Warum die Stadtbücherei Cham ab sofort ein Sternderl-Verbot hat

Von Johannes Schiedermeier · 24. Juni 2024 um 15:00

Die Stadtbibliothek ist neuester Schauplatz der Genderdebatte um Sternchen, Doppelpunkt und Mediopunkt. Nachdem die Satzung zunächst gendergerecht umgearbeitet worden war, hat die Verwaltung nun dem Stadtrat vorgeschlagen, die Sternchen durch eine klare Ansprache wie „Nutzerinnen und Nutzer“ zu ersetzen. Der Vorschlag kam von Landesvater Söder.

Stadtrat Florian Gruber (ÖDP) kündigte an, dass er dagegen stimmen werde. Es handle sich nur um eine Empfehlung, so Gruber. – „Es sollte lesbar bleiben“, hielt Leitende Beamtin Sigrid Stebe-Hoffmann dagegen. Stadtrat Frank Aumeier stellte fest: „Man kann alles übertreiben. Ich kann mit den Sternchen nichts anfangen. Soll jeder abstimmen, wie er mag.“ Diese Diskussion brachte die SPD-Sprecherin Claudia Zimmermann etwas in die Zwickmühle, weil Florian Gruber ihrer Fraktion angehört. Sie hob die Hand gar nicht.

Nach der Abstimmung fragte Bürgermeister Stoiber nach, ob das eine Zustimmung gewesen sei. Sie habe gar nicht gestimmt, so Zimmermann. Daraufhin erläuterte der Bürgermeister, dass es Enthaltungen im Stadtrat nicht gibt. Als Antwort wollte Zimmermann kurzfristig die Sitzung verlassen: „Geh’ ich halt auf’s Klo!“

Stoibers Antwort: „Zu spät!“ Die Abstimmung sei vorbei. Am Ende wurde die Stimme gar nicht gezählt: „Wenn sich jemand an der Abstimmung nicht beteiligt, dann zähle ich nur die Stimmen, die abgegeben wurden. In diesem Fall ist das ohnehin für das Ergebnis unerheblich gewesen“, erläutert Verwaltungsleiterin Sigrid-Stebe-Hoffmann.

Glosse

#Söderschreibt

Söder hat geschrieben! Sie wissen schon: Das ist der, der immer sein Essen postet. Unser aller Ministerpräsident, der überall auftaucht, ab und zu sogar im Landtag. Dabei vergisst er nie, sich über die überbordende Bürokratie auszulassen. Bevorzugt die der Ampel.

Jetzt hat er über 2000 Gemeinden in ganz Bayern schreiben lassen, dass der Berliner Genderwahn aus den Satzungen getilgt werden darf. Frei nach Paragraf 22 der Allgemeinen Geschäftsordnung für Behörden: Sternderl-Verbot im Schriftverkehr.

Nun wird landauf, landab in Kommunen diskutiert und aus Satzungen alles wieder rausgegendert. Da kriegt die Bürokratie echte Existenzängste und die Schrecken einer Klimakrise verblassen. Ich hätte Ihnen gerne noch gesagt, was Söder gestern gegessen hat. Leider hat der Landesvater aber auch ein Satzungsproblem: Die Top-Beiträge von #söderisst sind derzeit verborgen, da die Community Inhalt gemeldet hat, der möglicherweise gegen die Gemeinschaftsstandards verstößt... Hat er wieder den Schnitzel nicht gegendert, der Schlingel.