Wegen langer Wege: Druck auf die Burglengenfelder Feuerwehren hat sich weiter erhöht

Von Thomas Rieke · 29. November 2024 um 05:00

Wie der Zufall so spielt: Wenige Tage, bevor die Einsatzkräfte der Region bei einem Großbrand in Machtlwies ihre geballte Schlagkraft eindrucksvoll unter Beweis gestellt haben, hatte sich der Burglengenfelder Stadtrat mit dem heißen Eisen Feuerwehrbedarfsplan zu befassen.

Das Gutachten ist rund 130 Seiten stark, gilt für das ganze Städtedreieck und ist die Fortschreibung der Arbeit, die schon 2019 für Schlagzeilen gesorgt hat. Auch das neue Konzept gibt wieder Auskunft über Investitionen, die in den kommenden fünf Jahren getätigt werden sollten, und beschreibt vorhandene Schwachstellen. Ergebnis der aktuellen Diskussion im Rat: Einige Mängel lassen sich offenbar auch weiterhin nicht grundsätzlich beheben.

Für Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) stellt der Bedarfsplan, wie er sagte, ein „nützliches Instrument“ dar. Er biete nämlich eine fundierte Übersicht über den Ist-Zustand des Brandschutzes und eine gewisse Planungssicherheit für Kommunen und Feuerwehren. Die Aufgaben, die aus dem ersten Konzept 2019 hervorgegangen seien, habe man im Wesentlichen „gut abgearbeitet“. Allerdings, so erklärte der Rathauschef weiter, dürfe man nicht vergessen, dass ein Plan eben nur ein Plan sei. Für jede Maßnahme gelte es, gesondert einen Beschluss herbeizuführen.

Häufig nicht schnell genug am Ziel

Thomas Keller vom Heilbronner Ingenieurbüro IBG, der das Konzept fortgeschrieben hat, erläuterte die zentralen Punkte aus der Analyse speziell für die Burglengenfelder Feuerwehren.

Demnach gibt es unverändert ein massives strukturelles Problem: Zwischen Juni 2021 und Mai 2023 sei es bei 116 Einsätzen lediglich zu 48 Prozent gelungen, die Ziele so schnell zu erreichen, wies es bayernweit durch sogenannte Planungsfristen vorgegeben ist. Für die Drehleiter ist die Bilanz mit 43 Prozent noch etwas schlechter. Gegenüber dem Berichtszeitraum von 2019 bis 2023 ist der Zielerreichungsgrad sogar um 14 Prozent eingebrochen.

Auch das könnte Sie interessieren: Burglengenfelder Räte verschärfen in der Steinbruch-Debatte den Ton gegenüber Zementwerkbetreiber

Besonders betroffen sind laut Keller die Wohngebiete am Augustenhof. Hauptursache sei, dass das Gerätehaus der Stadtfeuerwehr an der Gutenbergstraße zu weit entfernt liege. Ändern ließe sich die Situation nur mit erheblichem Aufwand, sprich einem weiteren Gerätehaus an günstigerer Stelle und hauptamtlichen Einsatzkräften.

Das aber würde Millionen verschlingen und die Leistungsfähigkeit der Kommune deutlich überschreiten. Daher sei sie aktuell gut beraten, aus den Gegebenheiten das Beste zu machen. So müsse beispielsweise gewährleisten werden, dass die Hauptausrück-Routen möglichst schnell befahren werden können. Die Einsatzkräfte dürften nicht durch verkehrsberuhigende Maßnahmen ausgebremst werden.

Tagsüber fehlen im Umland Aktive

In Umlandgemeinden wie Dietldorf existiert laut Keller außerdem das Problem, dass tagsüber zu wenig Aktive zur Verfügung stehen. Dies sei freilich, so betonte der Experte, in Bayern ein weit verbreitetes Problem und schwer zu verbessern, schließlich müssten auch Einsatzkräfte irgendwo ihr Geld verdienen.

Sebastian Bösl, Sprecher der Fraktionsgemeinschaft von SPD, Grünen und Die Linke, wollte nicht verhehlen, dass ihn das Gesagte „doch etwas beunruhigt“. Auch im Vergleich zu den anderen Wehren im Städtedreieck sei der Zielerreichungsgrad der FF Burglengenfeld zu gering. Auf welcher Basis denn die strengen Vorgaben für die Ausrückezeit überhaupt erstellt worden seien, wollte der SPD-Rat wissen. Laut Keller handelt es sich um einen „politischen Wert“, den sich Bayern gegeben habe. In Hessen und Baden-Württemberg hätten die Feuerwehren etwas mehr Luft.

Schaller warnt vor Belastung durch moralische Frage

CSU-Sprecher Michael Schaller warnte davor, die ehrenamtlichen Einsatzkräfte mit einer „moralischen Frage“ zu belasten. Das Gerätehaus der FF Burglengenfeld sei nun einmal an die Gutenbergstraße verlegt worden. Dafür habe es damals aber auch eine Förderung gegeben. Folglich, so erklärte Schaller weiter, täte man gut daran, das Thema der Hilfs- und Planungsfristen nicht immer wieder aufzukochen. Auch er wohne am Augustenhof, also auch sein Haus würde im Ernstfall später als gefordert erreicht, „trotzdem kann ich schlafen“.

Hans-Edmund Galtzl (BFB) griff das Stichwort „Behinderung durch Verkehrsberuhigung“ auf. Ob man in der Lindenstraße, die gerade saniert wird und die eine wesentliche Verbindung zum Augustenhof und zum Stadtteil Wölland darstellt, nicht doch die Buchten und Bäume hätte opfern sollen?

Kommandant Prehn klärt auf

Antwort geben konnte darauf der Kommandant der FF Burglengenfeld, Michael Prehn, der unter den Zuhörern saß. Er erklärte, Glatzl gehe von einer falschen Annahme aus. Die Lindenstraße sei für die Feuerwehr gar nicht der erste Weg in Richtung Augustenhof. Das Navi, an dem man sich orientiere, weise dafür eine andere Route aus.

Zurück zum Bedarfsplan: Er sieht neben verschiedenen Investitionen, zum Beispiel in die Erweiterung des Gerätehauses Burglengenfeld und den Neubau eines Gerätehauses in Pottenstetten, erneut eine Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen den Wehren vor. Dadurch sollen sich Synergieeffekte ergeben. Unter dem Dach des Zweckverbands Städtedreieck könnte zum Beispiel künftig die Gerätewartung durch hauptamtliche Kräfte stattfinden. Auch die Abrechnung von Einsätzen sollte beim Verband zentralisiert werden, wofür freilich zunächst einheitliche Gebührensatzungen beschlossen werden müssten.

Das Konzept birgt, wie man sieht, viele spannende Themen. Am Donnerstag dieser Woche sollten sich auch die Räte von Maxhütte-Haidhof und Teublitz damit kritisch auseinandersetzen.

Die FF Pottenstetten braucht ein zeitgemäßes Gerätehaus. Erst wenn dieses steht, ist an ein neues Löschfahrzeug zu denken.