Ehrung für vier besondere Waldbesitzer in Cham: Ein Quartett für Zauberwälder

Von Christoph Klöckner · 21. November 2024 um 15:00

Das Bild des Waldes ändert sich – der hochgewachsene, dunkle und dichte Fichtenbestand schwindet, heraus kommt ein lichter grüner Wald bis zum Boden mit vielen Baumarten in unterschiedlichen Altersstufen. Ein Zauberwald entsteht – so nennen die Waldnachbarn von Hubert und Christoph Rauscher das Ergebnis des stabilen, klimatoleranteren Baumbestands.

Vater und Sohn Rauscher aus Bad Kötzting gehören zu vier ausgezeichneten Waldbauern, die jetzt im Langhaussaal des Rathauses in Cham mit dem Waldpreis 2024 der Waldbauernvereinigungen im Landkreis ausgezeichnet wurden.

Mit Klein- und Großflächen

Das geehrte Quartett spaltet sich dabei in zwei Kleinbesitzer und zwei, die große Waldflächen bewirtschaften. Letzteres vereint beide Seiten – denn auch Zauberwälder werden bewirtschaftet, müssen sogar bewirtschaftet werden, um ihren Zauber zu behalten. Denn ohne Jagd und ohne Holzernte funktioniere der Umbau zum klimastabilen Wald nicht, hob Wolfgang Koller von der Arbeitsgemeinschaft der Waldbesitzervereinigungen im Landkreis Cham (ARGE) hervor.

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In seiner Begrüßung beschrieb Koller die Liebe zum Wald. Der Wald fördere Gesundheit und Wohlbefinden, er wecke alle Sinne, baue Stress ab, sorge für saubere Luft und reines Trinkwasser. Nicht umsonst seien die Finnen, deren Land zu 75 Prozent bewaldet sei, die glücklichsten Menschen.

„Unser Wald ist ein Multitalent“, sagte Koller. Dazu sei der Baustoff Holz ein „Schlüsselbaustoff“ in der Klimakrise: „Modern, gesund und gemütlich zu bauen ist mit Holz sehr gut möglich!“ Es sei zudem ein nachhaltiger Brennstoff.

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Aktuell sei man auf einem guten Weg zum klimastabilen Wald. „Schützen und Nutzen ist und bleibt der richtige Ansatz“ – so bleibe der Wald Lebensgrundlage. Die vier Preisträger würden vorbildlich mit ihren Wäldern umgehen. Naturnahe, nachhaltige Waldbewirtschaftung stehe bei ihnen im Zentrum ihres forstlichen Handelns. Auch auf kleinen Flächen werde hier mit viel Herzblut und Leidenschaft der Wald umgebaut, verjüngt und in Kooperation mit der Natur bewirtschaftet. Landrat Franz Löffler, der die Preise gemeinsam mit den Juroren und ARGE-Vertreter Koller übergab, führte Fakten ins Feld, um die Bedeutung des Waldes bei uns hervorzuheben.

Die Waldfläche wächst

Vor 30 Jahren seien 40 Prozent der 1500 Quadratkilometer Landkreis bewaldet gewesen – heute seien es 43 Prozent. Der Anteil für ganz Bayern liege nur bei 35 Prozent. Doch wem gehört der Wald, fragte er die Runde – und klärte auf: In Bayern seien 55 Prozent in Privatbesitz, bei uns 78 Prozent. „Der Wald bei uns ist in der Hand der Menschen!“, schloss er daraus.

12 600 Waldbesitzer habe der Landkreis, die Durchschnittsbesitzfläche liege bei 3,1 Hektar Wald. Was ihm heute Sorgen mache, sei, dass manche Erben gar nicht wüssten, wo ihr Waldbesitz sei, ob der Käfer dort sei oder wo die Grenzsteine lägen. „Daher bin ich Fan der Waldbesitzervereinigungen“, so Löffler. Ohne sie würde vieles nicht funktionieren, wie etwa die Vermarktung des Holzes. Löffler erinnerte an die aktuelle Insolvenz von Ziegler, des größten Sägers in Europa – die wirtschaftliche Nutzung sei wichtig.

