Er stand den Tätern direkt gegenüber: So erlebte der Inhaber den Einbruch bei e-motion

Diese Nacht wird Herbert Manz wohl nie vergessen. Am Mittwoch gegen 1 Uhr haben Einbrecher in seinem Fahrradladen e-motion in Schwarzenfeld (Landkreis Schwandorf) zugeschlagen und vier hochwertige Mountainbikes geklaut. Als der 53-Jährige nach dem Rechten sehen wollte, wäre er den vermummten Männern beinahe in die Arme gelaufen.
„Um 0.52 Uhr war die Nacht für mich vorbei“, sagt Herbert Manz am Vormittag danach. Er wohnt oberhalb seines Autohauses an der Böttgerstraße, nur einen Steinwurf vom Fahrradgeschäft e-motion entfernt, das er vor etwa zwei Jahren eröffnet hat.
In dem Laden hatte mitten in der Nacht zum Mittwoch die Alarmanlage ausgelöst. Diese ist mit dem Handy von Manz verbunden, das der Geschäftsmann auch mit ins Schlafzimmer nimmt. „Ich habe dann auf die Überwachungskamera geschaut und sofort die Polizei gerufen“, erinnert er sich.
Nicht der erste Einbruch bei Herbert Manz
Denn auf den Kamerabildern konnte der Schwarzenfelder zwei Männer beobachten, die gerade dabei waren, vier hochwertige Mountainbikes aus der Verkaufshalle zu klauen.
Mit Einbrüchen hat Manz durchaus schon seine Erfahrungen gemacht. Seit vielen Jahren verkauft er an der Böttgerstraße die neusten Volkswagen- und Audimodelle. Zweimal sei sein Autohaus schon ins Visier von Dieben geraten. Einmal hatten die Täter einen Neuwagen mitgehen lassen, das andere Mal waren sie auf Spezialwerkzeug aus.
In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch sah sich der Schwarzenfelder nun mit dem dritten Einbruch konfrontiert – diesmal im neuen Fahrradgeschäft. Besonders erschrocken ist der Inhaber von der Seelenruhe, die die Täter dabei an den Tag gelegt hatten.
Manz vermutet aufgrund der Spurenlage vor Ort folgenden Tathergang: Die Unbekannten hatten wohl zuerst einen Zaun aufgebogen, gelangten dadurch an die Gebäuderückseite und warfen dort ein Fenster ein, das zum Heizungsraum führt. Davon zeugten die vielen Glasscherben, die auch noch am frühen Mittwochnachmittag überall verteilt lagen.
Nachdem sich die Unbekannten Zutritt zum Verkaufsraum verschafft hatten, nahmen sie vier teure Carbonräder mit. Bei ihrem Beutezug ließen sie sich auch nicht von der Alarmanlage beirren, die längst ausgelöst hatte. Den Wert der einzelnen Räder beziffert der Fachmann auf jeweils mehrere tausend Euro. Nachdem die Diebe die Fahrräder aus den Ständern gehoben hatten, öffneten sie das große Rolltor, um nach draußen zu gelangen.
Geschäftsmann Auge in Auge mit den Tatverdächtigen
Zwischenzeitlich war auch der Geschäftsinhaber raus aus seinem Schlafzimmer, wie er erzählt. Er war gerade dabei, die Türe seines Autohauses aufzusperren, um anschließend zum Fahrradladen zu gehen. Doch durch die Scheibe entdeckte er zwei vermummte gestalten, die gerade über den Hof schlenderten. „Einer hat mit dem Finger in die Ferne gedeutet und nur mit ausländischem Akzent ,drüben‘ gesagt“, erinnert sich Manz. Er glaubt, dass ihm der Einbrecher zu verstehen geben wollte, dass er hier nichts zu suchen habe.
Der Geschäftsmann entschied sich – auch aus Eigenschutz – dazu, die Einbrecher gewähren zu lassen. Die Täter seien wenig später samt Fahrrädern mit einem Auto geflüchtet. Dieses hatten sie zuvor offensichtlich auf einem Parkplatz beim Milchwerk abgestellt. Um die Fahrräder dorthin zu bringen, schnitten sie wohl auch ein Loch in den Maschendrahtzaun, der um den Stellplatz gespannt ist.
Was die Einbrecher vielleicht nicht wussten: Während der ganzen Tat wurden sie von Überwachungskameras gefilmt, die Manz schon seit Längerem hat anbringen lassen. Das Videomaterial sei bereits von der Polizei gesichert worden, sagt der Unternehmer.
Die Ermittler haben aber noch einen anderen Anhaltspunkt, der einen schnellen Erfolg versprechen könnte. Denn wie das Polizeipräsidium Oberpfalz auf Nachfrage der Mittelbayerischen berichtet, wurde eine Streife in der Tatnacht auf ein verdächtiges Fahrzeug aufmerksam.
Kriminalpolizei Amberg ermittelt und bittet um Hinweise
Dabei handelt es sich um einen weißen Kombi der Marke Skoda. Als die Polizisten die Verfolgung aufnahmen, soll der noch unbekannte Fahrer gehörig aufs Gaspedal gedrückt und auch einige Baustellenausschilderungen beschädigt haben. Die Polizisten verloren letztendlich die Fährte.
Der Skoda wurde aber am frühen Mittwochmorgen von einem Rentner entdeckt. Der Wagen stand verweist auf einem Feld Nähe Fuggerstraße in Amberg. „Wir haben in dem Wagen zwei Fahrräder und vier Laufräder gefunden“, sagt Polizeisprecher Jonas Krauß. Von zwei weiteren Fahrrädern, die Manz vermisst, fehlt jedoch jede Spur. Die Ermittler vermuten, dass diese in einen anderen Wagen verladen wurden.
Die Beamten sicherten bei den aufgefundenen Rädern Spuren. Man gehe davon aus, dass es sich um das Diebesgut handle, das aus dem Fahrradladen e-motion in Schwarzenfeld geklaut wurde. Zur Identität der Täter gebe es aber noch keine Hinweise.
Die Kriminalpolizei Amberg hat die Ermittlungen übernommen und bittet deswegen um Mithilfe aus der Bevölkerung. Wer etwas Verdächtiges im Umkreis des Fahrradladens gesehen hat oder gar Zeuge der Verfolgungsjagd wurde, wird gebeten, sich unter Telefon (0 96 21) 89 00 zu melden.


