Die Taxipreise in Regensburg steigen kräftig – Kampf ums wirtschaftliche Überleben

Von Juliana Ried · 27. November 2024 um 09:00

Der Verwaltungsausschuss des Regensburger Stadtrats beschließt erstmals seit 2019 eine Tariferhöhung. Seit September macht Uber den Taxiunternehmern zu schaffen. Sie kämpfen ums wirtschaftliche Überleben.

Taxi-Fahrgäste in Regensburg müssen ab 1. März 2025 deutlich mehr ausgeben, das hat am Dienstag der Verwaltungsausschuss des Stadtrats beschlossen. Damit soll sichergestellt werden, dass das laut Gutachter Marcel Richter wirtschaftlich gefährdete Taxigewerbe in Regensburg weiterhin funktionsfähig bleibt. Er empfiehlt auch, die Zahl der Konzessionen konstant zu halten, um den Wettbewerb nicht zu erhöhen. Die Stadträte trugen die Preiserhöhung einstimmig mit, kritisierten allerdings die Verfügbarkeit von Taxis in Regensburg als mangelhaft.

Die Kilometerpreise steigen für Strecken bis zu fünf Kilometern um 30 Cent auf 2,60 Euro, für längere Strecken um 40 Cent auf 2,40 Euro, also um 20 Prozent. Den Grundpreis erhöht die Stadt von 4,60 auf 4,90 Euro, damit steigt der Mindestfahrpreis auf 5,10 Euro. Auch weitere Bestandteile des Preises, von der Wartezeitgebühr bis zur Zulage für Großraumtaxis, steigen. Die Stadt schöpft damit die Empfehlungen des Gutachters voll aus. Richter führte aus, dass gestiegene Kosten für Personal und Fahrzeuge sowie zunehmender Wettbewerb mit der Mietwagenbranche dem Taxigewerbe zu schaffen machten. „Die erwirtschafteten Gewinne in einem Großteil der Taxiunternehmen sind als unzureichend einzuordnen“, stellte er fest.

Wunsch nach flexiblem Tarif

Auch die Genossenschaft Taxi Regensburg ist einverstanden mit dem neuen Tarif. Vorstandsvorsitzender Assad Ghorab sagt: „Das ist voll in unserem Sinne.“ Die Genossenschaft habe sich schon lang gewünscht, dass die Preise von 2019 steigen. Allerdings gelte: „Die Tariferhöhung sichert nur das wirtschaftliche Überleben.“ Mittelfristig strebt Ghorab einen flexibleren Tarif an. „Das würde unsere Position gegenüber Uber stärken.“ Richters Gutachten war fertig geworden, bevor der Fahrtenvermittler in Regensburg aktiv wurde. An den Funk der Taxi-Zentrale sind Ghorab zufolge circa 60 Unternehmen mit etwa 100 Fahrzeugen angeschlossen. Insgesamt sind laut Gutachter Richter circa 150 Taxis in Regensburg zugelassen.

Ghorab sagt: Die neun Mietwägen, die seit September für Uber unterwegs seien, verursachten bei Taxiunternehmen einen „signifikanten Umsatzrückgang“ von bis zu 50 Prozent, vor allem in der Nacht. Er beklagt: Anders als das Taxi-Gewerbe, das eine Beförderungspflicht habe, könnten Uber-Fahrer die besten Fahrten „absahnen“. Auch bestimmten bei Uber Algorithmen den Preis. „Ist die Nachfrage nicht groß, sinkt der Preis bei Uber.“ Das führe dazu, dass Fahrten zum Teil für drei oder vier Euro angeboten würden. Die Taxi-Genossenschaft hatte deshalb zwischenzeitlich bei der Stadt einen Korridorpreis beantragt, der sich an den Modellen in Augsburg und München orientiert. So kann in München ein Festpreis vereinbart werden, der maximal fünf Prozent unter und maximal 20 Prozent über dem regulären Tarif liegen darf. Auch der Gutachter empfiehlt, mittelfristig Fest- und Korridorpreise in den Tarif zu integrieren. Das brauche aber Zeit. Die Genossenschaft zog ihren Antrag deshalb zurück. Die Stadt sichert zu: „Sobald belastbare Zahlen auf Basis der neuen Tarife vorliegen, soll weiter geprüft werden, ob für bestimmte Strecken (zum Beispiel zwischen Hauptbahnhof und Jahnstadion oder Hauptbahnhof und Donau-Arena) die Einführung von Festpreisen Sinn macht.“

Insgesamt bescheinigt der Gutachter dem öffentlichen Nahverkehr in Regensburg – dazu gehören die Taxis – „ein gutes Fahrtenangebot“ für die Regensburger und für Gäste.

OB kritisiert Service

Die Stadträte sehen beim Angebot noch viel Luft nach oben. So kritisierte CSU-Stadträtin Dagmar Schmidl die „nicht immer vorhandene Verfügbarkeit“; sie hätte sich höhere Nachtpreise gewünscht. Kommen sollen aber günstigere Nachttarife für Frauen und Jugendliche, so Rechtsreferent Walter Boeckh. SPD-Fraktionschef Thomas Burger nannte den Zugang zu Taxis „katastrophal“. Wer eines bestelle, scheitere häufig schon in der Warteschleife der Zentrale oder es komme zu spät, hieß es. Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) bestätigte: „Der Servicegedanke kann optimiert werden.“ Gutachter Richter sagte: Die Bereitschaft, nachts oder in „Tagesrandlagen“ zu fahren, sei im ganzen Land gesunken.

Ghorab von der Taxi-Genossenschaft sagt, Engpässe gebe es zwischen drei und sechs Uhr morgens und bei hoher Nachfrage. Ansonsten sei die Zahl der Fahrzeuge ausreichend. Allerdings könne die Zentrale Unternehmen nicht zwingen, Fahrten anzunehmen. „Da sind uns die Hände gebunden.“

Vorwürfe gegen Uber

Kritik: Assad Ghorab, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft Taxi Regensburg, sagt: Von Uber vermittelte Fahrer verstießen in Regensburg gegen für Mietwägen geltende Regeln. Er dokumentierte etwa, dass ein Fahrzeug mit Uber-Schriftzug an einem Taxistand parkte. Dabei dürfen Mietwägen diese Stellflächen nicht nutzen, sie haben eine Rückkehrpflicht nach jeder Fahrt.

Reaktion: Ein Uber-Sprecher teilt mit: „Für Uber hat gesetzeskonformes Handeln oberste Priorität. Sofern sich unsere Partner nicht an die Regeln halten und wir davon Kenntnis erlangen, ziehen wir entsprechende Konsequenzen, bis hin zu einer dauerhaften Sperrung auf unserer Plattform.“ Zudem habe Uber eine technische Lösung zur Einhaltung der Rückkehrpflicht in die App integriert

Assad Ghorab ist Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft Taxi Regensburg.