Gewalt gegen Frauen nimmt stetig zu: Studis gegen Rechts demonstrieren durch Regensburg

Von Friederike Klett · 26. November 2024 um 05:00

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Bei allen Gewaltdelikten gegen Frauen – ob es um Femizide, um häusliche Gewalt oder um Gewalt im Internet geht, gab es 2023 einen Anstieg.

In der Oberpfalz sind die Fälle von häuslicher Gewalt um 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Am Montagvormittag fand eine Flaggenaktion der Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes zum internationalen Aktions- und Gedenktag gegen Gewalt an Frauen am Domplatz statt. Am frühen Abend veranstalteten die Studis gegen Rechts eine Demonstration durch die Innenstadt.

„Ich bin total erschüttert“, sagte Regina Hellwig-Schmid, Künstlerin und Koordinatorin der Städtegruppe von Terre des Femmes in Regensburg, über die kürzlich vom Bundesinnenministerium veröffentlichten Zahlen. Bundesweit sind Delikte im Bereich der Häuslichen Gewalt um 5,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Bei Sexualstraftaten verbuchte das Bundeskriminalamt einen Anstieg von 6,2 Prozent. Neun Todesfälle mehr als 2022 und etwa 25 Prozent mehr Straftaten im digitalen Bereich wurden außerdem verzeichnet.

„Ein grausames Zeichen“

„Wir kämpfen schon so lange und haben schon in so vielen Dingen geglaubt, dass wir ein Bewusstsein geschaffen haben“, sagte Hellwig-Schmid. Seit 2001 hisst der Verein jedes Jahr eine Flagge am 25. November. „Dass wir so eine Zunahme von Gewalt haben, ist eigentlich ein grausames Zeichen.“ Auch Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer machte am Montagvormittag ihre Frustration deutlich. „Wie jedes Jahr stehen wir hier und man könnte meinen, es ist immer dasselbe“, sagte sie in ihrer Rede. „Wir haben wie in jedem Jahr lautstark darauf hingewiesen, dass die Gewalt nicht aufhört.“ In der Oberpfalz sind die Fälle von häuslicher Gewalt gegen Frauen um 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahr angestiegen, im Stadtgebiet Regensburg um neun Prozent. „Eigentlich müssten wir jeden Tag hier stehen“, sagte Maltz-Schwarzfischer.

„Wohlgemerkt: Das sind die angezeigten Fälle“, schloss Maria Scharfenberg, stellvertretende Landrätin, mit ihrer Rede an. „Die Dunkelziffer ist um ein vielfaches höher, weil so manche Gesetzesänderung in den Gerichten noch nicht beachtet wird.“ Scharfenberg spielte damit auf die 2016 eingeführte Gesetzesverschärfung bei sexualisierter Gewalt an. Seitdem muss eine Frau nicht mehr nachweisen, dass sie sich körperlich gegen einen Übergriff gewehrt hat. Die „Nein heißt nein“-Regelung besagt eigentlich, dass es sich um eine Vergewaltigung handelt, wenn die Frau einmalig ausgesprochen hat, dass sie nicht will. „Nein heißt nein – Irgendwie nützt das aber nichts – wenn man es nicht beweisen kann“, sagte Scharfenberg. „Ja, wie soll Frau das denn beweisen?“ Viele würden Vergewaltigungen und Übergriffe nicht zur Anzeige bringen, weil auf diese Taten selten ein Schuldspruch folge.

Gewalt fängt bei Witzen an

Die Gewalt beginne allerdings nicht bei Vergewaltigungen, bei Schlägen oder einem Femizid, erklärte die stellvertretende Landrätin. „Wenn Frauen bestimmte Orte meiden müssen, um Belästigungen oder Bedrohungen zu entgehen, handelt es sich um eine Form von Gewalt.“ Gewalt sei im Alltag auch in der Sprache zu finden. „Wir dürfen da nicht mitmachen“, rief sie auf. „Niemals dürfen wir kumpanenhaft bei frauenfeindlichen Witzen mitlachen.“

Doch woran liegt es, dass es trotz aller Anstrengungen nicht weniger, sondern mehr Gewalt an Frauen gibt? „Das liegt sicherlich an der Frauenverachtung und nichts anderem“, sagte Hellwig-Schmid nach dem Hissen der Flagge von Terre des Femmes. „Wir haben uns Gleichberechtigung lange als etwas abstraktes vorgestellt, was vor allem im beruflichen Feld angesiedelt ist.“ Dabei sei nicht einmal der kleinste gemeinsame Nenner vorhanden – nämlich grundlegender Respekt im Zusammenleben. „Woraus sich eine patriarchale Gesellschaft das Recht nimmt, Frauen als untergeordnet zu sehen und sie auch noch schlecht zu behandeln, bloßzustellen und zu diffamieren, das weiß ich nicht.“ Doch egal, wo die Gründe für den Hass lägen, man müsse immer dagegen vorgehen. „Wir können es nicht so stehen lassen und wir Frauen müssen zueinanderhalten.“

Das war auch das Motto der Studis gegen Rechts. Sie hatten am Nachmittag zu einer Demonstration aufgerufen. Bei der Kundgebung am Bismarckplatz standen die Rednerinnen neben einem mit einer Lichterkette behangenen Schild mit der Aufschrift „Nehmt ihr uns eine, wehren wir uns alle“. „Offiziell haben sich etwa 100 Menschen angemeldet“, sagte Zoe Mühl, eine der Organisatorinnen. „Wir freuen uns natürlich, dass viel mehr gekommen sind.“ Schätzungsweise 300 Demonstranten zogen begleitet von Trommeln bis in die Fröhliche-Türken-Straße.

Ein Demonstrationszug zog am Abend durch die Innenstadt.