Der Pflegeversicherung geht‘s Geld aus: Ist ein Sparkurs für Patienten in Roding spürbar?

Am Ende geht es ums Wohl der Menschen – und ums das Geld. Eine Abwägungssache? Eigentlich nicht, es sei denn, das Geld wird knapp. So ist das aktuell in der Pflegeversicherung – wobei die Folgen schon länger spürbar seien, vor allem für die, die damit eigentlich rechnen würden – die Patienten, sagt Karl Gschwendner.
Der Rodinger Pflegeunternehmer, der einen ambulanten Pflegedienst, zwei Tagespflegeeinrichtungen und zwei Seniorenheime betreibt, ist oft mit den Klagen der Angehörigen konfrontiert, wenn wieder der Antrag für eine Pflegestufe abgelehnt worden sei.
Dem Gefühl nach nehme das zu, teils vergingen Monate, bis da entschieden werde – und oft, trotz sichtbarer Behinderungen und Problemen gegen die Patienten. „Wir haben einen Fall, der jetzt vor dem Sozialgericht entschieden wird, da pflegen wir seit zwei Jahren, ohne eine Vergütung dafür zu bekommen“, beschreibt Gschwendner. Am Jahresanfang sei es einfacher, eine Pflegestufe zu bekommen, als am Jahresende, meint er.
„Er hat nur drei von notwendigen 13 Punkten für die Pflegestufe bekommen“
In einem krassen Fall habe der Patient, der jung, aber dement sei, vor der Begutachterin des Medizinischen Dienstes in die Hose uriniert – und dennoch keine Pflegestufe bekommen: „Er hat nur drei von notwendigen 13 Punkten für die Pflegestufe bekommen.“ Jeden Monat gebe es ein, zwei solcher Fälle. Dem Medizinischen Dienst fehle oft die praktische Erfahrung, um Situationen richtig einschätzen zu können.
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Gleich zwei Sorgenkinder hat Gschwendner in seiner Unternehmensgruppe – den ambulanten Pflegedienst und die Seniorenheime. Für beide Bereichen wachsen die Kosten unaufhörlich, ohne dass hier ein Ausgleich etwa aus der Pflegeversicherung zu erwarten sei. Im ambulanten Pflegedienst seien es gestiegene Energie- und Autokosten.
Um weniger Treibstoff zu verbrauchen, sei das Versorgungsgebiet eingeschränkt worden. Dennoch summiere sich die Kilometerzahl für die 400 Patienten, die es zu erreichen gelte, auf rund 800 000, die Pflegedienst im Jahr unterwegs ist. Zudem gebe es keine kleinen Autos mehr – wo er früher Neuwagen für 8000 oder 10 000 Euro kaufte, müsse er heute mindestens das Doppelte auf den Tisch legen, sagt Gschwendner. Im Heimbereich seien es steigende Löhne, die die Kostentreiben würden. Was da besonders drücke, seien die staatlich verordneten Lohnsteigerungen und Zuschläge in allen Pflegeberufen.
Massive Lohnsteigerungen
Im November/Dezember sei es wieder so weit, wobei man wissen müsse, dass es nur einmal im Jahr Pflegesatzverhandlungen gebe und man dabei solche staatlichen Eingriffe nicht bereits vorausschauend verrechnen könne. Er habe nichts gegen einen guten Verdienst und gönne es den Beschäftigten auch, doch müsse das refinanzierbar sein, so Gschwendner. Das bedeute etwa, dass eine gerade ausgelernte Fachkraft mit etwa 3300 Euro plus 400 Euro an Zuschlägen starte, wo sie früher 2400 Euro bekam. Eine Hilfskraft könne heute mit 2700 bis 2900 Euro Lohn rechnen statt früher monatlich mit einem Gehalt von 800 oder 1000 Euro.
„Am Ende müssen wir aufpassen, dass wir nicht ins Minus rutschen!“, sagt Gschwendner, zumal bei den Verhandlungen um staatliche Gehaltsvorgaben Verwaltung, Hausmeister oder Hauswirtschaft vergessen worden seien. Gut bezahlt werden müssten die trotzdem, da sie sonst gehen würden. Er rechne damit, dass der schon teure Heimaufenthalt noch einmal um 200 oder 300 Euro stiege.
Gespart wird nicht nur dort, sondern auch beim Krankenhaus
Um sich Geld und staatliche Kontrollen zu sparen, würden manche Heime kurzerhand in Wohngemeinschaften umgewandelt. Das sei auch schon im Landkreis passiert. Der Gesundheitsminister habe leicht reden, dass die Pflegeversicherung nicht pleite gehen könne, aber doch zu wenig Geld hineinfließe.
Das bedeute, die Beiträge würden erhöht – zu Lasten der Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Wenn die Kassen dann für die Patienten wenigstens mehr ausgeben würden, wäre es okay, so Gschwender – doch seine Erwartung ist das nicht. Gespart werde nicht nur dort – auch beim Krankenhaus sei das spürbar. So bekämen heute oft sie Zurückverlegungen nach kurzem Aufenthalt Samstagmorgen um 3 oder 4 Uhr – „das hat es früher nicht gegeben!“
Nach Sturz eines Seniors komme der Anruf aus dem Krankenhaus, man könne für 4,50 Euro die geforderte Untersuchung nicht machen – er solle dem Ministerium e einen Brief dazu schreiben. Oder auch, dass der Rettungsdienst versuche, den Patienten trotz Überweisung des Hausarztes zu überzeugen, lieber im Heim zu bleiben. So etwas komme heute vor, versichert Gschwendner.
Zufahrt wird gesperrt
Die Zufahrt zum Haupteingang von St. Michael, der Gschwendnerweg, wird ab Ende des Monats Oktober laut Karl Gschwender wegen Bauarbeiten für etwa vier Wochen nicht befahrbar sein. Der Grund: Die Gebäude bekommen einen Fernwärmeanschluss. Damit hofft der Inhaber, die Energiekosten senken zu können und den angekündigten, hohen Preissteigerungen für die Gasbelieferung entgegenwirken zu können.
Er bitte die Besucher von St. Michael und Angehörige, die Gäste für die Tagespflege bringen, während der Bauphase den Parkplatz am Seigen zu nutzen. Möglich sei es auch, die Ladestraße bei der Tagespflege im Schritttempo hoch zu fahren, um den Parkplatz beim Haupteingang zu erreichen, der offen sei. In Notfällen wie Rettungsdiensteinsätzen sei auch der Zugang über die Straße Haibierl und den dortigen Privatweg möglich.
