Niedlicher Nachwuchs und Zertifizierung für Bustouren: Neues auf der Straußenfarm bei Stamsried

Von Oliver Hausladen · 2. September 2024 um 15:00

Bis zu 2,80 Meter groß kann ein Strauß werden. Die aktuellen Stars auf der Farm von Maria und Manfred Betz im Stamsrieder Ortsteil Großenzenried sind aber wesentlich kleiner: Anfang August sind sechs Küken geschlüpft, die mittlerweile schon flott auf dem Gelände unterwegs sind.

Die niedlichen kleinen Laufvögel begeisterten die Teilnehmer einer Führung genauso wie die zahlreichen Infos zu den Tieren, mit denen sie Maria Betz versorgte.

Insgesamt rund 70 Tiere gibt es mittlerweile auf der Farm, welche die Familie Betz im Nebenerwerb betreibt. Recht viel mehr sollen aus auch nicht werden. Für bis zu 80 Strauße gibt es eine Genehmigung, dann seien aber auch andere Limits erreicht, sagt Maria Betz. „Mehr wäre zu zweit im Nebenerwerb nicht zu leisten“, erläutert sie. Außerdem gingen die Produkte, die jetzt vorhanden sind, gut weg. „Wir wollen auch nichts wegwerfen“, betont sie.

Führungen auf Anfrage

Der Markt für Eier, Fleisch und viele weitere Artikel, zu denen die Strauße verarbeitet werden, sei in der Region gegeben, haben sie und ihr Mann festgestellt: „Der Umsatz ist gut.“ Verkauft wird im Internet, direkt im Hofladen und auf Märkten im Umland. „Da sind wir viel unterwegs, das ist auch wichtig“, sagt Manfred Betz.

Dass die Tiere auf der Farm selbst für Nachwuchs sorgten, war das erste Mal, „wir haben es einfach mal ausprobiert“, erläutert Manfred Betz. Es könnte aber eine Ausnahme bleiben, da es unter anderem die Schwierigkeit gibt, dass die Tiere weniger zutraulich gegenüber Menschen sind – was unter anderem ein Problem sein könne, wenn es zur Schlachtung, die auf dem Hof stattfindet, gehe. „Wir sind dann nicht die Hauptbezugsperson für die Jungtiere, sondern die Eltern“, erklärt Manfred Betz.

Führungen nach Voranmeldung

Auf Voranmeldung gibt es Führungen auf der Straußenfarm, auch für Busgruppen – wie am Freitag, als um die 30 Personen kamen, darunter auch Stamsrieds Bürgermeister Herbert Bauer. Es war auch die Abnahme für die „Landerlebnisreisen Bayern“, ein Verein, der Bustouren zu besonderen Bauernhöfen anbietet.

Die Familie Betz freute sich über das große Interesse der Besuchergruppe, die viele Fragen stellte. Besonders für die Kinder war es ein Erlebnis, die großen und kleinen Laufvögel, die bis zu 70 Stundenkilometer schnell laufen, aber nicht fliegen können, zu bestaunen.

Auf Initiative von Maria Betz wurde die Straußenfarm vor knapp drei Jahren gestartet. Nachdem die Landwirtschaft 1990 eigentlich aufgegeben wurde, wollte die Großenzenriederin weiter Tiere auf ihrem Bauernhof haben. Als sie 2017 mit einer Gruppe des Maschinenrings zu Gast auf einer Straußenfarm war, war es um sie geschehen, berichtet sie: „Die Tiere haben mich sofort fasziniert, vor allem die schönen, großen Augen. Ich wollte das auch.“ Ihr Mann ließ sich überzeugen, so dass im November 2021 die ersten Strauße nach Großenzenried kamen.

Resistent bei Klima

Die Tiere seien klimatechnisch sehr resistent, erzählt Maria Betz, Frost mache ihnen genauso wenig aus wie hohe Temperaturen. Sie werden das ganze Jahr über draußen gehalten. Es gibt zwar auch einen Unterstand, dieser wird aber nur selten genutzt.

Das Füttern gestaltet sich relativ einfach: Neben Gras von der Weide werden Getreide, Mineralien und Steine (diese brauchen die Tiere zum Verdauen) zugefüttert. Etwa in der Zeit zwischen März und September legt eine erwachsene Henne alle 48 Stunden ein Ei, das ein beachtliches Gewicht auf die Waage bringt: 1200 bis 1600 Gramm, das entspricht zwischen 23 und 25 Hühnereiern. Aber auch schwerere Eier sind keine Seltenheit.

Dass Fleisch und Eier bei den Kunden sehr gut ankommen, habe neben dem Geschmack weitere Gründe, erläutert sie: Die Produkte sind fast cholesterinfrei. Das Fleisch ist sehr mager, die Eier sind auch für Menschen geeignet, die eine Allergie gegen Hühnereiweiß haben. Wie ein Ei aufgebohrt und zubereitet wird, zeigte sie am Ende der Führung den Gästen.

Sehr viel kann verwendet werden

Nutzung: Die geschlachteten Tiere werden fast komplett verwertet.

Eier und Fleisch: Neben den Eiern (die Schalen können als Deko verwendet werden) gibt es Straußenfleisch, etwa 30 bis 35 Kilogramm pro Schlachttier.

Breites Sortiment: Zudem sind ganzjährig Eierlikör, Nudeln, Cremes und Balsam im Angebot.

Sehnen für Bogen, Federn für Staubwedel: Die Sehnen der Strauße können für Herstellung von Bogen verwendet werden, Federn oft für Staubwedel.

Auch Leder kann genutzt werden: Das Leder kann für Geldbörsen, Taschen oder Schuhe verwendet werden, Familie Betz ist dabei aber noch auf der Suche nach einem Weiter-Verwerter.

Seife aus Fett wäre möglich: Dies gilt auch für das Fett der Tiere, aus dem Seife produziert werden könnte.

Die Besuchergruppe lauschte den Informationen von Maria Betz, ebenso interessiert gab sich einer der größeren Laufvögel.