Für jedes Altstadtgeschäft das passende Bild: Doris Ranftl bringt Kunst direkt zu den Menschen

Von Micha Matthes · 21. November 2024 um 10:59

Doris Ranftl bringt Energie mit. Energie aus Farben und Formen auf Leinwand mit dem Namen „Creare“. Das Bild hängt neuerdings im Chefsekretariat der Mittelbayerischen Zeitung – als Leihgabe. Warum? Weil Ranftl findet, dass es dort optimal hinpasst. Es sei ein sehr kraftvolles Bild. „Da geht es darum, etwas Neues zu schaffen. Dazu braucht man Energie“, sagt die Lappersdorfer Künstlerin. Bei der MZ hätten zuletzt viele Neuerungen stattgefunden, daher sei dieser Ort als Ausstellungsraum für „Creare“ sehr gut.

Ranftl trägt die Kunst zu den Menschen – und zwar im Wortsinn. Die MZ ist daher nicht der einzige Schauraum für ihre „etwas andere Ausstellung“. Die Wurstkuchl, What the Kiosk, das Café Anna, der Mini-Baumarkt Da Bastler, die Adler-Apotheke, die Schreinerei Weniger: An insgesamt 24 sehr unterschiedlichen Orten hat sie Kunstwerke in Regensburg installiert.

Wie ein Adventskalender: 24 Werke an 24 Orten in Regensburg

Die meisten Stellen sind öffentlich und als Rundgang in der Innenstadt gut zu begehen. Die Ausstellung ist wie ein Adventskalender konzipiert. Früher fuhr Ranftl dann an jedem Tag ein Kunstwerk aus. Mittlerweile können aber alle Exponate zeitgleich ab 1. Dezember bis zum 6. Januar besichtigt werden. Wer möchte, kann dann natürlich auf eigene Faust von 1. bis 24. Dezember jeden Tag ein neues Kunstwerk entdecken. Pläne mit allen Informationen liegen an den teilnehmenden Orten aus sowie bei der Tourist-Info beim Alten Rathaus. Eine Führung durch die Ausstellung findet am Samstag, 14. Dezember, um 16 Uhr statt. Treffpunkt ist die Tourist-Info. Ranftl bietet aber auch Führungen auf Anfrage unter info@doris-ranftl.de an.

Die gezeigten Werke stammen von Ranftl selbst sowie von befreundeten Künstlern wie dem Fotografen Olaf Unverzart oder dem Künstler Josef Mittlmeier. Petra Polli aus Bozen findet Objekte am Schrottplatz, entrostet sie, schleift sie ab und gibt ihnen eine neue, auf Hochglanz polierte Patina. Sie haucht so Dingen ein neues Leben ein und setzt ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft. Eines davon hängt bei den Brandl Architekten in der Malergasse 10. Das sei sehr passend, denn auch bei den Objekten gehe es sehr um die Beschäftigung mit- und die Gestaltung von Raum, so Ranftl. Miriam Ferstl fotografiert Kronleuchter direkt von unten. Zum Teil ist für die Betrachter dadurch nicht mehr auf den ersten Blick ersichtlich, um was für ein Objekt es sich da eigentlich auf dem Foto handelt. Die Motive wirken wie vergrößerte Broschen oder Mandalas. Für Ranftl war klar: Diese Aufnahmen hänge ich zu Blochberger & Weiß ins Lampengeschäft. „Die Werke sollen einen Sinn an dem jeweiligen Ort haben, an dem sie ausgestellt werden.“ In einer Galerie oder einem Museum sind die Kunstgegenstände meist an weißen Wänden optimal ausgeleuchtet, sodass dort eigentlich fast jeder Gegenstand gut zur Geltung kommt. Bei Ranftls Konzept sind die Lichtverhältnisse meist nicht optimal, zudem sind die Werke meist von ganz vielen anderen Dingen – manchmal auch banalen, wie etwa Skiunterwäsche – umgeben, die ebenfalls Aufmerksamkeit auf sich ziehen. „Die Bilder müssen sich trotzdem behaupten können“, sagt Ranftl. Auch diesen Aspekt muss sie also bei der Ortswahl berücksichtigen.

Aber der Aufwand ist es wert. Denn Ranftl möchte vor allem Türen öffnen. „Es gibt einige, die nicht in Galerien oder Museen gehen, weil sie sich unwohl fühlen und Angst haben, sie könnten sich da irgendwie blamieren, weil sie sich nicht auskennen.“ Diese Hürden will Ranftl abbauen, indem sie die Rezipienten direkt aufsucht. Wenn sie jemandem ein Bild bringe, fange sie oft auch mit ganz einfachen Fragen an, erklärt die Künstlerin: Gibt Ihnen das Bild ein gutes oder ein schlechtes Gefühl? Finden Sie die Farben eher fröhlich oder melancholisch? „Ich möchte ihnen zeigen: Jeder hat ein Gefühl, eine Sensibiliät und kann was dazu sagen.“

Lesung von Tobias Haberl in der Tourist-Info in Regensburg

Eine Vernissage gibt es nicht. Feedback erhalte sie somit nur bei Abgabe und Abholung der Werke, sagt Ranftl. Seit sechs Jahren wird aber auch immer eine begleitende Veranstaltung organisiert. Ranftls Bedingung dafür: Sie soll an einem Ort stattfinden, an dem man so eine Veranstaltung normalerweise nicht erwartet. In diesem Jahr soll dies am Sonntag, 1. Dezember, um 16.30 Uhr in der Tourist-Information mit einer Lesung von Bestseller-Autor Tobias Haberl passieren. „Und bei diesen Veranstaltungen trifft man dann schon auch manchmal Leute, die diese Ausstellung schon jahrelang abgehen“, sagt Ranftl. „Solche Gespräche sind für mich dann natürlich schön und wertvoll.“

Als Neuerung wird die Schau in diesem Jahr auch als Gesamtausstellung anschließend am 15. Januar ins DEZ ziehen. Dort kann man die Werke alle auf einmal sehen. Neben jedem Werk hängt dann auch ein Foto von dem Ort, an dem es ursprünglich in der Innenstadt ausgestellt war.