Seniorenheime in Cham und ihre Kosten: Wertvolle Pflege wird immer teurer

Wer kann sich das noch leisten? Das ist die Frage, die bleibt beim Blick in die AOK-Pflegeheimsuche im Internet. „Zwei Drittel können feiern, ein Drittel muss jeden Euro zweimal umdrehen“, auf diesen Nenner hat es jetzt Karl Gschwendner gebracht. Doch was meint der Rodinger Sozialunternehmer damit?
Das ist einfach erklärt. Bei zwei Dritteln seiner Heimbewohner – er besitzt zwei Altenheime – zahlt der Staat die Heimkosten, ein Drittel zahlt selbst. Und da kommt einiges zusammen. Denn ein Platz im Heim bei Pflegestufe 1 kostet etwa in den Rodinger Einrichtungen zwischen knapp 2600 und gut 2700 Euro – monatlich. Dabei beschreibt die Summe nur den Eigenanteil. Die Pflegeversicherung beteiligt sich erst ab Pflegestufe 2. Renten und Rücklagen sind bei solchen Kosten schnell aufgebraucht – da bleibt nur Sozialhilfe.
Dass es einmal anders war, hat vor kurzem Landrat Franz Löffler in der Bürgermeisterversammlung beschrieben. Früher habe die Sozialhilfe bei maximal einem Drittel die Kosten übernehmen müssen, zwei Drittel hätten selbst gezahlt.
Das Bild habe sich umgekehrt und die Sozialausgaben massiv gesteigert. Dass nun die Sozialhilfe für die Mehrheit zahle, könne nicht der Anspruch für Menschen im Alter sein. Und solche Kosten zu kommunalisieren, auch nicht. Daher gibt es für den Landrat nur einen Weg: „Die Pflegeversicherung muss reformiert werden!“
Der Wert der Pflege
Wie sehen etwa die Rodinger Betreiber die Entwicklung? „Im Durchschnitt sind 30 bis 40 Prozent Sozialhilfeempfänger in unseren Häusern“, sagt etwa Mechthild Hattemer, Geschäftsführerin der Caritas Wohnen und Pflege gGmbH. Von den Heimkosten seien 75 bis 80 Prozent Personalkosten.
Bei den Sachkosten seien die Preissteigerungen im Bereich Energie, Verbrauchsmaterialien, Lebensmittel zu nennen. Aber auch Handwerkerrechnungen würden steigen. Je nach Preisentwicklung und den Tarifsteigerungen werde die Entwicklung so weitergehen – die Heimplatzkosten weiter steigen.
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„Wichtig wäre eine grundlegende Reform der Pflegeversicherung, mit mehr Geld im System“, sieht die Caritas-Expertin als Ausweg. Dr. Robert Seitz vom Diözesan-Caritasverband Regensburg weist zudem darauf hin, dass die Belastung für Pflegebedürftige mit Pflegegrad zwei bis fünf wichtig sei. Trägerübergreifend habe der Eigenanteil in Bayern Anfang 2024 ohne Zuschuss bei 2699 Euro gelegen.
Die Zuschüsse lägen zwischen 221 Euro (erstes Jahr) und 1105 Euro (ab dem dritten Jahr) im Monat. Dies reduziere die Gesamtbelastung auf bis zu 1594 Euro ab dem dritten Jahr. „Die Leistungen der Pflegeversicherung halten mit der Kostenentwicklung nicht mit.“ Es brauche einen ehrlichen gesellschaftlicher Diskurs über den Wert der Pflege und über die Frage, wer die Kosten zu tragen habe, so Seitz. Letztlich sei eine stärkere Unterstützung der Pflege aus Steuermitteln erforderlich. Beim Personal seien keine Einsparungen sinnvoll – dies würde zudem die Attraktivität des Pflegeberufs einschränken. „Aber, dass die Vergütung in der Pflege unterdurchschnittlich und schlecht ist, das ist definitiv nicht mehr korrekt“, betont Seitz.
Laut BRK-Kreisgeschäftsführer Manfred Aschenbrenner bewegt sich die Sozialhilfequote in den fünf stationären Einrichtungen des BRK-Kreisverbands im Durchschnitt bei 35 Prozent. In Roding betreue das Rote Kreuz 36 Personen – hier liege der Anteil von Bewohnern, die auf Sozialhilfe angewiesen seien, bei knapp 41 Prozent. Der Eigenanteil bei Pflegegrad zwei bis fünf für ein Einzelzimmer mit Dusche/WC liege hier bei 2664 Euro pro Monat, der sich nach 36 Monaten Aufenthalt auf knapp 1600 Euro verringere.
