Berufsbetreuer (35) aus Regensburg gesteht sexuelle Übergriffe auf Mandanten

Von André Baumgarten · 19. November 2024 um 17:00

Ein 35-Jähriger soll eine Frau gezwungen haben, mit ihm Sex-Telefonate zu führen – und offenbar gibt es noch mehr Opfer des Berufsbetreuers aus Regensburg. Doch die wollten nicht aussagen. Dank eines Deals vor Gericht bleibt das auch den bekannten Geschädigten erspart.

Vier Frauen, die wegen psychischer Erkrankungen unter seiner Betreuung gestanden haben, soll ein 35-Jähriger missbraucht haben. Im Prozess gegen den Mann gestand der gestern alle Vorwürfe. So ersparte er den Opfern eine Aussage. Zuvor hatte er einen Deal gemacht, wonach ihn nicht mehr als zwei Jahre auf Bewährung erwarten. Wie sich zu Beginn der so deutlich verschlankten Beweisaufnahme zeigte, könnten die angeklagten Fälle nur die Spitze des Eisberges gewesen sein.

Mit Aktenkoffer und im Anzug erschien der Mann vor Gericht. Alles in schwarz, auch die Maske, die er trug, um von Reportern nicht erkennbar abgelichtet zu werden. Nur das kleine Notizbüchlein in beige und der blaue Kugelschreiber setzten farblich Akzente. Was hingegen an Vorwürfen gegen den 35-Jährigen vorgetragen wurde, blieb dunkel. Denn: Es gab offenbar weit mehr Geschädigte, die aber zu keiner Aussage vor Gericht bereit waren. Das sagte eine Ermittlerin in ihrer Aussage mehr als deutlich.

Schlüpfriges WhatsApp-Telefonat aufgezeichnet

Das Opfer, dem der Angeklagte am übelsten mitgespielt haben soll, war gut eineinhalb Jahre in seinen Fängen. Diese Frau war es auch, die eines der von ihm geforderten schlüpfrigen Telefonate mit dem Handy der Tochter aufzeichnete. Weil sie sich damit einer Familienhelferin anvertraute, kamen die Ermittlungen in Gang. Und die förderten nicht nur die drei weiteren Geschädigten aus der Anklage zutage – in den gesichteten Unterlagen zahlloser Betreuer des Mannes fielen zudem Versäumnisse auf. Nicht gestellte Anträge führten demnach zu entgangenen Leistungen, versäumte Zahlungsfristen zu erhöhten Kosten.

Die Unzufriedenheit von Betreuten führte wohl häufiger zu Beschwerden. Weshalb der Berufsbetreuer aus Regensburg immer wieder auch von seinen Aufgaben entbunden wurde. Mehr noch: Immer wieder wurden offenbar ganz ähnliche Vorwürfe laut, erklärte die Ermittlerin. Der Mann habe sich unangemessen genähert, Hände gestreichelt, umarmt. In den Akten fanden sich wohl zahlreiche Stellungnahmen, die er dazu an Gerichte verfasste und alles bestritt. Vier Opfer waren am Ende bereit auszusagen. So kam auch ans Licht, dass der 35-Jährige einer Geschädigten wohl damit drohte, kein Geld mehr auszuzahlen oder ihr das Kind wegnehmen zu lassen, wenn sie sich verweigere.

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Dem Geständnis war eine Verständigung vorausgegangen, die seine Verteidiger Hubertus Werner und Helmut Mörtl schon im Vorfeld vorangetrieben hatten. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurden die Untreue-Vorwürfe vorläufig eingestellt. Die Straferwartung sei im Vergleich zu den übrigen Anklagepunkten zu gering. Ersetzen wolle der 35-Jährige den Schaden aber, so die Anwälte. Und: Ihr Mandant „bedauert die Geschehnisse außerordentlich“, so Mörtl.

Als Auflagen für einen Deal hatte die fünfte Strafkammer zudem festgelegt, dass der Angeklagte den Opfern Wiedergutmachung zahlen soll: Eine Frau soll 10 000 Euro, zwei weitere Geschädigte sollen je 2000 Euro erhalten. Leer geht nur die vierte Betroffene aus – sie war vor dem Prozess verstorben. Eine Schmerzensgeldzahlung wäre nicht möglich, wie Vorsitzender Richter Zenger betonte.

Urteil wird bereits am Donnerstag verkündet

Wenngleich das Geständnis, so die Ansicht des Landgerichts, „schlank“ ausfiel, gewähre es dem 35-Jährigen einen Bonus. Gewertet werde es als hochwertig, weil man den Opferschutz in Fällen wie diesen nie außer Acht lassen dürfe. Zumal es sich um psychisch angeschlagene Menschen handle. Das Urteil gegen den Ex-Berufsbetreuer soll morgen fallen. Eine größere Überraschung dürfte dabei allerdings nicht mehr zu erwarten sein.