Mehr Menschen arbeiten kürzer im Landkreis Neumarkt: Kurzarbeit bei Dehn und Bock

Von Wolfgang Endlein · 12. November 2024 um 19:00

Nachrichten über die schwächelnde deutsche Wirtschaft reißen in diesen Tagen nicht ab. Auch im Landkreis Neumarkt häufen sie sich. Autozulieferer Magna wird sein Werk in Neumarkt schließen. Und nun steigt auch noch die Zahl an Kurzarbeitern, vor allem wegen der Unternehmen Dehn und Bock. Doch was sind die genauen Zahlen und wie sind sie einzuordnen?

18 Betriebe aus dem Landkreis Neumarkt haben nach Angaben der Arbeitsagentur Regensburg Kurzarbeit angemeldet. Möglicherweise sind davon 772 Mitarbeiter betroffen. Robert Brüderlein, Sprecher der Arbeitsagentur, betont das „möglicherweise“. Denn wie viele von den Anträgen auch tatsächlich zu Kurzarbeit führen, das kann die Agentur aufgrund des Melde- und Abrechnungsverfahrens erst fünf Monaten später sagen.

Dennoch: Ein Großteil der 772 Kurzarbeiter darf schon jetzt als gesichert gelten. Denn das Unternehmen Dehn bestätigt, dass rund 400 seiner Mitarbeiter seit Anfang November kürzer arbeiten. Wie Pressesprecher Simon Thaler erklärt, arbeiten die Mitarbeiter aktuell vier Tage in der Woche. Durch das Kurzarbeitergeld, und weil Dehn weiter aufstocke, erhielten die Mitarbeiter so 90 bis 95 Prozent ihres normalen Gehalts, erklärt Thaler.

Alarmglocken schrillen bei Dehn nicht

Die Kurzarbeit bei Dehn betrifft den Bereich Überspannungsschutz. Dieser mache 50 bis 60 Prozent des Geschäfts aus, sagt der Sprecher. Dort kommt derzeit verzögert die Flaute auf dem Bausektor an. „Der Elektriker kommt eben beim Hausbau mit als letztes“, erklärt Thaler. Noch im Februar seien die Auftragsbücher derart voll gewesen, dass bei Dehn an sechs Tagen gearbeitet worden sei.

Bei Dehn schrillen daher noch lange nicht die Alarmglocken. Trotz der aktuellen Delle laufe es beim Umsatz auf dem Vorjahresniveau, sagt Thaler. Von einem Absturz ist daher in der Firmenzentrale keine Rede. Man sieht eher eine Seitwärtsbewegung. „Aber wir wischen die Entwicklung auch nicht einfach beiseite, sondern nehmen es ernst“, betont Thaler.

Dehn hat selbst die Latte sehr hoch gelegt. Die vergangenen Jahre haben es mit dem Unternehmen sehr gut gemeint: Im vergangenen Jahrzehnt habe Dehn seine Mitarbeiterzahl verdoppelt und den Umsatz verdreifacht. Über Jahre hinweg sei man ein zweistelliges Wachstum gewohnt gewesen, sagt Unternehmenssprecher Thaler.

Dehn baut Produktion in den USA. Was bedeutet Wahl Trumps?

Die Basis ist gut, um eine schwierigere Phase zu durchstehen. „Wenn die Baubranche wieder anzieht, erledigt sich das Thema“, sagt Thaler. Wann das ist? Schwer zu sagen. Aber das Thema werde Dehn wohl lange bis ins Jahr 2025 hinein begleiten.

Grundsätzlich überwiegt aber der Optimismus: „Das gute an unserem Geschäft ist, dass wir in Themen unterwegs sind, die wachsen“, sagt der Sprecher und meint damit unter anderem E-Mobilität, Energiewende und energetische Gebäudesanierung.

Zudem sei das Unternehmen weltweit aufgestellt. Dazu gehört bald auch eine Produktion in den USA. Die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten erschüttert derweil nicht die Zuversicht, mit dem Standort den amerikanischen Markt besser bespielen zu können als von Deutschland aus.

Auch Bock aus Postbauer-Heng ist international aufgestellt. Der Produzent von Teilen für Bürostühle, Loungemöbel und die Autoindustrie teilt aber ebenso das Schicksal der Kurzarbeit mit Dehn. Allerdings beschränkt sich diese nach Angaben des Unternehmens auf die Verwaltung in Deutschland. Seit Oktober arbeiten die Mitarbeiter dort vier Tage in der Woche. Wie viele betroffen sind, erklärt Bock nicht.

Als Grund für die Maßnahme gibt das Unternehmen zurückgehende Aufträge vor allem aus der Autobranche in den vergangenen Monaten an. „Die Prognosen für die kommenden Monate lassen keine schnelle Erholung erwarten und leider geht es bei einigen Kunden sogar so weit, dass Aufträge über mehrere Monate hinweg herausgenommen wurden“, teilt Bock mit.

Bpck hat mehr als 2000 Mitarbeiter

In den vergangenen Jahren hatte das Familienunternehmen, das nach eigenen Angaben mehr als 2000 Mitarbeiter an Standorten unter anderem in Kanada, China und Ungarn hat, Stellen gestrichen.

Zurück zum aktuellen Anstieg der Kurzarbeit: Bemerkenswert ist mit Blick auf den gesamten Bereich, den die Arbeitsagentur in Regensburg abdeckt, dass der Landkreis Neumarkt deutlich stärker betroffen ist als die anderen Regionen. 18 von 30 Firmen, die Kurzarbeit beantragt haben, kommen von hier.

Zum Schluss ein Blick zurück, der Optimismus geben soll: Kurzarbeit ist im Landkreis nicht unbekannt. So lag die Zahl der Kurzarbeiter beispielsweise im Januar 2022 viel höher. 1075 Menschen waren damals laut Arbeitsagentur tatsächlich in Kurzarbeit. In den Monaten danach ging es wirtschaftlich jedoch wieder bergauf und mit der Zahl der Kurzarbeiter bergab.

Bock mit Sitz in Postbauer-Heng lässt einen Teil seiner Belegschaft ebenfalls in Kurzarbeit arbeiten. Foto: Endlein