Umstrittene Entscheidung: Der Schwandorfer Winterzauber mietet sich ein Christkind

Von Martin Kellermeier · 28. November 2024 um 19:00

Die Organisatoren des Winterzaubers in Schwandorf, der am 29. November eröffnet wird, gehen neue Wege. Nicht nur die Eislaufbahn ist heuer aus Kunststoff, auch das Christkind verkörpert eine professionelle Darstellerin. Dieser Schritt sorgt aber nicht nur für Begeisterung.

Die Verantwortlichen haben sich dazu entschieden, eine Agentur aus dem Stadtgebiet mit Vertrag und Gage auszustatten. Bislang hatte dieses Amt immer eine junge Schwandorferin bekleidet. Interessierte konnten sich dazu bei der Stadt bewerben. Die Kür des Christkindes hatte feste Tradition. Noch vor dem Auftakt des Adventsmarktes wurde es im Büro des Oberbürgermeisters der Presse vorgestellt. Doch bereits im vergangenen Jahr war das anders. Schon damals kam das Christkind von einer Agentur. Die hatte sich zuvor an die Macher des Winterzaubers gewandt und laut Stadt „mit ihrem Angebot überzeugt“.

Schwandorfer Agentur-Christkind sorgte für lange Schlangen

Das neue Christkind kam im Vorjahr offenbar bei den kleinen Besuchern bestens an. „Die Kinder waren stocknarrisch. Unser Christkind war bildschön“, berichtet Gerhard Engel von der Arbeitsgemeinschaft (Arge) Schwandorfer Weihnachtsmarkt. Teilweise sei das Agentur-Christkind stundenlang von den Kindern förmlich belagert worden. „Warum sollten wir etwas ändern, was gut ankommt?“, fragt sich Engel.

Also machten die Organisatoren auch dieses Jahr Nägel mit Köpfen. Wie der städtische Pressesprecher Andreas Hofmeister auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt, habe man sich dazu entschieden, „die erfolgreiche Zusammenarbeit“ auch in diesem Jahr fortzusetzen.

Lesen Sie zu diesem Thema auch einen Kommentar von MZ-Redaktionsleiter Martin Kellermeier. Er kritisiert die Entscheidung der Winterzauber-Macher, beim Christkind auf eine professionelle Darstellerin zu setzen: Mit Weihnachten habe das immer weniger zu tun.

Das Christkind hat beim diesjährigen Winterzauber laut Programm insgesamt sechs Auftritte, die meisten davon an den Adventssonntagen. Für die Durchführung bekommt die Agentur freilich Geld. „Die Höhe der Gage ist Teil des Vertragsinhaltes. Aus diesem Grund können wir hierzu keine detaillierten Angaben machen“, so Hofmeister. Die Gage orientiert sich laut dem Pressesprecher jedoch an der Summe, die die Christkinder in den Jahren zuvor erhalten haben. Die Kosten für das Christkind übernehme die Arge Weihnachtsmarkt Schwandorf.

So gut die Darstellerin im vergangenen Jahr auch bei den Kindern angekommen ist, die Entscheidung der Organisatoren stößt auch auf Kritik. Unter Schwandorfs früheren Christkindern hat sich der Vertragsabschluss bereits herumgesprochen. „Ich finde das absolut schade“, sagt eine der früheren Darstellerinnen. Sie habe dieses Amt sehr gerne ehrenamtlich übernommen. „Ich war stolz, dass ich meine Heimatstadt repräsentieren konnte“, so eines der Ex-Christkinder.

Christkindlesmarkt in Nürnberg als Vorbild?

Auch Schwandorfs Stadtpfarrer Christian Kalis hat sich seine Gedanken zur Entscheidung der Organisatoren gemacht. Er vermutet, dass das Nürnberger Christkind das historische Vorbild für das in Schwandorf sein dürfte. Seit 1933 werde in der Frankenmetropole der Christkindlesmarkt „von einer engelsgleichen Gestalt mit ihrem Prolog eröffnet“, weiß Kalis. „Mit dem weihnachtlichen Knaben in der Krippe, auf Heu und Stroh gebettet, umgeben von Ochs und Esel in einer ärmlichen Behausung bei den Hirten auf dem Feld, hat dieses blondgelockte Kind mit Flügeln freilich ebenso wenig zu tun wie die stehende Jesuskindfigur mit segnender Hand und Reichsapfel, die wir seit dem vergangenen Jahr wieder in der Stadtpfarrkirche St. Jakob aufstellen“, erklärt der Seelsorger.

Tatsächlich habe man auch in Nürnberg bei der Besetzung der Christkind-Rolle bis 1969 auf Profis gesetzt. Dann sei man in Franken auf die Idee gekommen, „die himmlische Botin“ alle zwei Jahre aus den Töchtern der Stadt auszuwählen. „Warum man nun in Schwandorf genau den umgekehrten Weg einschlägt und auf das Ehrenamt verzichtet, erschließt sich mir nicht“, sagt Pfarrer Kalis. Denn in Schwandorf würde es genügend Mädchen und junge Frauen geben, „die sich bestimmt gerne in den Dienst der guten Sache stellen würden“.

Pfarrer Kalis macht den Winterzauber-Organisatoren einen Vorschlag

Der Stadtpfarrer schlägt vor, dass das Christkind „nicht nur den Kommerz im Stadtpark“ antreiben sollte. Es könnte auch bei den Advents- und Weihnachtsveranstaltungen der Senioren, in Kindergärten oder bei sozialen und caritativen Einrichtungen vorbeischauen. „Ein kleines Geschenk für die braven Kinder und ebensolchen Erwachsenen, gesponsert aus den Einsparungen für die Gage einer professionellen Darstellerin, würde sicher auch dort die Augen zum Funkeln bringen“, findet Kalis. Damit würde sich das Christkind wieder seinem eigentlichen Auftrag als Geschenkebringer annähern.

Der Aufbau des Winterzaubers im Stadtpark ist unterdessen erfolgreich über die Bühne gegangen. Der Markt wird am Freitag, 29. November, um 17 Uhr von Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) und der Blaskapelle Dachelhofen eröffnet. Anschließend wird auch die Eislaufbahn freigegeben. Ab 19 Uhr spielt die Formation „SaitenSprung“. Sie ist für Akustik-Rock bekannt.

Eislaufbahn, Buden und Bühne stehen bereit: Für die heutige Eröffnung wurde viel aufgebaut.. Foto: Daniel Seger, Moods Photography