„Zofichtige Stauern“ oder Natur pur? Schwandorfer Christbaum sorgt für Debatte

Der Schwandorfer Christbaum sorgt heuer für Gesprächsstoff. Kaum hatte am Dienstag der städtische Bauhof die zwölf Meter hohe Fichte am Marktplatz aufgestellt, da kursierten schon die ersten Bilder im Netz. Darunter wurde fleißig kommentiert. Zu löchrig monieren die einen, die anderen können die Aufregung gar nicht verstehen. Oberbürgermeister Andreas Feller sieht es gelassen.
„Da kann man ja durchschauen!“, „Rechts ist er ganz schön nackig“ oder „Geht gar nicht! Es sei denn, die andere Hälfte wird morgen geliefert“ – Einige Nutzer machten auf Facebook keinen Hehl daraus, dass sie mit dem Schwandorfer Christbaum heuer so gar nicht zufrieden sind. Manch einer vermutete sogar eine gewisse Absicht: „Der Tannenbaum spiegelt das Haushaltsbuch 2024 der Stadt Schwandorf wieder“, frotzelte ein Nutzer. Ein anderer bezeichnete derweil die Fichte in bayerischer Mundart gar als „zofichtige Stauern“, was so viel wie mickriger Strauch bedeutet.
Natur ist eben nicht perfekt
Wobei so mickrig kommt der Baum mit seinen zwölf Metern gar nicht daher. Viel mehr stören sich die Kritiker an fehlenden Ästen, die vor allem ins Auge stechen, wenn man vor dem Schmidtbräu-Wirtshaus steht und die Fichte betrachtet.
Es gibt in den Kommentarspalten aber auch durchaus Fürsprecher, die unisono argumentieren, dass die Natur eben nicht nur perfekte Bäume hervorbringe und Schönheit ohnehin immer im Auge des Betrachters liege. „Es gab schon schlechtere Bäume in Schwandorf. Sind wir doch einfach dankbar, dass wir einen Weihnachtsbaum haben“, schrieb eine Nutzerin. „Warum muss man immer die schönsten und besten Bäume nehmen? Auch ein nicht schöner Baum hat seine Daseinsberechtigung, oder etwa nicht?“, kommentierte ein anderer User. Und eine weitere Frau meinte: „Ich finde den Baum schön.“
Rathauschef Feller ist zufrieden
Schwandorfs Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) kann die Diskussion durchaus verstehen. „Der Christbaum ist immer ein emotionsgeladenes Thema. Das kennt jeder aus seiner Familie“, erklärte er. Feller freut sich nach eigener Aussage, dass auf dem Marktplatz wieder ein so großer Baum steht. „Der heurige ist so gewachsen, ich finde ihn würdig, die Weihnachtszeit auf unserem Marktplatz zu repräsentieren“, kommentierte Feller und dankte zugleich dem Spender.
Denn die Fichte hat die Stadt nicht gekauft. Der Baum stammt nach Angaben der Verwaltung aus den Wäldern von Hans Hottner aus Niederhof. „Alle Bäume sind gespendet, weswegen die Stadt nicht Unsummen für Vielleicht-Bilderbuchbäume ausgeben muss“, fügte der Rathauschef hinzu.
Schönheit liege aber auch immer im Auge des Betrachters, so der OB. „Ja, ich finde ihn schön, Natur ist Natur“, sagte Feller abschließend.
Auch andere Gemeinden haben schon Kritik für ihren Christbaum geerntet
Auch andere Gemeinden mussten in der Vergangenheit schon Kritik für ihren Weihnachtsbaum einstecken. Das weiß beispielsweise auch Wackersdorfs Bürgermeister Thomas Falter (CSU). Er könne sich noch gut an den Baum erinnern, der in seinem ersten Jahr als Bürgermeister im Winter 2011 aufgestellt wurde. „Da haben sich damals viele beschwert, dass er viel zu klein ist. Wir haben den Baum dann am Ortseingang aufgestellt und am nächsten Tag für den Marktplatz vor dem Rathaus einen neuen geholt“, erinnerte sich Falter mit einem Schmunzeln.
Seitdem sei der Christbaum Chefsache, wie der Bürgermeister betonte. Bevor der Bauhof zur Weihnachtszeit im Wald die Säge anwirft, sehe er ihn sich nochmals selbst an. Heuer prangt eine 13 Meter hohe Tanne vor dem Wackersdorfer Rathaus. „Ich finde den Baum sehr schön, aber er ist natürlich auch nicht makellos“, sagte Falter mit Blick auf die etwas schief geratene Spitze. Doch so sei nun mal die Natur „und die Leute müssen anerkennen, dass es immer schwieriger wird einen Christbaum zu finden“.