Immer wieder Kritik an der Marktsatzung: Neunburger ringen um Sonntagsöffnungen

Im Juni beschloss der Stadtrat eine Änderung der Marktsatzung und damit auch eine Neuordnung der verkaufsoffenen Sonntage. Auch Monate später wird in Neunburg (Landkreis Schwandorf) immer noch darüber diskutiert. Nun gab es wieder ein Treffen der Händler mit Vertretern der Stadt. Eines ist danach klar: Die Wünsche beider Seiten zu erfüllen, wird nicht leicht sein.
Neunburgs Geschäftsleute wollen vor allem eines: den Wintermarkt im November zurück. Den aber hatte die Stadt im Zuge der Änderung der Marktsatzung als einen von bisher vier Jahrmärkten gestrichen. Für diese Entscheidung gab es aus Sicht der Stadt gute Gründe. Aufgrund der zeitlichen Nähe zum Burgadvent – drei Wochen lagen in der Regel zwischen beiden Veranstaltungen – sei es sehr schwer gewesen, genügend Händler nach Neunburg zu holen.
In der Stadtverwaltung wolle aber auch niemand einen Markt mit nur einer Handvoll Fieranten organisieren, ist aus dem Rathaus zu hören. Denn wenn ein solcher Markt einen schlechten Eindruck bei den Besuchern hinterlasse, könnte sich das auch negativ auf die anderen Veranstaltungen auswirken, so die Befürchtung.
Kommunen starten Initiative
Deshalb entschieden sich die Stadträte, den Wintermarkt zu streichen. Damit war aber auch der verkaufsoffene Sonntag für die Neunburger Innenstadthändler passé. Denn in Bayern darf eine derartige Sonderöffnung nur anlässlich von Märkten, Messen oder ähnlichen Veranstaltungen erfolgen.
Dass der Wegfall des Wintermarkts einigen Neunburger Einzelhändlern nicht schmeckt, ist verständlich. Doch es gäbe genügend andere Möglichkeiten, um das Weihnachtsgeschäft anzukurbeln. Man muss nur den Blick weiten, findet MZ-Redakteur Jan Lange in seinem Kommentar
Diese Regelung kritisieren die Kommunen schon länger. Wie Neunburgs Bürgermeister Martin Birner (CSU), der auch Oberpfälzer Bezirksverbandsvorsitzender des Bayerischen Gemeindetages ist, erklärt, gab es vor einigen Jahren schon mal eine Initiative, die anlassbezogene Öffnung zu lockern. Im Landtag habe sich dafür aber keine Mehrheit gefunden.
Vor ein paar Monaten wurde ein weiterer Versuch gestartet. Birner habe die beiden MdLs aus dem Landkreis Schwandorf, Alexander Flierl (CSU) und Martin Scharf (FW), gebeten, sich für eine Änderung stark zu machen. Bisher gab es noch keine Entscheidung, so Birner.
Deshalb muss die Stadt Neunburg vorerst weiter die verkaufsoffenen Sonntage so planen, dass sie zusammen mit Märkten oder Festen stattfinden. Aus diesem Grund wurde für den ebenfalls gestrichenen Kunst- und Handwerkermarkt im Juli die Sonntagsöffnung mit dem Altstadtfest im August zusammengelegt.
Heuer waren die Händler mit dem ersten Versuch noch nicht zufrieden, wie die MZ erfuhr. Die Geschäftsleute stimmen aber darin überein, dass dies auch am schlechten Wetter gelegen haben könnte. „Wir werden uns das 2025 nochmals anschauen“, meint Vanessa Meier von Intersport Meier.
Neuer Versuch beim Neunburger Altstadtfest
Dass es beim Altstadtfest im nächsten Jahr einen neuen Versuch geben soll, habe man auch beim jüngsten Treffen mit der Stadt vereinbart. „Besser wir machen beim Altstadtfest am Sonntag auf, als dass wir zum Burgadvent am Samstag länger öffnen“, findet Miriam Becher von Mode Becher am Jobplatz. Bevor es gar keinen verkaufsoffenen Sonntag in Neunburg geben würde, öffne man lieber beim Altstadtfest das eigene Geschäft, steht für die Modehaus-Inhaberin fest.
Den Burgadvent mit einem langen Einkaufssamstag zu verbinden, hält sie nicht für die „glücklichste Kombination“. Heuer werde man das Modell mittragen und am Burgadvents-Samstag bis 20 Uhr öffnen, aber 2025 will Miriam Becher mit anderen Händlern selber etwas organisieren.
Ähnlich denkt auch Vanessa Meier. Die derzeitige Lösung mit dem Burgadvent sei für sie noch nicht zufriedenstellend. Sie glaubt, dass die Kunden, die warm eingekleidet zum weihnachtlichen Treiben im Burghof gehen, nicht unbedingt vorher in den Geschäften bummeln und sich mehrfach die warme Bekleidung beim Anprobieren aus- und anziehen wollen. Auch Miriam Becher nimmt an, dass die Besucher nicht gern mit vollen Einkaufstüten über den Burgadvent schlendern wollen. „Wenn es anders sein sollte, lasse ich mich gern eines Besseren belehre und denke dann um“, so die Modehaus-Chefin.
Für die Händler gibt es aber noch einen weiteren Grund für die Ablehnung: Der Burgadvent ist erst am dritten Adventswochenende. Viele hätten zu diesem Zeitpunkt bereits die Geschenke für ihre Lieben besorgt und würden deshalb auch nicht mehr durch die Geschäfte gehen, ist Vanessa Meier überzeugt. Im November dagegen würden sicher einige noch etwas suchen und lieber länger shoppen wollen, meint die Neunburger Geschäftsfrau.
Details werden abgestimmt
Martin Birner begrüßt die Bereitschaft einiger Händler, im nächsten Jahr selbstständig ein Event im November auf die Beine stellen zu wollen. Dies müsse aber mit Bayerns Regelung konform sein. Das bedeutet, dass die Geschäfte nicht einfach nur aufmachen können, sondern sie müssen die Sonderöffnung an einem Sonntag mit einer Veranstaltung verknüpfen.
Welche Voraussetzungen diese erfüllen muss, soll zwischen Stadt und Händlern in den nächsten Monaten noch abgestimmt werden. Der Rathauschef betont, dass man nicht gegeneinander arbeite. Die Stadt sei bereit, Unterstützung zu leisten. Die Hauptorganisation müsse aber bei den Händlern liegen.
