Tipps aus Cham für Lesenswertes aus dem Jahr 2024: Die besten Seiten des Jahres

Von Christoph Klöckner · 14. November 2024 um 11:00

Wie schaut der typische Buchleser in Cham aus? Ist der Gradmesser der Besuch des WeinLeseabends in der Buchhandlung Rupprecht, so ist es eine Leserin – Frauen bildeten unter den über 200 Zuhörern die Mehrheit – und die meisten davon tragen eine Brille. „Eine Folge der Leselust“, vermutet Maria Rupprecht im Gespräch. Um diese Lust weiter zu verwöhnen, hatte sie mit ihren Mitarbeiterinnen für den Abend die besten Seiten des Jahres zusammengestellt.

Viel mehr Typisches lässt sich aus dem Publikum nicht herauslesen – selbst das Alter ist hier breit verteilt – von ganz jung bis zu den älteren Semestern ist alles da, um Expertentipps für neue Lesewelten entgegenzunehmen. Und gemessen am Ansturm auf die Karten für den Abend – die Veranstaltung war bis auf den letzten Platz gefüllt – bleibt für die Angsthasen rund ums Buch in Zeiten von Netflix, Handy und Co. festzuhalten: Es wird weiter gelesen!

Acht ihrer Lieblingsbücher stellten die vier Chamer Mitarbeiterinnen mit eigenen Beschreibungen und Textauszügen vor − allein zehn Werke präsentierte die Chefin dem Publikum, das sich in vielen Beschreibungen der Expertinnen wiederfand. So hatte Maria Rupprecht gleich mehrere Bücher des Kabarettisten Horst Evers parat, speziell für die, die allabendlich drei Seiten im Bett lesen, bis die Augen zufallen, somit ein Jahr für ein Buch brauchen.

Evers schreibt humorvolle Kurzgeschichten für solche Kurzgenießer, die auch in Cham gut ankommen, wie eine mit viel Lachen aufgenommene Leseprobe bewies. Auch für die Leserinnen und Leser, die gerne stundenlang in ganze Lesewelten untertauchen, hatte Maria Rupprecht einen Tipp dabei. Solche dicken Schmöker seien heute eigentlich nicht mehr ihre Sache, gab sie zu, da sie möglichst viele Bücher lesen wolle.

Beim Werk von Chris Whitaker „In den Farben des Dunkels“, das 600 Seiten umfasst, mache sie gern eine Ausnahme. Das Buch, auf das sie durchs Radio aufmerksam geworden sei, sei in wahnsinnig toller Sprache geschrieben, eine Art Krimi, beschreibe die langjährige Suche nach Grace – „ein Meisterwerk, trotz der Seitenzahl!“

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Sie stellte auch das Werk vor, das im Überblick aller vorgestellten Bücher aus dem Rahmen fiel und sie selbst hin- und hergerissen habe. Einerseits sei es abstoßend und brutal, anderseits doch fesselnd – hier widerwärtig, dort aber auch spannend, so Maria Rupprecht. Die Rede ist von „Trophäe“ von Gaea Schroeters, in dem ein reicher Großwildjäger am Ende einen Menschen jagt. „Das Buch stellt vieles auf den Kopf, ist verstörend“, so die Buchhandlungschefin, die mit „Sternstunden der Menschheit“ auch das einzige Sachbuch vorstellte. Darin enthalten seien 15 interessante Geschichten um besondere Augenblicke der Geschichte, etwa rund um die Erklärung der Menschenrechte oder um die erste Pizzeria in Deutschland, die 1952 in Würzburg eröffnete – „die gibt es heute noch!“

Den Auftakt des Abends hatte Veronika Volkner gemacht, die auch die Zuhörer begrüßte. Es gelte, ihnen die Schätze des Jahres nahezubringen, so Volkner, die Voltaire mit den Worten zitierte, lesen stütze die Seele, und dann auf ihren ersten „Schatz“ einging, um „Kein guter Mann“ zu empfehlen. Es handelt vom mürrischen Postboten Walter, der sich nach und nach verwandelt, als ihm ein Kind schreibt.

Solche und ähnliche Lebensgeschichten in ganz unterschiedlichen Farben und Ausformungen, einige der vorgestellten Romane behandeln etwa das aktuelle Thema Demenz, empfahlen die fünf Expertinnen der Buchhandlung – die haben alle eines gemein: Sie sind lesenswert!

Die Buchtipps im Detail

Lesenswert: Das Prädikat „lesenswert“ verteilten die Rupprecht-Expertinnen an 18 Bücher, die sie den über 200 Zuhörern am Dienstagabend vorstellten.

„Kein guter Mann“ des Autors Adreas Izquierdo (DuMont Verlag, 13 Euro) und „Die andern sind das weite Meer“ von Julie von Kessel (Eisele Verlag, 23 Euro) stellte Veronika Volkner vor.

„Die Vorhersage“ von Nikki Erlick (Heyne Verlag, 13 Euro) und „Hallo, du Schöne“ von Ann Napolitano (DuMont Verlag, 25 Euro) waren die Schätze von Victoria Eiber.

„Der Bademeister ohne Himmel“ von Petra Pellini (Rowohlt Verlag, 23 Euro) und „Mühlensommer“ von Martina Bogdahn (Kiepenheuer & Witsch, 23 Euro) empfahl Evi Heitzer.

„Wildhonig“ von Jodi Picoult (C.Bertelsmann Verlag, 18 Euro) und „Das Sommerhaus“ von Megan Miranda (Penguin Verlag, 12 Euro) präsentierte Wanda Pötschke.

„Pi mal Daumen“ von Alina Bronsky (Kiepenheuer & Witsch, 24 Euro), „Ein wenig mehr Wir“ von Leah Weigand (Knaur Verlag, 18 Euro), „Das Geflüster“ von Ashley Audrain (Penguin Verlag, 22 Euro), „Trophäe“ von Gaea Schoeters (Zsolnay Verlag, 24 Euro), „Und plötzlich ist die Welt eine andere: Sternstunden der Menschheit“ (C.H. Beck Verlag, 18 Euro) von Tanja Stelzer (Hrsg.), „Von Norden rollt ein Donner“ von Markus Thielemann (C.H. Beck Verlag, 23 Euro), „In den Farben des Dunkels“ von Chris Whitaker (Piper Verlag, 24 Euro) sowie „Für Eile fehlt mir die Zeit“ (Rowohlt Verlag, 13 Euro), „Mein Leben als Suchmaschine“ (Rowohlt Verlag, 10 Euro) und „Zu faul zum Nichtstun“ (Rowohlt Verlag, 22 Euro), alle von Autor und Kabarettist Horst Evers, sind die zehn Spitzenreiter von Maria Rupprecht, die sie dem Chamer Publikum ans Herz legte und beste Unterhaltung versprach.