Retter attackiert, im Linienbus ausgerastet – Regensburgerin (26) droht Unterbringung in Psychiatrie

Von André Baumgarten · 19. November 2024 um 05:00

Eine Regensburgerin (26) soll Fahrgäste in einem Bus attackiert sowie einen Feuerwehrmann und Polizisten angegriffen haben. Die Staatsanwaltschaft hält die 26-Jährige für hochgefährlich, ein Gutachter sie für psychisch krank. Im Prozess werden eine Vielzahl von Zeugen aussagen müssen.

Mitte März rastet eine 26-Jährige aus, wütet in einem Regensburger Hotel und löst Feueralarm aus. Ein Retter, der mit dem Löschzug zum Einsatzort rast, wird um ein Haar von einem Feuerlöscher getroffen, den die Frau aus dem fünften Stock geworfen haben soll. Es ist nicht der einzige Vorwurf, für den sie sich nun vor Gericht verantworten muss – ihr droht die dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie. Im Prozess am Montag schwieg die Frau zunächst zu allen Vorwürfen.

Die Warnung eines Feuerwehrkollegen könnte in jener Nacht Schlimmeres verhindert haben. Laut der Antragsschrift ging der Retter in Deckung – so verfehlte der sechseinhalb Kilo schwere Löscher ihn. Nur drei Tage später, am 20. März, soll die Frau im Park am Regensburger Hauptbahnhof mit der Faust zugeschlagen haben. Wieder eine Woche später soll die 26-Jährige im Drogenrausch ein unversperrtes Auto gekapert und ein weiteres beschädigt haben, ehe sie im Anschluss zu Fuß flüchtete. Zuvor soll sie wohl in Neutraubling bei einem Diebstahl mit Waffen ertappt worden sein.

Drei Großeinsätze der Polizei waren nötig

Die Liste der Vorfälle ist damit aber längst nicht zu Ende: Am 12. April soll sie in einem Linienbus so ausgerastet sein, dass mehrere Zeugen das Opfer der Attacke schützen mussten. Die schirmten die Geschädigte dabei förmlich ab. Darauf sollen drei größere Polizeieinsätze gefolgt sein – bei denen die 26-Jährige wohl jedes Mal gewalttätig gegen Polizisten wurde. Die hatten laut Antragsschrift ihre liebe Mühe, die aggressive Frau zu bändigen. Eine Beamtin soll mit der Faust am Kiefer getroffen worden sein, einem anderen soll sie hart ans Schienbein getreten haben.

Laut eines psychiatrischen Gutachtens soll die junge Regensburgerin unter Schizophrenie leiden und schwerst drogenabhängig sein. Diese Einschätzung einer möglichen Schuldunfähigkeit führte dazu, dass gegen die 26-Jährige ein Sicherungsverfahren vor dem Landgericht angestrebt wurde. Das bedeutet, dass die Beschuldigte für die Taten am Ende keine Strafe und Haft zu erwarten hat, sondern die zehnte Strafkammer darüber entscheiden muss, ob die Frau dauerhaft in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden muss.

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Zehn Tatbestände quer durch die Gesetzbücher, einige davon vielfach erfüllt, weist die achtseitige Antragsschrift von der Staatsanwaltschaft aus – von Diebstahl mit Waffen über tätlichen Angriff auf einen Feuerwehrmann als auch Polizeibeamte samt Widerstand bis hin zu versuchter gefährlicher Körperverletzung, Unfallflucht und Verkehrsgefährdung. Laut Anklagebehörde stellt die 26-Jährige daher eine Gefahr für die Allgemeinheit dar.

Schwer bewacht: Fünf Begleiter bringen sie zu Gericht

Wie groß diese Gefahr eingeschätzt, zeigte sich bei der Vorführung der Frau: Zwei uniformierte Beamte und drei weitere Zivilkräfte begleiteten die Beschuldigte zum Prozess. Den hätte ihre Verteidigerin Susanne Karl lieber ohne Öffentlichkeit geführt – das lehnte die Strafkammer ab. Zu den Vorwürfen wollte sie sich ebenfalls nicht äußern. Das Landgericht hat fünf Prozesstage dafür anberaumt, eine Vielzahl von Zeugen anzuhören.

Nach derzeitiger Planung dürfte wohl erst Mitte Dezember eine Entscheidung fallen, ob für die Beschuldigte womöglich professionelle Hilfe amtlich angeordnet wird. Am 13. Dezember soll ein Urteil fallen.