„Umrandet von Monstern“: Viele Nittenauer wollen keinen Windpark im Regental

Die Wogen kochten hoch bei der Informationsveranstaltung im voll besetzten Saal des Gasthofs Schmidbauer zu einem geplanten kommunenübergreifenden Windpark. Im Wald auf den Höhenzügen entlang des Regentals sollen bei einem Projekt der Neumarkter Firmengruppe Max Bögl Wind AG mehrere große Windkraftanlagen gebaut werden: im Gemeindegebiet Nittenau zwei, in Regenstauf vier und in Maxhütte-Haidhof drei.
Im Jahr 2027 sei die Inbetriebnahme geplant. Die Bürger zeigten sich überwiegend skeptisch und ablehnend. Diese Anlagen, so die Bedenken, stellten einen nicht unerheblichen Eingriff in die Natur- und Kulturlandschaft dar.
Windkraftanlagen sind in Waldgebieten überhaupt erst seit 2023 unter bestimmten Voraussetzungen baurechtlich zulässig: Weil für die Energiewende auch Windenergie dringend benötigt werde, habe der Gesetzgeber einige Änderungen veranlasst.
Jede Kommune, so informierte Bürgermeister Benjamin Boml zu Beginn, müsse geeignete Gemeindeflächen, sogenannte Windvorrangflächen, melden. Insgesamt sollen bis 2030 rund zwei Prozent des Bundesgebiets für Windkraft nutzbar gemacht werden. „Es ist sinnvoll, proaktiv Flächen zu melden“, erklärte Boml. „Andernfalls würde der Planungsverband uns etwas überstülpen.“ Die Zeiten seien vorbei, als billiger Strom einfach aus der Steckdose kam, gab Boml zu bedenken.
Aber ausgerechnet im Regental? Inklusive Rotorblatt würde jede Anlage bis zu 250 Meter erreichen, informierten Florian Franz und Stefan Auhuber von der Investorenfirma Max Bögl sowie Bernhard Walter, der „Windkümmerer“ der Oberpfalz – also deutlich höher als bisher üblich. Die dauerhafte Kranstellfläche betrage jeweils 2684 Quadratmeter. Man habe einen guten Standort gefunden, versicherte Franz, und würde „waldschonend und mit wenig Rodungen“ vorgehen.
Visualsierungen von Gunt, Heilinghausen, Nittenau und Neuhaus, sowie Pläne und Daten wurden gezeigt und Argumente für die Windkraft vorgebracht. Von allen Bebauungen müsse man laut Gesetz mindestens 1000 Meter entfernt sein, in diesem Fall wären es 1150 Meter.
Eine „faire“ Bürgerbeteiligung an einer „Bürgerwindanlage“ sei möglich, mit einer Rendite von fünf bis sechs Prozent, versicherten die Fachleute, und die Stadt Nittenau erhalte jedes Jahr eine anteilige Summe als finanzielle Beteiligung. Man werde der Stadt freiwillig einen Optionskaufvertrag anbieten.
Die Bürger äußerten jedoch umgehend heftige Kritik – zum Beispiel an der vorgeschriebenen Schallemission, die bei einer Windkraftanlage in 1000 Meter Entfernung höchstens 45 Dezibel betragen dürfe, was in etwa einem „leisen Radio“ entspräche. Das war Daniel Kaschner aus Heilinghausen, dessen Haus nahe an der geplanten Anlage liege, eindeutig zu viel.
Anwohner befürchten Lärm
„Wir können dann kein Fenster mehr aufmachen und werden umzingelt von den Windkraftanlagen“, kritisierte er, und ein anderer Heilinghausener stimmte ihm zu: Man werde vor vollendete Tatsachen gestellt – es würden „monströse Windräder hingepflanzt“, und die Zuhörer applaudierten.
„Das hat mit Demokratie nichts mehr zu tun. Die Politiker sollen Stellung nehmen“, forderte ein Bürger und erklärte: „Manche Leute im Regental überlegen schon, ihr Haus zu verkaufen. Aber es will ja dann niemand mehr dorthin ziehen, und die Immobilienpreise fallen.“ Man habe grundsätzlich nichts gegen Windkraft, versicherte ein Anwesender – aber nicht im Regental, einem Erholungs- und Urlaubsgebiet.
Stadtrat Florian Doll, der selbst betroffen ist, nahm eindeutig Stellung: Er werde gegen die Anlage stimmen, versicherte er. Seine Familie betreibt in Harthöfl eine Ferienwohnanlage. „Wir leben von der Naherholung und sollen dann die Dauerbeschallung hinnehmen?“ Es würden genaue Schallanalysen durchgeführt und Grenzwerte eingehalten, entgegnete Stefan Auhuber, Vertreter des Investors.
Debatte um Vogelschutz
Er verwies auf natürlich auftretende Geräuschquellen in ähnlicher Lautstärke, worauf er von Doll nur Hohn erntete: „An Vogelgesang und Blätterrauschen kann man sich aber erfreuen.“ Außerdem, so Auhuber, sei Windkraft kein Argument hinsichtlich der Immobilienpreise: „Das Gebiet präsentiert sich dann moderner und attraktiver und verkauft sich sogar besser.“
Kritik äußerten die Anwesenden auch zum Tier- und Artenschutzkonzept. Mäusebussarde und Waldohreulen kämen nach einer Studie im Nahbereich des geplanten Gebiets vor, aber es lebten doch auch Schwarzstörche und Uhus dort. Der Nittenauer Falkner und Tierexperte Gunter Stangl zweifelte, ob diese Artenschutzvorgabe seine Richtigkeit habe. Woher wisse die Behörde beispielsweise, wann ein Kranichzug vorbeifliege?
Überwachungssysteme würden bei Annäherung von Vögeln die Anlage ausschalten, argumentierte Walter. Außerdem stelle die Klimakrise laut dem Landesbund für Vogelschutz eine noch größere Gefahr für das Artensterben dar als Windkraftanlagen.
Die Anträge zur Baugenehmigung der Anlagen nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz sollen laut der Firma Bögl im nächsten Jahr gestellt werden. Die Stadt Nittenau, so Boml, könne nur ihr gemeindliches Einvernehmen geben oder verweigern, die Entscheidung zum Bau liege bei der Regierung und im Landratsamt.
