste miteinander in Kontakt kommen, dass die richtigen Anträge gestellt werden oder dass jemand für Einkauf- oder Arztfahrten organisiert wird, wo das nötig ist. Selber soll die Gemeindeschwester das möglichst nicht machen, betonte Landrat Löffler mehrfach. Man werde auch nicht in Konkurrenz zu bereits bestehenden Möglichkeiten treten. Um die Kontakte zwischen Hilfebedürtigen und ehrenamtlichen und hauptamtlichen Helfern herstellen zu können, müsse eine Gemeindeschwester auch gute lokale Kenntnisse haben. Diese Kenntnis der örtlichen Verhältnisse sei der entscheidende Unterschied zu den Versorgungszentren, sagte Landrat Löffler.

Die Gemeindeschwester sei so etwas wie eine Ansprechpartnerin und eine Kummerkastentante, die auch die Menschen zuhause besuche und sehe, wo es Probleme gebe, sagte Liedtke. Oft hätten die betroffenen Menschen wenig soziale Kontakte oder wären nicht mehr selbst fähig, sich Hilfen zu organisieren, sagte die Sachgebietsleiterin Fischer. Genau in diesen Fällen käme die Gemeindeschwester zum Einsatz.

Gleichzeitig machte Fischer aber auch auf ein Spannungsfeld aufmerksam. Es gebe Menschen, die man erst dazu überreden müsse, Hilfe anzunehmen, aber auch solche die eine starke Anspruchshaltung an den Tag legten. Hier sagte Landrat Löffler, dass man genau darauf achten müsse, die angebotene neue Funktion der Gemeindeschwester nicht zu überfordern, „sonst schaffen wir das nie!“

Bessere Lebensqualität

Der Waldmünchner Bürgermeister Markus Ackermann sagte, dass er das Projekt für passgenau für Gemeinden halte. Es sei eine „konkrete Lebenshilfe“ die älteren Menschen eine höhere Lebensqualität verschaffe. Der Tiefenbacher Bürgermeister Ludwig Prögler hob die Netzwerkereigenschaft zwischen Bedürftigen und Hilfsangeboten hervor. Das sei ein „Mehrwert für ältere Bürger“. Zusammen mit seinen beiden Bürgermeisterkollegen bedankte sich auch der Treffelsteiner Bürgermeister Helmut Heumann beim Landkreis, dass ihre Gemeinden Teil des Projektgebietes seien.