Decke bröckelt, Technik spinnt – und Verpächter macht nichts: Wirt hat es satt und wirft hin

Von Philip Hell · 28. November 2024 um 05:00

Michael Werner reicht es: Ende des Jahres wird er den Michlwirt im Oppersdorfer Dorfheim zusperren. Grund dafür sind anhaltende Differenzen mit seinem Verpächter – das ist ausgerechnet die Marktgemeinde Lappersdorf (Landkreis Regensburg).

Seit dem Sommer gärte es in ihm, sagte Werner. „Aber ich habe weiter gekämpft.“ Irgendwann habe er einen Schlussstrich ziehen müssen. „Ich bin echt enttäuscht“, sagt der Gastronom – und meint damit die Marktgemeinde Lappersdorf. Seit geraumer Zeit gebe es immer wieder Probleme. Vor ziemlich genau einem Jahr ging der Konvektomat kaputt. Ein Kombigerät, in dem man braten und dämpfen kann. „Ein Herzstück in der Küche, den braucht man.“ Das Teil sei ausgerechnet vor Kirchweih in die Knie gegangen. „Ich wusste nicht, ob meine Enten fertig werden.“ Hilfe von der Marktgemeinde? Fehlanzeige. Die Reparatur habe sich bis ins Frühjahr gezogen. Zeitgleich gab auch noch die Geschirrspülmaschine den Geist auf. „Wir mussten mit der Hand spülen. Von der Gemeinde kam nichts.“ Damals stellte Werner ein Schild auf. Darauf notierte er täglich, wie viele Tage schon per Hand gespült wird. „Das Schild stand 120 Tage.“ Erst dann reagierte die Gemeinde und stellte ein Ersatzgerät.

Die nächste Hiobsbotschaft

Mitte August die nächste Hiobsbotschaft: Das Kühlhaus und die Thekenkühlung fielen aus – ausgerechnet kurz vor Mariä Himmelfahrt. „Ich habe da einen neuen Begriff gelernt: Brückenwoche.“ Wegen des Feiertags habe sich die Gemeinde nicht kümmern können. Werner platzte zum ersten Mal der Kragen – er wandte sich per Facebook an die Öffentlichkeit. Die Kommunikation mit der Marktgemeinde habe sich stets schwierig gestaltet. „Ich wusste nie, an wen ich mich wenden muss.“ Auf den Facebook-Post hin schaltete sich der Zweite Bürgermeister Jan Kirchberger ein. Schnell sei alles aber wieder beim Alten gewesen. Und Werner blieb wieder allein mit seinen Problemen.

Die Kühlung wurde zwischenzeitlich ausgetauscht. Nur: Jetzt quietscht der Motor. Und die Leitungen beim Konvektomat sind undicht. Dabei ist es nicht nur die Technik, die Werner Probleme bereitet. Das Wirtshaus befindet sich in einem alten Kuhstall. Ein Gewölbe spannt sich über die Gäste. Der Zahn der Zeit nagt an den Steinen. „Deshalb müsste man das ab und zu neu isolieren. Das hat die Marktgemeinde verschlafen.“ Die Folge: Manchmal bröselt der Putz von der Decke. Werner zeigt ein Bild auf seinem Handy. Daraufhin ist ein beachtliches Häuflein Mauerwerk zu sehen. „Das kam alles in 14 Tagen runter.“ Er wisse nicht, ob die weißen Tischdecken auch weiß bleiben. Und überhaupt: „Was mach ich denn, wenn was ins Essen fällt? Das ist doch der Punkt!“ Werners Lösung: „Wir saugen jede Woche die Decke ab.“

„Hin und wieder“ Reparaturen notwendig

Bürgermeister Christian Hauner (FW) betont: „Der Markt Lappersdorf hat in den letzten 15 Jahren sehr viele Haushaltsmittel für das Dorfheim Oppersdorf bereitgestellt.“ Dennoch: Es handele sich einfach um kein neues Gebäude, daher seien hin und wieder Reparaturen notwendig. „Die zuständigen Mitarbeiter der Marktverwaltung bemühen sich, diese möglichst zeitnah und transparent für den Pächter zu veranlassen.“ Dies sei heuer sehr oft der Fall gewesen. Der Markt Lappersdorf habe dieses Jahr viel Geld in die Hand genommen. Das Problem: „Oft benötigen wir jedoch Spezialfirmen, die nicht sofort greifbar sind“, sagt Hauner. „Insbesondere die sehr spezielle Küchentechnik kann nur von einer Firma in ganz Deutschland repariert werden, da hier ein Monopol auf Ersatzteile besteht.“ Und die Bröckeldecke? „Bezüglich der Decke im Gastraum ist festzuhalten, dass wir hierzu ein Gutachten durch die OTH Regensburg erstellen lassen und an einer Lösung des Problems arbeiten“, so Hauner.

Werner übernahm das Wirtshaus im März 2020 – wenige Tage vor dem ersten Corona-Lockdown. Damals spürte er große Unterstützung im Ort. „Die Leute haben bei mir Schweinebraten geholt – obwohl sie mich noch gar nicht kannten.“ Toll sei das gewesen. „Bis zum Ende des Parkplatzes standen sie am Sonntag.“ Das ist nun knapp fünf Jahre her. Inzwischen laufe der Laden, sagt Werner. „Ich bin angekommen.“

Zig Anfragen nach Aus

Oder besser: Er war angekommen. „Ich nehme schon wahr, dass die Leute geschockt sind.“ Nach und nach kämen Kunden und zeigten Verständnis. Auch wenn die Gemeinde nochmals einen Schritt auf ihn zugehen würde, für Werner ist klar: Es ist vorbei. „Man hätte offen miteinander reden müssen. Und das gab es nicht.“ Michael Werner ist seit 28 Jahren Gastronom. Er war auf Sylt, er war in Sankt Johann im Pongau. Er kennt das Geschäft, hatte Wirtshäuser, organisierte Schulverpflegung und führte sogar mal eine Pension. „Der Michlwirt sollte eigentlich meine Endstation sein.“ Dass es so endet? „War nicht geplant.“ Wie es für ihn weitergeht? „Meine Lebensphilosophie war es, immer neue Träume aufzubauen.“ Kaum hatte er das Ende des Michlwirts verkündet, stand das Telefon nicht mehr still. Ihn erreichten zig Anfragen aus der Region. Alle wollten ihn als Pächter. Er hat alle Angebote abgelehnt. Was er macht? „Ich weiß es noch nicht. Aber ich will auch mal heimkommen, ohne dass der Kopf ständig rattert.“