Manfred Aschenbrenner rät Angehörigen und Betroffenen, sich frühzeitig mit dem Thema Pflege zu befassen. Allein schon durch die Vernetzung stationärer, teilstationärer und ambulanter Angebote sei es angebracht, auf Pflegeberater zuzugehen und sich „im Dickicht einen Überblick zu verschaffen.“ Grundsätzlich fokussiere sich die allgemeine Kostendiskussion auf die Eigenbeteiligung in der stationären Pflege. In anderen Bereichen – bei den teilstationären oder ambulanten Angeboten wie Wohngemeinschaften – seien die eigenen Ausgaben überschaubarer.
Ein Faktor, der auf die Heimkosten durchschlage, sei die Bezahlung der Pflegekräfte, die gestiegen sei. „Dies ist allerdings rechtens und notwendig, da dieser Beruf in Anbetracht der physischen und psychischen Leistungen der Mitarbeiter unterbewertet war. Zur Attraktivität eines
Berufes gehört auch eine gerechte Bezahlung“, sagt Aschenbrenner. Wie seine Rodinger Heimleiterin Yvonne Schönemann ergänzt, gebe es auf der Pflegestation kaum Fluktuation. Die Mitarbeiter seien dementsprechend eingestuft, was auch höhere Lohnkosten mit sich bringe. Es sei eine richtige Entscheidung des Gesetzgebers gewesen, mehr Hände ins System zu geben, so Aschenbrenner – also die Personalschlüssel zu verändern: „Daraus folgen aber natürlich steigende Kosten.“
Mehr Geld ins System
Zusätzlich verschärft habe sich die finanzielle Ausgangslage für die Heimträger durch Sachkosten, die in ungeahnte Höhen gestiegen seien. „Und das spürt man auch bei den Preisen – beispielsweise für die Wäschereien oder die Küchen und Lebensmittel“, zeigt Aschenbrenner auf. Steigende Kosten würden überwiegend von den Bewohnern getragen – seit jeher. Im Kontext leerer Kassen im Gesundheitssystem sei dies nur eine logische Weiterführung des bisherigen Vorgehens: „Nach wie vor sind gut die Hälfte der Bewohner Selbstzahler.“
Insofern dürfe man sich nicht wundern, dass die oben genannten Kosten umgelegt würden: „Und diese Entwicklung wird 2025 weitergehen!“
Aus seiner Sicht gebe es nur diese Möglichkeiten: „Entweder halten wir unsere bisherige Qualität und die Strukturen, dann hat Pflege ihren Preis. Oder wir senken das Niveau ab. Das halte ich persönlich für problematisch.“ Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach habe eine Pflegereform angekündigt. „Das ist eine Chance, unnötige Bürokratie über Bord zu werfen“, meint der Kreisgeschäftsführer, der dafür eintritt, „die Eigenanteile der Pflegeversicherung im stationären Bereich zu erhöhen, damit nicht alles auf die Heimbewohner und Angehörigen durchschlägt.“
Die Erfahrungen der vergangenen Monate zeigten bereits, dass das Einstufungsmanagement der Pflegekassen restriktiver werde. „Bei einem abgelehnten Antrag sollten Betroffene durchaus öfter Widerspruch einlegen“, rät Aschenbrenner.
Die Kosten in Seniorenheimen am Beispiel Roding
Heime: Drei Seniorenheime hat die Stadt Roding zu bieten: St. Michael des Sozialunternehmers Karl Gschwendner, das Alten- und Pflegeheim Eustachius-Kugler-Haus und die BRK-Pflegestation im ehemaligen Krankenhaus.
Kosten: Die Kosten in Pflegestufe 1 liegen dabei zwischen knapp 2600 und gut 2700 Euro monatlich, wobei die Pflegeversicherung erst ab Pflegestufe 2 mitbezahlt. Der durchschnittliche Eigenanteil in ganz Bayern lag bei rund 2700 Euro ohne Zuschuss. Der Betrag kann je nach Pflegestufe und Aufenthaltsdauer sinken.
Tendenz: Da Alltagskosten wie auch Personalkosten steigen, sehen die Experten auch künftige Kostensteigerungen für Heimplätze voraus.