Finanzielle Defizite bei ambulanten Pflegedienst: Karl Gschwendner aus Roding muss handeln

Im ambulanten Pflegedienst Gschwendner werden in einem großen Gebiet, welches den Raum Roding sowie Cham bis nach Rettenbach und Zell umfasst, aktuell etwa 390 Klienten versorgt. So wie es bisher gelaufen ist, sei dies finanziell aber nicht mehr machbar, berichtet Inhaber Karl Gschwendner.
„Mich frustriert die aktuelle Lage“
Der Hauptgrund: Trotz der seit 1. September 2022 bestehenden gesetzlichen Verpflichtung zur Bezahlung der Mitarbeitenden nach einem bestimmten Tarifvertrag und der damit einhergehenden Personalkostensteigerung von rund 25 Prozent vergüten die Kostenträger nur unwesentlich höhere Leistungssätze. „Ich befürworte die höheren Löhne ausdrücklich, aber nun müssten sich diese eben auch etwas spürbarer in den Preisen für die erbrachten Leistungen niederschlagen“, so Gschwendner.
„Mich frustriert daher die aktuelle Lage“, gibt er weiter zu. Mittlerweile müsse bei Patientenanfragen für die ambulante Pflege durchgerechnet werden, ob es sich das Unternehmen überhaupt leisten könne, die Versorgung zu übernehmen. „Das ist ganz bitter für manche Leute, vor allem, weil es überwiegend Alleinstehende und Personen trifft, die in kleinen Ortschaften wohnen“, erläutert er. So rechne sich für den Pflegedienst ein zusätzlicher Stopp im Rodinger Stadtgebiet eher als einer in einem entfernten Weiler. Fair sei das nicht, sagt Gschwendner, aber: „Uns bleibt künftig keine andere Wahl, als dies bei der Patientenaufnahme miteinzubeziehen.“
Defizit unvermeidbar
Zweifellos liege dies beispielsweise auch an den erheblich gestiegenen Kosten im Bereich der Kfz-Betriebskosten (die Fahrzeuge sind teilweise täglich bis zu 300 Kilometer unterwegs), der Hauptfaktor seien jedoch die mittlerweile viel zu geringen Leistungssätze der Kranken- und Pflegekassen im Verhältnis zu den signifikanten Kostensteigerungen. Ein kostendeckendes Arbeiten sei so nicht mehr möglich. Einige Leistungen, wie etwa das Anlegen von Verbänden, seien ohnehin schon lange ein großes Draufzahlgeschäft und werden von manchen Pflegedienst nicht mehr angenommen, erzählt Gschwendner.
Wie er gegensteuern könne? Nur beschränkt, sagt der Geschäftsführer. So würden die Routen, die abgefahren werden, optimiert. Das heißt, die besonderen Wünsche der Betreuten, etwa nach genauen Anfahrtszeiten, um bevorzugten, individuellen Tagesabläufen nachzukommen, können nicht mehr so oft bedient werden wie vorher. Durch den enormen Kostendruck bei der Routenplanung müssen auch die Pflegekräfte Einschränkungen hinnehmen: Zum Teil können diese dadurch Patienten, welche sie mehrere Jahre gepflegt haben, nicht mehr in ihrer gewohnten Route betreuen. „Natürlich ist das nicht gut. Insbesondere wegen des sozialen Kontaktes und der Beziehungen, die man zueinander aufgebaut hat. Stetig mehr Effizienz und Kostendruck statt mehr Patientenwohl, das ist sehr bedauerlich“, so Gschwendner.
Servicepauschale ist „ausweglos“
Ebenfalls aus seiner Sicht ausweglos: Künftig müsse man eine monatliche Servicepauschale pro Klient erheben. „Wir werden diese so moderat wie möglich halten, auch bei den Patienten erhöhen sich die Kosten ja bereits an anderen Stellen. Leider ist es aber einfach nicht mehr möglich, Serviceleistungen wie das Beschaffen von Medikamenten und Verordnungen oder schlichtweg den stetig steigenden Verwaltungsaufwand – um einen kleinen Auszug aus diesem Spektrum zu nennen – weiter unentgeltlich zu erbringen.“ Sein ambulanter Pflegedienst sei bei weitem nicht der Einzige mit diesen Problemen, fügt Gschwendner an, so hätten etwa im Raum Regensburg mehrere Betriebe aufgehört.
Politiker auf allen Ebenen betonen immer, dass die ambulante Pflege besser auszubauen ist. Dies folgt insbesondere daher, dass zum einem ein großer Teil der Patienten lieber zu Hause betreut werden wolle, und zum anderen die Seniorenheime ausgelastet seien. „Durch solche Gesetze erreicht man aber leider genau das Gegenteil“, zeigt sich Gschwendner frustriert. Dabei wäre der Bedarf in diesem Bereich riesig: Bis zu 30 Anfragen der umliegenden Krankenhäuser nach Kurzzeitpflegeplätzen sowie ambulanter Pflege erreichten das Pflegezentrum Gschwendner täglich. Für die stationäre Pflege gibt es Wartelisten.
Wie die Menschen versorgt werden sollen, wenn es weder Heimplätze noch die Möglichkeit einer ambulanten Versorgung gäbe? Eine gute Frage, meint Gschwendner. Insbesondere Politik und Kostenträger seien gefragt, Lösungen zu finden. „Von den Krankenkassen heißt es, es sei nicht mehr Geld da. Von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach war vor kurzem lediglich zu hören, dass über die Unterstützung beziehungsweise den Ausgleich der Kostensteigerungen von ambulanten Pflegediensten im Bundestag beraten werde. Das nützt uns im Moment aber gar nichts“, berichtet er.
Verhandlung mit Kassen
Eine andere Lösungsmöglichkeit könnte es aber noch geben: Sein Unternehmen wolle nun selbst mit den Krankenkassen bezüglich einer höheren Vergütung nachverhandeln. Ob so ein gangbarer Weg gefunden werden kann? Gschwendner ist skeptisch, aber: „So wie es jetzt ist, kann es nicht weitergehen. Nicht nur für unseren ambulanten Dienst, sondern für alle. Insbesondere für die Patienten, die auf Unterstützung angewiesen sind, sowie Angehörige, die Entlastung benötigen, ist die Lage besonders misslich.“