Jäger und Förster sind sich nicht grün: Im Rodinger Revier ist kein Kompromiss in Sicht

Im Februar dieses Jahres gab es im Revier bei Roding im Landkreis Cham einen Krisengipfel. Bei Großenzenried im Markt Stamsried trafen der Jagdpächter mit seinen Mannen auf den Revierförster und die Forstbehörde, dazwischen die Jagdgenossen und die Untere Jagdbehörde. Es ging um Wild und um Wald. Einigkeit in der Sache gab es am Ende nicht – das hat sich auch neun Monate später nicht geändert.
Es prägen hier zweierlei Sichtweisen im Revier die Debatte, die auch anderswo seit Jahren zu Kontroversen führen. Alles dreht sich am Ende um die Frage, wird hier im Wald genug geschossen oder nicht? Grundlage war und ist das forstliche Gutachten zum Verbiss des jungen Waldes – und das stellte klare Signale: der Abschuss muss erhöht werden.
Verbiss oder nicht?
Im Februar durften beide Seiten dem Moderator der Waldbegehung, Forstamtschef Dr. Arthur Bauer, ihre Flächen im Wald zeigen, wo viel oder wenig Verbissspuren sichtbar waren. Dr. Bauer suchte zwar den Kompromiss, doch auch er fand ihn zwischen seinem Mitarbeiter und dem Jagdpächter nicht. Jedoch ließ er keinerlei Zweifel am Forstgutachten zum Verbiss von Jungbäumen, wie oft von Jägerseite zu hören, zu. Es sei die gesetzlich festgelegte und wissenschaftlich anerkannte Basis für die Erfassung – daran gebe es nichts zu rütteln. Dabei wird an systematisch ausgesuchten Stellen geschaut, wie viele und welche Jungbäume an den spitzen verbissen werden und was das für Folgen fürs Revier hat. In Wald und Flur bei Großenzenried wird demnach zu viel Jungwald vom Rehwild gefressen – daher ist es das einzige Chamer Revier, wo die Abschussempfehlung auch nach der jüngsten Erfassung „deutlich erhöhen“ lautet.
„Totalschaden“ an Jungbäumen
Bereits dreimal hintereinander, also über neun Jahre hinweg, sei das Gebiet – etwa 750 Hektar, davon 40 Prozent Privatwald von etwa 150 Besitzern – rot markiert worden, bestätigte Robert Schinabeck von der Unteren Jagdbehörde am Landratsamt vor Ort. Auch er war als Beobachter dabei. Das Jagdrevier steche damit heraus. Jedes Mal sei der Abschussplan erhöht worden – aktuell liege er bei 210 Stück Rehwild für drei Jahre, so Schinabeck im Februar. Umgerechnet seien das gut neun Rehe pro 100 Hektar, die hier als Minimum geschossen werden sollten – der Durchschnitt im Landkreis Cham liege bei 4,9 Rehen.
Die Forstvertreter und einige Waldbesitzer pochten jedoch auf eine weitere Erhöhung des Plans, da die Zahl offensichtlich nicht reiche. Amann untermauerte seine Forderung bei der Waldbegehung an ausgesuchten Stellen. Ohne Zäune komme hier kein Jungwald hoch – und vor allem kein klimastarker, vielseitiger Zukunftswald, der das Ziel ist. „Passiert ist nichts. Viele Waldbesitzer sind unzufrieden!“, resümierte Stefan Amann. Mancherorts gebe es bei den Jungbäumen „Totalschaden“.
Körperlicher Nachweis
Langjährige Jagdpächter ist der Rodinger Immobilienunternehmer Alexander Preis, der mit fünf weiteren Jägern hier auf die Pirsch geht. Preis, dessen Familie das Revier seit drei Generationen als Jagdpächter betreut, wollte die Vorwürfe nicht auf sich sitzen lassen, dass zu wenig geschossen werde. „Wir erfüllen den Abschussplan!“, sagte er. Zeitweise habe man auf alles geschossen, was kam – „ohne Rücksicht“. Er habe dies sogar drei Jahre lang per „körperlichem Nachweis“ – also durch Vorzeigen der geschossene Rehe – nachgewiesen und sei auch bereit, das wieder zu tun.
