Ende einer süßen Ära: Nach acht Jahren schließt die Patisserie Bitter‘o in Kumpfmühl

Von Lilly Mantel · 21. November 2024 um 15:00

Eine nette Patisserie direkt an der Kumpfmühler Straße. Auch unter der Woche zur Mittagszeit ist es dort belebt. Ein großes Fenster gibt den Blick auf die Konditorstube frei. Wenn jemand den Laden betritt, kommt die Chefin sofort aus dem Hinterzimmer hervor.

„Hallo.“ Die Frau ist groß, trägt einen rosa Pullover, eine Jeans und Winterschuhe. Die Haare hat sie zu einem Zopf gebunden.

Acht Jahre lang hat Olga Bitters Patisserie Bitter‘o das Bild der Straße geprägt. Doch nun hat sie sich entschieden, einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Gesundheitliche Gründe: „Es ist nichts Schlimmes, aber man braucht eben Ruhe und Zeit, um es auszukurieren.“

Sie setzt sich auf einen Sessel neben der Couch. Seit mehr als acht Jahren steht sie in der Backstube. Jeden Tag zwölf Stunden. „Man muss immer funktionieren“, sagt Bitter. So sei das mit der Selbstständigkeit. Wenn sie mal wegfahren will, muss sie Betriebsurlaub nehmen. Die Miete, die Rechnungen müssen weiterhin bezahlt werden, ohne dass der Laden neues Geld bringt.

Jeden Tag in der Backstube

Olga Bitter ist 42 Jahre alt. Erst absolvierte sie eine Lehre zur Konditorin. Im Jahr 2012 machte sie ihren Meister in München. Das Zertifikat hängt seitlich über dem Tresen. Bevor sie vor acht Jahren ihre Patisserie mit dem jetzigen Konzept eröffnete, bot Bitter Hochzeits- und Geburtstagstorten auf Bestellung an. Und dann hatte sie erst mal jeden Tag geöffnet. Kein Sonntag, kein Ruhetag. „Ich habe drei Jahre nicht mit meinem Sohn gefrühstückt“, sagt Bitter. „Alle durften mit meinen Croissants am Sonntag mit ihrer Familie frühstücken, nur ich nicht.“ Danach änderte die Konditorin ihr Konzept. Sie führte einen Ruhetag ein und hat seitdem am Sonntag frei.

Zwei Kunden betreten den Laden – ein älteres Ehepaar. Mit einem entschuldigenden Lächeln steht Bitter auf und geht hinter den Tresen, um die Leute zu bedienen. Sie ist herzlich und freundlich, aber bestimmt. „Ein Mangomaracuja- und ein Vanille-Croissant, bitte“, sagt die Kundin. Während das Paar bezahlt, erzählt Olga Bitter, dass die Konditorei bald schließt. „Am 30. November ist der letzte Tag.“ „Oh“, das Ehepaar blickt erstaunt und etwas bestürzt drein. Die beiden schauen sich noch einmal um. „Das ist aber schade“, sagt der Mann und bestellt gleich noch zwei Croissants. Das Paar wünscht Olga Bitter alles Gute. Dann verlassen die beiden den Laden.

Ob sie hier wohl ganz schön vermisst wird? „Ja. Ich bin auch traurig. Aber auch glücklich und den Kumpfmühlern sehr dankbar, die mich in ihr Herz geschlossen haben, und ich sie“, sagt Olga Bitter. Sie habe zu 99 Prozent Stammkunden. „Kumpfmühl ist wie ein kleines, eigenständiges Dorf. Vor allem für die Marktleute ist es, glaube ich, schlimm – kein Ort mehr, an dem sie sich wärmen können.“

Neustart im Dezember

Olga Bitter hat ihren Kunden versprochen, dieses Jahr schon früher Weihnachtsgebäck anzubieten. „Bis ich schließe, werden alle versorgt sein.“ Im Dezember fängt sie schon in ihrem neuen Beruf an. Wo, möchte sie noch nicht verraten. Das wird sie ihrer Kundschaft über ihre Social-Media-Kanäle mitteilen, wenn sie sich eingelebt hat. „Ich wollte ursprünglich die Branche wechseln, aber dann habe ich ein Angebot bekommen, das ich nicht ausschlagen konnte.“ Es sei auch nur zehn Minuten von Regensburg entfernt. „Ich bin froh, dass ich meinem Beruf, meiner Leidenschaft, weiter nachgehen kann, aber dieses Mal mit Urlaub, einem Wochenende und einem geregelten Alltag.“ Olga Bitter wirkt erleichtert.