Im Landkreis Cham würden jährlich 620 000 Kubikmeter Holz geerntet. Denn, wer nicht auf seinen Wald aufpasse und ihn pflege, etwa wenn der Käfer komme, da müsse von Amtswegen Hand angelegt werden – da bleibe ihm und dem Landratsamt keine Wahl. Ähnlich sei es mit Wald und Wild – „überall funktioniert das nicht!“

Mit dem Holzanteil im Hausbau sei er zufrieden, doch wo das Holz dafür herkomme, da gebe es für den Landkreis noch Nachholbedarf, befand Löffler und erinnerte an den regionalen Wirtschaftskreislauf als Ziel: „Es muss nicht sein, dass es an Weihnachten Tomaten und Gurken aus Spanien gibt.“

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung vom Musikantenduo Hermann und Erwin, die mit Liedern rund um den Wald den Geschmack der Gäste trafen.

Die vier Waldpreisträger 2024

Manuela Geiger: Zur Waldbesitzerin vom Einödhof Schneiderberg in der Gemeinde Lohberg zeigte Laudator Forstamtsdirektor Dr. Bauer das Idealbild des seit 1980 umgebauten Waldes . „Das gibt es nicht geschenkt!“, so Bauer. Es brauche Zeit und viel Geschick, die Jagd müsse passen und man brauche Mut, Bäume auch umzuschneiden. Manuela Geiger bewirtschafte die 100 Hektar Wald, die alle um den Hof lägen, seit dem Tod ihres Mannes mit ihren drei Söhnen. Der Bergmischwald werde in Plenterwirtschaft bearbeitet – 500 Festmeter würden hier jährlich geerntet. Dank eigener Jagd überlebe der Jungwald. Es gebe einen beregneten Lagerplatz fürs Holz, ein mobiles Sägewerk und eine Holzvergaseranlage für Strom und Wärme, die den Hof autark mache.

Katharina und Bernhard Rädlinger: Die Geehrten aus Weiding sind Kleinwaldbesitzer mit 6,2 Hektar Fläche, was über dem Landkreisdurchschnitt liegt – jedoch auf sieben Parzellen verteilt. Seit 40 Jahren werde der Wald bewirtschaftet und aus dem Fichtenaltbestand ein klimastabilerer Wald gebaut. Alles sei hier jedes Jahr genau aufgezeichnet worden, was die Jury verwundert habe. 9,2 Festmeter pro Hektar und Jahr werden hier geerntet. Der Umbau passe, habe hier dank der Bewirtschaftung immer gepasst – elf neue Baumarten wie Edelkastanie, Stieleiche oder Weißtanne seien hier zur Ergänzung gepflanzt worden, es gebe Zäune zum Schutz und eine Jagdverbesserung. Die Geehrten seien ein gutes Beispiel, wie hier für die Werte, für das Eigentum, eingestanden werde.

Alfons Vogl: Der dritte Waldbauer, der ausgezeichnet wurde, kommt aus Tiefenbach, hat drei Kinder – darunter auch die aktuelle Bayerische Waldkönigin. Er besitzt 100 Hektar Wald und eine kleine Landwirtschaft, ist selbst Forstingenieur und engagiert bei der Waldbesitzervereinigung. Dr. Bauer erläuterte die lange Geschichte des Hofes. Der Wald sei vom Altbestand mit 80 Prozent Fichte als Brotbaum ab 1992 zur Dauerwald-Bewirtschaftung umgebaut worden. Mit viel Licht bis zum Boden sei so ein klimastabiler Wald entstanden, begleitet zudem von fleißiger Eigenjagd. Hier gebe es kaum Verbiss von Jungbäumen. Der Hof habe auch ein eigenes Sägewerk mit Lohnschnittangebot, was auch die besondere Wertschätzung der Arbeit mit dem Wald wiederspiegle.

Hubert und Christoph Rauscher: Vater und Sohn Rauscher aus Bad Kötzting passen nicht ganz in die Geehrten-struktur. Hubert Rauscher ist erst im Ruhestand Waldbauer geworden, da er aus der Kindheit Wald zu sehr mit Arbeit verband. Seit 2007 besitzt die Familie fünf Hektar Wald auf drei Flächen und ist infiziert vom „Waldvirus“, der Begeisterung für den Wald. Den Bestand aus Fichte bauen sie seit 2008 um mit allen möglichen Baumarten, wie Edelkastanie, Buche oder auch Weißtanne – vier Fünftel sind bereits fertig. Auch wenn 16 Jahre im Wald nur ein Wimpernschlag sei, hätten Rauschers in kurzer Zeit Beispielhaftes geschafft, das Hoffnung mache, so der Laudator. Es zeige, dass es nie zu spät sei für eine Waldbegeisterung, und der Umbau auf kleiner Fläche gelingen könne.