B299-Ausbau: Wie kommt der Sinneswandel der Stadt bei den Neumarktern an?

Die vergangenen Tage gaben Zeit, um die Nachricht des vergangenen Freitags sacken zu lassen: Der Neumarkter Stadtrat wird am 27. November abstimmen, ob er gegen den teilweisen dreispurigen Ausbau der B299 ist. Dass eine Mehrheit den Ausbau ablehnen wird, ist sehr wahrscheinlich. Dafür gibt es viel Zustimmung, aber auch etwas Kritik.
Die Umfrage, die unser Medienhaus auf seiner Homepage seit vergangenen Freitagabend laufen ließ, fällt eindeutig aus. 1637 Menschen beteiligten sich bis Dienstag um 15.30 Uhr daran. 86 Prozent von ihnen stimmten mit Ja bei der Frage „Soll sich der Neumarkter Stadtrat gegen den dreispurigen B299-Ausbau aussprechen?“.
Unter einen Post auf der Instagram-Seite des Neumarkter Tagblatts kommentierten hingegen einige Nutzer den möglichen Richtungswechsel kritisch. „Warum? Industriegebiete wachsen. Der Verkehr nimmt zu. Das ist echt lächerlich“, schreibt ein User.
B299 ist nicht überlastet
Für den Sinneswandel macht Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn (CSU) indes gerade den Umstand verantwortlich, dass die Bundesstraße nicht überlastet ist. Das zuständige Staatliche Bauamt in Regensburg bestätigt dies. Der dreispurige Ausbau hätte allein das Ziel gehabt, den Verkehr zu verflüssigen und Lastwagen besser überholen zu können. Überlastet sei die B299 nicht.
Einen Sinneswandel liest mancher Stadtrat auch aus dem Verhalten des Staatlichen Bauamts heraus. In den vergangenen drei Jahren sei wenig passiert. Die Behörde habe bei dem Projekt nicht mehr mit dem gleichen Druck wie noch in früheren Jahren agiert.
Stadtrat Neumarkt war einst für dreispurigen Ausbau der B299
Die neue Entwicklung komme dem Bauamt in Zeiten knapper werdender öffentlicher Kassen nicht ungelegen, mutmaßt ein Neumarkter Politiker. Oder ist der Behörde schlichtweg nicht entgangen, dass der lokalpolitische Rückhalt für den B299-Ausbau trotz mehrerer zustimmender Abstimmungen in den Jahren 2017 und 2021 zunehmend ins Wanken geraten ist? Berthold Schneider vom Staatlichen Bauamt sagt dazu lediglich: „Ich will mich nicht verstecken, aber wir brauchen die politische Unterstützung vor Ort“.
Die ist jetzt weg – was den dreispurigen Ausbau anbelangt. Wünsche haben die Neumarkter Politiker aber dennoch. Problemstellen wie die Rittershofer Kreuzung und der unfallträchtige Pöllinger Kreisverkehr wollen die Stadträte weiterhin vom Staatlichen Bauamt gelöst haben.
Staatliches Bauamt will Lösung für Rittershofer Kreuzung vorstellen
Schneider trifft das nicht unvorbereitet. Es hat vorab Gespräche mit Ochsenkühn gegeben. Wie das Bauamt die genannten Themen konkret lösen will, verrät Schneider noch nicht. Er will der Sitzung des Stadtrats am 27. November nicht vorgreifen. Dort werde er überarbeitete Pläne vorstellen.
Die werden auch in Sengenthal beobachtet. Als 2011 erste Gespräche über einen Ausbau der B299 stattfanden, war das Unternehmen Max Bögl beteiligt. „Wichtig ist für uns als Industrieunternehmen mit großen, schweren Bauteilen, dass die B299 bis zur Autobahnauffahrt so gut es geht schwerlasttauglich ausgebaut ist“, sagt Unternehmenssprecher Jürgen Kotzbauer.
Das sei inzwischen „im Großen und Ganzen“ der Fall. Ein abschnittsweiser Ausbau auf drei Spuren brächte den Vorteil, dass Schwertransporte leichter überholt werden könnten und der Verkehr flüssiger werde. „Wenn das nicht so umgesetzt werden sollte, dann wird es leider weiter so sein, dass sich die Verkehrsteilnehmer hinter Transportfahrzeugen, Traktoren etc. einreihen müssen“, sagt Kotzbauer.
Ein flüssiger Verkehr sei für Bögl wie für viele andere Firmen mit einer Vielzahl an Arbeitsplätzen und Transportaufkommen sehr wichtig, sagt Kotzbauer. „Darum plädieren wir für einen zukunftsfähigen Ausbau der B299.“
Was Landrat Willibald Gailler zur Angelegenheit B299-Ausbau sagt
Begeisterung klingt anders. So kann man auch das Statement von Landrat Willibald Gailler zusammenfassen: „Wenn sich die Stadt nun für den Bereich der Umgehung Neumarkts anders positioniert, liegt das in ihrer Planungshoheit“.
Dass Gailler die neue Haltung für falsch hält, lässt sich aus seinen weiteren Erklärungen ablesen. Landkreis, Gemeinden, Abgeordnete und Behörden hätten sich seit mehr als einem Jahrzehnt einmütig für einen „bedarfsgerechten Ausbau“ der B299 ausgesprochen. Für den Landrat gehören dazu auch abschnittsweise drei Spuren. Neben der Verkehrssicherheit argumentiert Gailler vor allem damit, dass eine leistungsfähige B299 für die wirtschaftliche Entwicklung wichtig sei. Nicht zuletzt aufgrund des prognostizierten Anstiegs beim Verkehr will er am Ziel festhalten, die B299 leistungsfähig zu ertüchtigen.