Black Friday und Schlussverkäufe: Kleine Händler können bei Preisschlacht nicht mithalten

Von Lisa Steigerwald · 28. November 2024 um 15:00

Auf Black Friday fiebern Schnäppchenjäger hin. Früher waren Schlussverkäufe gesetzlich geregelt. Heute haben Händler mehr Freiheiten, ihre Rabattaktionen zu gestalten. Während große Händler vom Black Friday profitieren, können kleine Geschäfte bei dieser Preisschlacht oft nicht mithalten.

Auf diesen einen Tag fiebern Schnäppchenjäger jedes Jahr hin: Black Friday. Plattformen wie otto.de werben mit mindestens 40 Prozent Rabatt, Mediamarkt/Saturn sogar mit bis zu 60 Prozent. Auch bei vielen Geschäften hängen Aktionsschilder in den Schaufenstern, die zum Stöbern einladen. Doch mittlerweile ist es nicht mehr nur der Freitag, der im Zeichen des Sparens steht – die sogenannte „Black Week“ hat sich etabliert und umfasst mittlerweile die gesamte Woche.

Erwarteter Umsatz: 5,9 Milliarden Euro

In Deutschland wird laut Christian Spielvogel, Bezirksgeschäftsführer des Handelsverbands Bayern für Oberpfalz und Niederbayern, heuer ein Umsatz von rund 5,9 Milliarden Euro erwartet – in der Oberpfalz rund 76 Millionen Euro. Während die Einnahmen in den vergangenen Jahren stetig um rund 20 Prozent gestiegen seien, sei das Wachstum von 2022 auf 2023 mit nur sechs Prozent geringer ausgefallen. Deshalb wird heuer mit einem Umsatz auf dem Niveau des Vorjahres gerechnet, sagt Spielvogel.

Rabattaktionen sind keine neue Erfindung, im Laufe der Jahre haben sie sich aber deutlich verändert. „Es war alles geregelt: der Ablauf, die Zeiträume, wie ich es auspreise, wie ich in die Werbung gehe“, sagt Spielvogel zu den bis 2004 gesetzlich geregelten Schlussverkäufen. Heute hätten Händler mehr Freiheiten, wann und wie sie Aktionen durchführen. Dennoch gebe es Gesetze, die Konsumenten schützen sollen: wie etwa die Preisangabenverordnung, die vorschreibt, dass bei Ermäßigungen der günstigste Preis der vergangenen 30 Tage angegeben werden muss. Laut Spielvogel reguliert sich der Markt weitgehend selbst, da Geschäfte mit unseriösen Aktionen in der Regel nicht lange bestehen bleiben. Zudem würde kein Händler einen Black-Friday-Monat oder einen vier Monate dauernden Sommerschlussverkauf ausrufen, da dies von den Kunden als unglaubwürdig wahrgenommen würde. So hätten sich Zeiträume wie die Black Week eingependelt.

Schlussverkäufe sind weiterhin wichtig

Trotz der neuen Aktionen sind aber laut Spielvogel die Zeiten des Winter- und Sommerschlussverkaufs immer noch wichtig. Maria Müller, Geschäftsführerin vom Verein „Faszination Altstadt“ in Regensburg, bestätigt, dass viele Kunden nach wie vor zum Saisonwechsel die klassischen Schlussverkäufe erwarten. Allerdings würden diese Aktionen heute oft mit anderen Sonderaktionen – wie etwa Jubiläumsangeboten – verschwimmen.

Im Gegensatz dazu spiele der Black Friday bei den meisten kleineren Geschäften keine Rolle – nur wenige machen mit. Es ist eine große Preisschlacht, sagt Müller. Im Internet werde mit Angeboten von bis zu 70 Prozent geworben, das könnten kleine Läden nicht anbieten. Denn die Margen seien meist gerade ausreichend, um die laufenden Kosten zu decken. „Man würde einfach Verluste erwirtschaften“, sagt Müller. Zudem passe es bei vielen Geschäften nicht zur Firmenphilosophie, „die Waren mit großen Preisnachlässen zu verscherbeln“. Denn die Händler seien sich dem Wert ihrer Ware bewusst und würden eher auf Beratung und Qualität, als auf hohe Rabatte setzen. Und auch die Kunden hätten nicht die Erwartung, hohe Nachlässe zu bekommen.

Kunden kaufen Weihnachtsgeschenke in der Black Week

Bei großen Händlern hingegen spiele Massenware eine wichtigere Rolle, außerdem hätten sie die Möglichkeit, bessere Rabatte mit den Herstellern auszuhandeln und diese weiterzugeben. „Es gibt kaum noch Diskrepanz zwischen Online-Rabatten und stationärem Einzelhandel“, sagt Rüdiger Schuld, Filial-Geschäftsführer von Galeria und Mitglied im Mieterbeirat der „Vereinigung der Kaufleute im Donau-Einkaufszentrum“. Im Gegensatz zu den Kunden in kleinen Altstadtläden würden die Besucher des Donau-Einkaufszentrums während der Black Week Rabatte erwarten. Besonders gefragt seien Bekleidung und Schuhe, aber auch Produkte, die sich als Weihnachtsgeschenke eignen, wie Parfüm oder Schmuck. Dass die Black Week zunehmend für Weihnachtskäufe genutzt wird, belegt laut Spielvogel auch eine Umfrage des Marktforschungsinstituts IFH Köln, die im Auftrag des Handelsverbands Deutschland durchgeführt wurde: Von 1100 befragten Online-Shoppern gaben 52 Prozent an, den Black Friday gezielt für ihre Festtagskäufe zu nutzen.

Die Black Week hat sich somit zu einer der wichtigsten Verkaufsaktionen im Einzelhandel entwickelt, was sich deutlich in den Verkaufszahlen widerspiegelt, so Schuld. Generell stellt er eine wachsende Konzentration auf saisonale Aktionen wie den Black Friday oder den Muttertag fest. Es sei entscheidend, den Einzelhandel lebendig zu gestalten – Shopping muss laut Schuld zu einem Event werden.

Spendenaktion als alternative Idee

„Ich bin einfach trotzig gegenüber diesem Black Friday“, sagt Doris Beil, Inhaberin von Mode Scarlett in Regensburg. In ihrem Geschäft wird es keine Rabattaktion geben, sondern eine Spendenaktion zugunsten von Don Bosco Regensburg, bei der zehn Prozent pro Einkauf gespendet werden. Dass sie damit mehr Kunden anzieht, bezweifelt Beil. Am Black Friday sei es in ihrem Laden ruhig, sie führt dies auf das Alter ihrer Kunden zurück, die dem Trubel lieber entgehen.

Doris Beil startet zum Black Friday eine Spendenaktion. Foto: Lisa Steigerwald