Um die Argumente Amanns zu entkräften, zeigte er selbst Flächen, wo sich die Jungbäume durchaus gut entwickelt hatten und säte damit Zweifel an den Aussagen Amanns. Preis hatte auch die Lage des Reviers als Ursache für die Verbisse verantwortlich gemacht. Es liege zu einen direkt an der Landkreisgrenze, ziehe sich zudem wie an mancher Stelle wie ein schmaler Schlauch zwischen die Nachbarreviere. Die seien grün eingeordnet, so ein Waldbesitzer mit Wald auf beiden Seiten, doch auch dort seien viele Verbissspuren zu finden. Robert Schinabeck hatte darauf verwiesen, dass Abschusspläne durchaus übererfüllt werden dürften. Möglich seien 20 Prozent mehr, aber auch 50 Prozent, wenn nötig. So blieb am Ende die Forderung, mehr Rehe zu schießen, um mehr Jungbäume zu schützen und den Waldumbau vorwärts zu bringen.
Förster sieht keine Verbesserung
Nachdem Alexander Preis wenig später weiterhin das Vertrauen der Mehrheit der Jagdgenossen für weitere Jahre als Jagdpächter zugesprochen bekam, ist heute die Frage – nach dem Showdown im Wald – wie es dort weitergegangen ist. Förster Stefan Amann sieht keine Besserung: „Die Situation hat sich im Hinblick auf die Waldverjüngung nicht verändert. In diesem Jahr wurde wie alle drei Jahre das Forstliche Gutachten durchgeführt.“ Das Ergebnis, so Amann auf Nachfrage, sei nicht befriedigend. Da die Hegegemeinschaft Stamsried eine dauerhaft rote Hegegemeinschaft sei, habe für das Jagdrevier Großenzenried eine sogenannte „Revierweise Aussage“ erstellt werden müssen, betont der Förster. „Leider ist der Verbiss trotz angeblicher Abschussplanerfüllung noch so hoch, dass das Jagdrevier Großenzenried erneut als deutlich zu hoch eingewertet werden musste“, was der schlechtesten Verbissbewertungsstufe entspreche. Preis sei bei der Jagdversammlung erneut für neun Jahre als Revierinhaber gewählt worden. Die Waldbesitzer seien dabei zweigeteilter Meinung. „Leider werden wie verrückt Zäune gebaut, und der Lebensraum für alle Wildtiere immer kleiner. Darunter leiden auch das Landschaftsbild und der Erholungsfaktor im Wald“, beschreibt Amann die Lage: „Ohne Zäune wäre aber eine Naturverjüngung außer mit Fichte nicht möglich.“ Den Waldbesitzern sei von der Forstbehörde in der Revierweisen Aussage angeraten worden, einen körperlichen Nachweis über erlegte Rehe in Erwägung zu ziehen, wie ihn Preis schon einmal abgeliefert hatte und sich auch wieder dazu bereit erklärte.
Pächter: „Erfüllen Abschussplan vollständig“
Der Jagdpächter sieht dagegen auf Nachfrage wenig Anlass, mehr zu tun, denn: „Wir erfüllen die Auflagen des Abschlussplanes vollständig und sorgen für bestmögliche Transparenz im Revier gegenüber unseren Jagdgenossen.“ Eine genaue Auskunft zu erlegten Stückzahlen könne er aber aufgrund des noch nicht abgeschlossenen Jagdjahres leider noch nicht sagen. so Preis. Aufgrund der guten Zusammenarbeit mit den Jagdgenossen habe man heuer auch sehr gute Erfolge bei der Schwarzwild-Bejagung erzielt, was besonders erfreue. „Durch die Zuverfügungstellung von Flächen der Landwirte, konnten wir auch für unser Rehwild schöne und gut gelungene Wildäcker anlegen“, betonte Preis. Von Förster Amann habe er seit dem Waldbegangen aber nichts mehr gehört.